London 2019 nach 12 Tagen

Nach 12 Tagen 28 Vorstellungen gesehen zu haben, ist definitiv viel. Langsam gewöhne ich mich an Tagen mit drei Vorstellungen. Bei früheren Besuchen war das nur selten, dieses Mal schon vier Mal – zum Glück ist eine Show davon immer kurz.

„The Secret Diary of Adrian Mole Aged 13¾“ und „Merrily We Roll Along“ in der Guildhall School London sind meine absoluten Höhepunkte. Ansonsten – wie erwartet – große Show, wo bei den Compilationshows statt „Tina“ mich eher „On Your Feet!“ im London Coliseum beeindruckte.

Und der TKTS Schalter hat mich noch gar nicht gesehen, sondern eher die Kassen an den Theatern selbst für Dayseats. Was für eine wunderbare Erfindung!
Zwar ist dieses dynamische Preissystem für die Theaterkarten manchmal ein Fluch, kann aber auch ein Segen sein, wenn dann die Karten kurzfristig extrem günstig werden.

Aber auf alle Fälle gilt: Bloß keine Plätze leer lassen! Lieber günstig verkaufen. Das nehme ich doch gerne an.

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2 von 5 * für Harry Potter Spektakulum

Eine Menge Gequatsche bekomme ich im quasi vierteiligen Harry-Potter-Schauspiel zu hören. 4:40 bzw. 280 Minuten plus Pausen. Selbst die Cliffhanger zu den kleinen Pausen sind gut gemacht, das Publikum kennt die Charaktere und fiebert aufmerksam mit. Und das Geheimnis soll man für sich behalten? Welches?

Das es eigentlich eine simple Coming-of-Age-Geschichte ist, wo Harrys Sohn Albus seinen Platz im Leben bzw. In Hogwarts sucht. Dazu noch ein ärgerliches, für mich nicht zeitgemäßes Vaterbild. Zeitgemäß für die Autorin vielleicht und Harry darf sich entschuldigen, da seine Eltern ermordet wurden. Aber kurz vor Schluss gibt es zum Glück noch lange Aussprachen zwischen Vater und Sohn und Vätern unter sich.

So sehr mir auch Jonathan Case als Mitschüler Scorpius Malfoy und Sohn von Draco Malfoy gefallen hat, aber im West End gibt es nur einen Jamie New. So extrem ähnlich angelegt! Doch der offensichtlich in Albus verknallte Scorpius darf maximal eine Mitschülerin unsicher einmal ansprechen. Vielleicht hat die Regie versucht, was nur möglich ist und scheiterte. Da stimmt im Buch was mit den Jahrhunderten nicht.

Zentrales Thema für die Abenteuergeschichten sind verbotene Zeitreisen in die Vergangenheit und die Auswirkungen für das Heute. Eventuell existieren plötzlich Personen nicht oder die Schule ist in anderen Händen. Also müssen alle überlegen, wie sie die Vergangenheit wieder so korrigieren, das es passt. Gut gemacht, einige Zaubertricks und – zum Glück – sichtbare Theatertricks. Der Showdown in der Kirche hat sich seine Bezeichnung verdient.

Aber das Buch, die Geschichte, die Charaktere… Alles schon öfters gesehen. Dafür brauche ich nicht Unsummen (es sind ZWEI Eintrittskarten zu kaufen für aufeinanderfolgende Vorstellungen) ausgeben. Selbst GBP 15,- war in der letzten Preiskategorie vollkommen ausreichend.

4 von 5 * für Picture of Dorian Gray

In London erzählen im kleinen Kellertheater namens und an der Jermyn Street im West End vier Schauspieler die berühmte Geschichte vom nicht alternden Dorian Gray in klaren Bildern. Zwei Schauplätze, viele von der Decke herabhängende Lampen und einige Kostüme reichen. Intensives Spiel und Miteinander machen die 90 Minuten eher spannend und etwas mysteriös. Das alles ist gut, schlau und effektiv gemacht.

Etwas Besonderes wird trotzdem noch geboten. Zwei Darsteller tauschen in den Aufführungen ihre Rollen, so dass es vier mögliche Konstellationen gibt. Zudem sind zwei Männer und zwei Frauen besetzt, so dass die tragische Liebesgeschichte verschiedene Farben bekommt. Da aber sich dadurch die Rollen wie auch die – männlich erzählte – Story nicht wirklich ändern, wirkt dies erstaunlich gewollt, bemüht und erzwungen divers auf mich. Kann ich als Zuschauer nicht selbst Geschichten auf andere Verhältnisse abstrahieren?

5 von 5 * für Present Laughter in London

Noël Coward ist für Briten nicht unbekannt. Doch wenn eine alte Komödie frisch wiederentdeckt wird, dann muss ein bekannter Regisseur ran, der Charme und Stil erhält. Quasi gekrönt und verkauft wird die Boulevardkomödie mit einem preisgekrönten Theater- und Filmstar: Andrew Scott.

Er wie auch die anderen neun reizenden Darsteller spielen und denken ihre Sätze frisch, wirken natürlich und erliegen Komödie und Chaos der Cowardvorlage. Ein erfolgreicher Schauspieler Anfang 40 mit etwas Lebenskrise und der Erwartung anderer, sich eine Partnerin zu suchen. Oder eben einen Mann oder auch keinen.

Ärgerlich nur einmal mehr das übergroße und dafür umso mehr inhaltslose Programmheft, was wenigstens farbige Einzelfotos der Schauspieler enthält. Dafür leider keine Szenenbilder der Situationen.

Die gänzlich auf der Vorbühne gespielte Komödie ist nicht nur Dank des Verkaufsstars ein Genuss. Leider bei laufender Sanierung des Theatervorderhauses. Absolut nervig mit nervenden und wie dumme Menschen behandelnden Einweisern.

London Vorplanungen

Richtig lange Laufzeiten kennt das West End in London nur noch von richtig alten Shows. Selbst „Les Miserables“ hört in seiner (dritten) Spielstätte, dem Queens Theatre, jetzt auf, wird nebenan drei Monate konzertant gegeben, um dann im frisch renovierten Theater dann nicht mehr die Original-, sondern die Tourneeinszenierung zu zeigen. Ähnliches galt ja schon für „Mamma Mia!“, was in der abgespeckten Version weiterhin im Novello Theatre zu sehen ist.

Nachdem sich im letzten Jahr durch Pre-Brexit und „Hamilton“ die Preise quasi verdoppelten und die Theater eