23 Fotos zur Berliner Yerma

Die Yerma-Fassung des Regisseurs wurde 2016 im Young Vic Theatre London uraufgeführt (28. Juli – 24. September) und hatte vom 26. Juli bis 31. August 2017 dort erneut einen Shorttermrun. Titelheldin Billie Piper wurde extrem oft ausgezeichnet und es gab den Laurence Olivier Award for Best Revival. 2018 war die Produktion dann für sechs Wochen im Park Avenue Armory in New York City zu sehen.
Jetzt in Berlin die (vormals verschobene) Neueinstudierung mit dem Ensemble der Schaubühne und Simon Stone.

Yerma
von Simon Stone nach Federico García Lorca, aus dem Englischen von Brangwen Stone

Deutschsprachige Erstaufführung am 27. Juli 2021 im Saal A der Schaubühne Berlin, eine Produktion des Young Vic Theatre London

Regie: Simon Stone | Bühne: Lizzie Clachan | Kostüme: Alice Babidge | Musik und Ton: Stefan Gregory | Licht: James Farncombe | Dramaturgie: Nils Haarmann
Yerma: Caroline Peters | John: Christoph Gawenda | Maria: Jenny König | Victor: Konrad Singer | Helen: Ilse Ritter | Désirée: Carolin Haupt

Hinweis: Die Zuschauer sitzen auf zwei Tribünen sich gegenüber und die Schauspieler spielen auf einer Fläche, die beidseitig von Glasscheiben begrenzt ist. Zu hören sind sie über Mircoports.
Aktuell werden alle Sitzplätze verkauft (anfangs nur jeder Zweite), was damit den Maskenzwang die ganze, pausenlose Vorstellung von 106 Minuten Dauer impliziert.

Fotos © Frank Wesner

Mord im Orientexpress 2021 im Schiller Theater Berlin © Frank Wesner

18 Fotos zum Berliner Auftakt von Mord im Orientexpress

Mord im Orientexpress [Murder on the Orient Express]
von Agatha Christie, für die Bühne bearbeitet von Ken Ludwig, Deutsch von Michael Raab,
bearbeitet von Katharina Thalbach für die Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater

Deutsche Erstaufführung am Samstag, den 24. Juli 2021, an der Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater Berlin.
Die Uraufführung war am 17. März 2017, The McCarter Theatre Center for the Performing Arts, Princeton, New Jerey, USA; Die Deutschsprachige Erstaufführung am 21. November 2019, Theater in der Josefstadt, Wien, Österreich.

Regie: Katharina Thalbach | Co-Regie & Choreographie: Christopher Tölle | Bühne: Momme Röhrbein | Kostüm: Guido Maria Kretschmer | Musik: Christoph Israel | Video: Maximilian Reich
Hercule Poirot: Katharina Thalbach | Monsieur Bouc: Tobias Bonn | Mary Debenham: Anna Thalbach | Hector MacQueen: Alexander Dydyna | Michel, der Schaffner: Max Gertsch | Prinzessin Dragomiroff: Andreja Schneider | Greta Ohlsson: Nadine Schori | Gräfin Andrenyi: Nellie Thalbach | Helen Hubbard: Christoph Marti | Colonel Arbuthnot: Raphael Dwinger [2020 angekündigt: Kai Maertens] | Samuel Ratchett: Mat Schuh | Hildegard Schmidt: Wenka von Mikulicz | Tänzer/innen: Julian Bender, Carmela Bonomi, Kai Braithwaite, Abby Cheng, Sarah Julia Evertz, Tim Olcay, Eleonore Turri, Nigel Watson | Statisten/innen: Josué Moy De Almeida, Sixto Hernandez Barrios, Elias Gabele, Martina Pietroni

Fotos © Frank Wesner

Cyrano – Große Nase, Großer Dank

Kurz nach Beginn war schon in der Szene mit der Schreibblockade des Cyrano-Dichters Edmond Rostand klar, dass dies ein grandioser Abend wird. Wie Regisseur Christopher Tölle die Schauspieler spielerisch gemeinsam atmen und agieren lässt plus die Einspielungen des mit Filmmusik sehr erfahrenen Komponisten Marian Lux geben dem hinreißenden französischen Stück Tempo und Theaterträume. Ganz verstärkt – nicht nur durch die vielen Mehrfachrollen – entsteht Ensembletheater, wie ich es schätze und liebe. Und die Komödie am Kurfürstendamm hat wundervoll besetzt. Manche bringen Gripstheatererfahrungen mit und ein paar spielten früher in Potsdam.

Philip Butz ist absolut überzeugend und präzise als sein Stück immer wieder neu erfindender Dichter. Auf Dirk Schoeden als Cyrano-Darsteller hatte ich mich ebenso auf ein Wiedersehen gefreut, da er viele Facetten in einer bzw. seinen zwei Figuren zeigen kann.
Das Bühnenbild eher minimalistisch mit Möbeln, die fließend schnell gestellt und verräumt werden. Dazu wunderbare Kostüme (alles von Heike Seidler), die die Figuren immer erzählen und dabei den Darsteller nicht verstecken oder verkleiden. Selbst wenn sie eine Türklingel mit Kommentar spielen.

Für mich ist dies der ganz große Wurf der Theatersaison 2021, die ja erst im Juni vor Publikum starten durfte. Das selbiges dann auffällig nicht erscheint im endlich warmen Sommermonat plus nerviger Testpflicht und Maskenzwang ist keineswegs verwunderlich. Immerhin entfiel in Berlin inzwischen das permanente Masketragen am vereinzelten festen Sitzplatz.
Großen Dank für den Theaterzauber, der Mitfiebern lässt und Haltung zeigt.

Vorhang auf für Cyrano [Edmond]
Buch von Alexis Michalik | Deutsch von Kim Langner

13. Juni bis 4. Juli 2021 in der Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater Berlin, Voraufführungen 11. und 12. Juni

Regie: Christopher Tölle | Bühne und Kostüm: Heike Seidler | Komposition: Marian Lux |
Rosemonde, Rosine, Ankleiderin, Nonne: Vanessa Rottenburg | Maria, Jacqueline, Roxane: Birthe Wolter | Jeanne, Marceline, Adele, Roxane: Esther Agricola | Sarah Bernhardt, alte Mimin, Kellnerin, Suzon: Michaela Hanser / Bianca Karsten | Edmond Rostand: Philip Butz | Ange, Clarétie, Kritiker, Gast, Carbon, Fotograf, Fahrer: Peer Martiny | Madame Honoré, Alte Rampensau, Journalist, De Guiche, Le Bret: Adisat Semenitsch | Léo, Christian: Frédéric Brossier | Feydeau, Méliès, Lucien, Maurice Ravel, Tchechow, Schaffner, Vicomte de Valvert, Nonne: Oliver Dupont | Marcel, Gewandmeister, Direktor, Rezeptionist, Le Bret: Jörg Seyer | Coquelin, Stanislawski, Cyrano: Dirk Schoedon | Jean, Courteline, Zugführer, Gerichtsvollzieher, De Guiche, Ragueneau, Nonne: Lorris Andre Blazejewski / Björn Harras

Vorhang auf für Cyrano [Edmond] – Buch von Alexis Michalik | Deutsch von Kim Langner – 13. Juni bis 4. Juli 2021 in der Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater Berlin

Mehr als erstaunliche Manns

Selten konnte ich in der letzten Zeit so gelungenes politisches Theater mit Haltung erleben wie gerade im Renaissance Theater Berlin mit „Amazing Family – Die Reise der Familie Mann“. Gar nicht alle Manns werden portraitiert oder gar gradlinig nacherzählt. Es wird gestritten und behauptet. Eher werden Momente und Reaktionen gezeigt – und das meist mit Originalzitaten von oder über diese historischen Persönlichkeiten. Was sperrig klingt und wahrscheinlich inhaltlich gar nicht gefallen will, ist umso überzeugender in der Aussage und als Theaterspiel. Das schlaue Stück von Regisseur Torsten Fischer und Ausstatter Herbert Schäfer schon vor drei Jahren geschrieben, sollte am 3. Mai 2020 uraufgeführt werden und besticht nun seit dem 27. Juni 2021 mit mehrfacher Zeitlosigkeit. Das muss erst einmal gelingen und es ist großartig gelungen! Die Zuschauer strömten in das von Guntbert Warns seit dieser Spielzeit geleitete Theater.

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Peter Kremer in Amazing Family – Die Reise der Familie Mann – Uraufführung am 27. Juni 2021 am Renaissance Theater Berlin © Frank Wesner

Natürlich bin ich vom großen Spielertheater begeistert. Zum einen glänzen die Schauspieler*innen durch Doppelrollen – gerade diese Gegensätze geben Facetten Raum. Rauch von Zigarren liegt zusammen mit fein gesetzten Sprechpausen in der Luft. Dazu gibt Peter Kremer das Familienoberhaupt und Bruder Thomas Mann als intellektuellen Überlegenen, der viel zu spät erkennt, dass er vor seinem Volk, was ihn schätzt und er liebt, längst hätte fliehen müssen. Thomas Mann möchte in Deutschland der 1930er bleiben und nicht durch Flucht den aufkommenden Machthabern moralisch in die Hände spielen. Peter Kremer kann diesen Zwiespalt wunderbar aufzeigen und mit Nachdruck die Fragen dieses Zeitzeugen verdeutlichen. Trotz der immer wieder auftretenden Zeit- und Ortsprünge in der Entwicklung des Stücks kann Dank diesem präzisen Ensemblespiel der Zuschauer gespannt folgen und Parallelen ziehen. Zu den Manns gesellt sich noch Opportunist Gustaf Gründgens bzw. Hendrik Höfgen, den Intendant Guntbert Warns mit mephistolischer Lust verkörpert.

Eine klare Kostümsprache mit wenigen Veränderungen plus einen bühnengroßen Spiegel parallel zum Publikum sind zentrale Elemente der Ausstatter Herbert Schäfer und Vasilis Triantafillopoulos. Wenig entfaltet große Wirkung auf der kleinen Bühne des einzig vollständig erhaltenen Art-Déco-Theaters Europas. Das führt auch zum Glanz der UFA mit Fräcken und Zylindern plus gemeinsamen Gesang. Harry Ermer hat die musikalische Leitung vom Flügel rechts vor der Bühne aus. Manche musikalische Ergänzung kommt zudem aus den Lautsprechern.

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Amazing Family – Die Reise der Familie Mann – Uraufführung am 27. Juni 2021 am Renaissance Theater Berlin © Frank Wesner

Torsten Fischer schafft es in diesen fast zwei Stunden an Text und Informationen plus Pause die Spannung auf das unweigerlich Kommende aufrechtzuhalten. Spielszenen schaffen Abwechslung obwohl oder trotzdem das Siebenerensemble fast immer vollständig auf der Bühne steht. Einzig der (zeitliche) Aufwand mit dem zusätzlichen umgekippten, dritten Tisch – von Technikern mühsam auf die Bühne gezerrt weil so schwer – will mir nicht einleuchten, wo doch kaum etwas dazu gewonnen wird außer jegliches Timing zunächst zu verlieren. Aber der Regisseur hat sein Stück und die Manns gekonnt im Griff, kann die Zuschauer in den Bann ziehen und ihnen einen Spiegel vorhalten. Was für ein grandioser Abend! Zum Ansehen und Erstaunen bestens empfohlen.

Die eigenen Fotos zu dieser Produktion sind hier im Blog zu finden.

Amazing Family – Die Reise der Familie Mann
von Torsten Fischer und Herbert Schäfer

Uraufführung am 27. Juni 2021 am Renaissance Theater Berlin

Regie: Torsten Fischer | Ausstattung: Herbert Schäfer und Vasilis Triantafillopoulos | Musikalische Leitung: Harry Ermer
mit Peter Kremer (Thomas Mann), Markus Gertken (Heinrich Mann / Hans Otto), Imogen Kogge (Katia Mann / Therese Giehse), Boris Aljinović (Klaus Mann), Judith Rosmair (Erika Mann / Elisabeth Bergner), Guntbert Warns (Gustaf Gründgens – Hendrik Höfgen), Noëlle Haeseling (Ein junges Mädchen / Pamela Wedekind / Nicoletta von Niebuhr / Sängerin – Trude Hesterberg / Nelly, Heinrichs zweite Frau), Harry Ermer (Piano)

Amazing Family – Die Reise der Familie Mann – Uraufführung am 27. Juni 2021 am Renaissance Theater Berlin © Frank Wesner

Sonntäglicher Tatort in Strausberg

Nun war es endlich wieder so weit. Seit 4. Juli 2021 wird im Amphitheater des Lakeside Burghotels Strausberg wieder Theater live und leicht distanziert gespielt. Die Zusammenarbeit von Berliner Kriminal Theater und dem 4-Sterne-Hotel hat sich in den vergangenen gut 12 Jahren bewährt. Jeden Sonntag jeweils um 20.00 Uhr bis zum 29. August 2021 gastieren Komödien mit krimineller Energie.
Zunächst vier Mal „Der Tatortreiniger – Zwei Episoden aus der populären TV-Krimi-Serie von Mizzi Meyer“: „Ganz normale Jobs“ und „Nicht über mein Sofa“. Zwei Vierzigminüter quasi zur Primetime. Dieser Abend ist seit dem 25. September 2019 im Repertoire (eigentlich aus drei Teilen bestehend) und jetzt merklich frisch und pointiert geboten im Schauer freien Sommerabend.
„Zwei wie Bonnie & Clyde“ folgt dann fünf Mal sonntäglich im ganzen August 2021.
Und vor allem macht die Brandenburgische Lage des Lakeside Burghotels östlich von Berlin in der S5-Region mit nur der Auflage zum Abstand den Besuch sehr angenehm. Den Anstand verlieren die Rollen und das Amüsement gewinnt der Zuschauer.
Mehr Bilder und Informationen über „Der Tatortreiniger“ sind hier im Blog zu finden.

Uraufführung Amazing Family

Amazing Family – Die Reise der Familie Mann
von Torsten Fischer und Herbert Schäfer

Uraufführung am 27. Juni 2021 am Renaissance Theater Berlin

Regie: Torsten Fischer | Ausstattung: Herbert Schäfer und Vasilis Triantafillopoulos | Musikalische Leitung: Harry Ermer
mit Peter Kremer (Thomas Mann), Markus Gertken (Heinrich Mann / Hans Otto), Imogen Kogge (Katia Mann / Therese Giehse), Boris Aljinović (Klaus Mann), Judith Rosmair (Erika Mann / Elisabeth Bergner), Guntbert Warns (Gustaf Gründgens – Hendrik Höfgen), Noëlle Haeseling (Ein junges Mädchen / Pamela Wedekind / Nicoletta von Niebuhr / Sängerin – Trude Hesterberg / Nelly, Heinrichs zweite Frau), Harry Ermer (Piano)

Infotext vom Theater: „Eine der bekanntesten Familien des zwanzigsten Jahrhunderts wird zu neuem Leben erweckt. Die berühmten Brüder Thomas und Heinrich stehen politisch auf konträren Standpunkten und prägen die deutschsprachige Literatur auf höchstem Niveau. Klaus und Erika, experimentierfreudig, geistreich, schauspielerisch und politisch aktiv, lassen keinen Kompromiss in den komplexen Familienverhältnissen zu. Dieser Mikrokosmos, von Katia selbstbewusst und mit unnachlässiger Energie zusammengehalten, wird durch die gewalttätigen Umwälzungen des zwanzigsten Jahrhunderts zu einer unfreiwilligen Reise gezwungen: Ins Exil nach Amerika. Dort wird die ganze Familie zu einer Institution der Exilanten und die Verantwortung Position zu beziehen wird lebensnotwendig.“

Nachdem die Uraufführung nicht am 3. Mai 2020 stattfinden durfte, ermöglichte nun Intendant Guntbert Warns am Sonntag, 27. Juni 2021, die Premiere.

Fotos © Frank Wesner

Brigitte Grothum spricht von Brunhilde Pomsel

Sie blickt zurück. Aus ihrem zellenförmigen Verließ blickt sie auch heraus. Brunhilde Pomsel begegnen ihre Lebenserinnerungen. 102 Jahre in Deutschland. Im Aufwachsen geprägt vom ersten Weltkrieg und strenger Erziehung. Als Backfisch dann mit Glück und stenotypistischem Geschick vom Kleinunternehmer über das Deutsche Theater und Berliner Rundfunk zum Propagandaministerium der Nationalsozialisten. Dort wird sie eine von vielen Sekretärinnen von „Naturereignis“ Joseph Goebbels, über deren Schreibtisch nicht wirklich etwas Brisantes gegangen sein soll. So jedenfalls ihr Bericht. Natürlich hätten sie damals die Nachrichten verfälscht und dramatisiert, doch vieles hätte sie erst nach dem Zweiten Weltkrieg erfahren. Über ihr langes Leben in Westberlin nach fünfjähriger Haft erfährt der Zuschauer leider nichts.

Ein deutsches Leben fokussiert in 75 Minuten auf Erinnern und Verdrängung. Für eine Neubetrachtung oder Einordnung ist Christopher Hamptons Frauensolo nach den dokumentarischen Interviews der Pomsel zu schwach. Fehlt dem Stück der Kontrapunkt oder Fragensteller? Jedenfalls erinnert sie sich grundlos – mal mit, mal ohne Einbeziehung eines Publikums. „Haben wir damals so gedacht, oder denken wir heute, dass wir so gedacht haben?“, ist einer der vielen markigen Fragen und Sätze in der deutschen Erstaufführung, die Brigitte Grothum brillant stellt.

Wie sie ihre 75 Minuten lückenlos spannend hält, ist herausragend. Sie spricht abwechslungsreich, mal mit Naivität, mal mit eigener Erschütterung, Entsetzen, Verletzt sein und gibt die Pomsel nicht der pauschalen Verurteilung preis. Sie stellt Fragen an sich und an das Heute. Regisseur Philip Tiedemann hat mit ihr fesselnde 75 Minuten gestaltet. Mit Bildprojektionen lässt er sie für die Zuschauer nachvollziehbar reagieren auf Ereignisse und Stationen. Doch zufrieden stellend finde ich die spartanische Ausstattung nicht. Pomsel selbst in schwarz vor schwarzem Hintergrund mit einer roten Rose auf dem Tisch. Das lässt sich wahrlich leicht wegräumen. Aber was wären statt einer drei Projektionsflächen gewesen, so dass Pomsel mittendrin ist und nicht ausweichen kann? Wo der Raum als spätes Verließ unklar bleibt, ist auch die Funktion der angesprochenen Zuschauer diffus. Stimmungen erzeugt auch die Soundcollage und Kompositionen von Henrik Kairies, die selbst ein paar Themenwiederholungen weniger vertragen hätten.

Nachdem Brigitte Grothum 2014 die Berliner Jedermann-Festspiele schließen musste und öfter schon auf der Bühne des Schlosspark Theaters Berlin stand (1960 war es das erste Mal), ist ihr und Regisseur Philip Tiedemann ein fulminanter Glanzpunkt gelungen, auch wenn dem Stück die artifizielle Entrückung fehlt, was die schwarz-weiße Filmdokumentation schaffte. Zunächst nur zwei Vorstellungen im Monat. Da kann ich nur zahlreiche Zusatzvorstellungen wünschen. Hingehen ist dringend empfohlen!

Ein deutsches Leben
von Christopher Hampton / deutsch von Sabine Pribil

deutschsprachige Erstaufführung am 10. Oktober 2020 im Schlosspark Theater, Berlin

Inszenierung: Philip Tiedemann | Musik: Henrik Kairies
mit Brigitte Grothum als Brunhilde Pomsel

31 Fotos von Brigitte Grothum

Brunhilde Pomsel, Jahrgang 1911, Berlinerin. Arbeitet Anfang der 30er Jahre für einen jüdischen Rechtsanwalt, dann als Sekretärin beim Rundfunk und schließlich als eine Stenotypistin bei Nazi-Propagandaminister Joseph Goebbels.
Dieses 75minütige Solo von Christopher Hampton basiert auf einem Interview (und österreichischen Dokumentarfilm), was Brunhilde Pomsel im Alter von 102 (!) Jahren gab. Die Zeugenschaft eines Lebens in Berlin, aber auch eine Nahbetrachtung der Macht in seiner dunkelsten Stunde. Ein Blick auf den unheimlichen deutschen Meister der Propaganda, dessen Erfindung wir gerade heute so deutlich vor Augen haben.

In der deutschsprachigen Erstaufführung ist Brigitte Grothum als Brunhilde Pomsel zu erleben. Inzwischen vor 65 Jahren stand die 85jährige erstmals auf der Steglitzer Bühne. Zwei Mal im Monat kommt das am 12. April 2019 im Bridge Theatre London uraufgeführte Solo in Berlin auf den Spielplan.

Ein deutsches Leben
von Christopher Hampton / deutsch von Sabine Pribil
deutschsprachige Erstaufführung am 10. Oktober 2020 im Schlosspark Theater Berlin

Inszenierung: Philip Tiedemann | Musik: Henrik Kairies
mit Brigitte Grothum als Brunhilde Pomsel

Fotos © Frank Wesner

22x Dagmar Manzel 2020

22 Fotos aus dem Soloabend mit Dagmar Manzel in Berlin.
Wenn politische Regeln und Auflagen Ensembleopern wie die ursprüngliche angekündigte Katja Kabanowa (Káťa Kabanová) unmöglich machen, aufgeführt zu werden, dann wird der längst im kleinen Rahmen mit Darstellerin und Zuschauern auf der Bühne geplante Soloabend zum rettenden Lichtblick – vor sozial distanziertem Publikum im großen Saal. Vor Arnold Schönbergs Vertonungen „Pierrot Lunaire“ kommen zwei unabhängige Texte von Samuel Beckett, die jeweils ihren eigenen Rhythmus haben.
In „Nicht Ich“ ist vorgeschrieben, dass nur der Mund der Protagonistin zu sehen ist. In „Rockaby“ bewegt sich Dagmar Manzel im Schaukelstuhl zur eigenen Aufnahme des Monologs. In „Pierrot Lunaire“ begleiten fünf Musiker auf acht Instrumenten in drei mal sieben unabhängigen, kleinen Szenen die Sängerin, die vom Komponisten gewünscht ausdrücklich nicht singen soll. Alle drei Stücke besitzen so ihre eigene Musikalität, oder was man dafür halten könnte.

Pierrot Lunaire
Drei Monodramen: Pierrot Lunaire – Melodram op. 21 [1912] von Arnold Schönberg sowie Nicht Ich [1972] und Rockaby [1981] von Samuel Beckett

Premiere am 30. September 2020 an der Komischen Oper Berlin

Inszenierung: Barrie Kosky | Musikalische Leitung: Christoph Breidler | Bühnenbild: Valentin Mattka | Kostüme: Katrin Kath | Dramaturgie: Ulrich Lenz
Solistin: Dagmar Manzel | Mitglieder des Orchesters der Komischen Oper Berlin

Fotos © Frank Wesner

24 Fotos der Berliner Bella, Boss und Bulli 2020

»Bella, Boss und Bulli« handelt von Selbstbestimmung in Zeiten großer Veränderungen, von Erpressung auf dem Schulhof, Angst, Sehnsucht und wilder Anarchie. Es erzählt aber auch von der Kraft neu geschlossener Freundschaften.
Die siebenjährige Bella ist mit ihrer Mutter umgezogen. Und niemand hat gefragt, ob sie das überhaupt will. Sie mag die neue Wohnung nicht, sie mag die neue Schule nicht und ihre Freunde sind auch nicht da. Die Umgebung ist ihr einfach fremd. Ihre Mutter arbeitet ständig und Dauergast Valentin nervt als mürrischer Hausmeister sowieso, zumal der mit Kindern so gar nix anfangen kann. Bei Bellas erstem Rundgang durch die Nachbarschaft trifft sie auf den gleichaltrigen Victor, genannt Boss, der vergessen wurde, von der Schule abgeholt zu werden. Bulli wiederum scheint gar kein richtiges Zuhause zu haben. Die drei Kinder finden sich zunächst ziemlich ätzend. Aber Bella erkennt schnell, dass hinter dem großmäuligen Verhalten der beiden Jungs noch mehr steckt, werden sie doch von einem älteren Jugendlichen aus der Schule erpresst. Der weiß zum Beispiel, dass Bulli mal was gestohlen hat und verlangt Geld. Ehe sich Bella versieht, ist sie in eine mehr als aufregende Erpressungsgeschichte verwickelt.

Bella, Boss und Bulli
von Volker Ludwig mit Musik von Birger Heymann
Premiere am 18. September 2020 im GRIPS Theater am Hansaplatz Berlin, für Menschen ab 6

Regie: Robert Neumann | Bühne und Kostüme: Silke Pielsticker | Choreografie: Nadja Raszewski | Dramaturgie: Tobias Diekmann | Musikalische Leitung: Thomas Keller | Komposition: Caspar Hachfeld & Birger Heymann
Isabella Schneider: Anke Retzlaff | Victor A. Beck, 1. Möbelpacker: Marcel Herrnsdorf | Boris Buller, Möbelpacker: Ludwig Brix | Annette Schneider: Katja Hiller | Eduard Valentin, Möbelpacker, Cajonspiel: Christian Giese | Harke, Herr Beck, 2. Möbelpacker, Kontrabassspiel: Jens Mondalski | Musiker: Michael Brandt & Martin Fonfara

© Informationen vom GRIPS Theater

32 Fotos vom Sturm im Globe

Freilichtspiel mitten in Berlin mit U-Bahn-Anbindung und in mitten von aussichtslosen Corona-Zeiten: Das im Werden befindliche Globe Berlin lädt am Österreichpark gelegen ein in die Ringbühne.
Im zweiten Jahr zeigt das Globe Ensemble Berlin mit sieben Darstellern die eigene deutsche Fassung von Shakespeares Sturm. Und da trotz der vorhandenen Bauteile die Aufbaugenehmigung für den hölzernen Rundbau immer noch aussteht, wurden die Balken und Treppen als Kreisbühne aufgestapelt. In der Mitte nehmen die Zuschauer Platz. Einzeln, oder wem es gestattet ist, darf seine Stühle gerne näher rücken. Die Darsteller, die in mehrere Rollen schlüpfen, spielen Sommertheater ohne Distanzen – inklusive dem Liebespaar natürlich. Nur so will man diese Geschichten sehen, ansonsten braucht man es erst gar nicht aufführen.

Freilichttheater bedeutet aber auch komplett Wetter abhängig, da es keine Ausweichspielstätte gibt. Den Theaterstandort gibt es erst seit 2019. 100 Plätze sind aktuell genehmigt, wo 2019 noch 330 Platz nehmen konnte. Hoffentlich im nächsten Jahr im aufgebauten, 14,5 Meter hohen Globe Berlin dann für 660.

Das Programm bereichnen noch folgende (wöchentlich regemäßige) Gastspiele: Theatersport Berlin (Improvisationstheater), The Swingin’ Hermlins, kleineReise (2PersonenOrchester), Lautten Compagney Berlin, Taschenbluesorchester

Eine Auswahl von 32 Fotos © Frank Wesner für alleseintheater.wordpress.com

Der Sturm
von William Shakespeare

Premiere am 23. Juli 2020 im Globe Berlin, PROLOG-BÜHNE (Open Air), Sömmeringstraße 15, 10589 Berlin-Charlottenburg

Regie: JENS SCHMIDL | Musik: BERND MEDEK | Bühne: THOMAS LORENZ-HERTING | Kostüme: KATHARINA PIRIWE | Dramaturgie: JOSEPHINE TIETZE | Übersetzung & Produktion: CHRISTIAN LEONARD
Prospero: ANSELM LIPGENS | Ferdinand / Sebastian: BENJAMIN KRÜGER | Miranda / Adrian: NADJA SCHIMONSKY | Alonso / Stefano: PETER BECK | Gonzalo / Caliban: SASKIA VON WINTERFELD | Antonio / Trincolo: UWE NEUMANN | Ariel: WIEBKE ACTON

Folgende Informationen hat die Globe Berlin gGmbH u.a. für die Zuschauer:
Auf dem gesamten Gelände gilt die Einhaltung des Mindestabstands von 1,5 Meter. Die 100 Sitzplätze sind unter Einhaltung der erforderlichen Abstandsregeln angeordnet.
Unter freiem Himmel ist keine Mund-Nase-Bedeckung notwendig. Bitte tragen Sie diese aber bei Betreten der sanitären Anlagen und beim Betreten und Verlassen des Bühneninnenraums.
Wir bitten Sie, vor und nach der Vorstellung insbesondere im Bereich der Gastronomie und der Sanitäranlagen Ansammlungen zu vermeiden bzw. die Mindestabstände einzuhalten.
Der Kartenkauf für alle Vorstellungen ist online möglich, ggf. gibt es Restkarten an der Abendkasse (20 Euro)
Das Globe Berlin ist zum Führen einer Anwesenheitsdokumentationmit Informationen zur Kontaktnachverfolgung der Gäste verpflichtet.

25x Junges DT überschreibt Schillers Räuber

Schon die eigene eMail-Adresse hinterlassen, um so dem Blog alleseintheater.wordpress.com zu folgen? Rechte Spalte oben. Im Blog darf gerne kommentiert werden.

#JungesDT #Räuber #Kammerspiele #DT #Berlin

25 Fotos der „Räuber“ – Eine Überschreibung nach Friedrich Schiller. Das Junge DT wird 10! Im Februar wird gefeiert. Es gibt nicht nur zwei Premieren kurz hintereinander (zusammen mit „Das Gewächshaus“), sondern am Valentinstag auch eine Party in der DT-Bar.

„In den letzten zehn Jahren wurden 34 Repertoire-Produktionen in den Kammerspielen und der Box gezeigt. In dieser Spielzeit besetzt das zehnte Feriencamp das ganze Haus. 24 Jugendclubs feierten Premiere. Und zahlreiche andere Projekte wie TuSch, internationale Kooperationen und Performance-Projekte fanden statt.“

Die Räuber
Eine Überschreibung nach Friedrich Schiller

Premiere am 11. Februar 2020
Eine Inszenierung des Jungen DT in den Kammerspielen vom Deutschen Theater Berlin

Regie: Joanna Praml | Bühne: Inga Timm | Kostüme: Johanna Katharina Leitner und Inga Timm | Musik: Hajo Wiesemann | Dramaturgie: Maura Meyer und Dorle Trachternach

es spielen Can Arduc, Leo Domogalski, Marie Eick-Kerssenbrock, Jona Gaensslen, Helena Golderer, Franz Jährling, Luna Jordan, Carl Jung, Philipp Mohr, Rio Reisener, Friedrich von Schönfels, Oskar von Schönfels, Laurids Schürmann, Rana Tuzlali, Leni von der Waydbrink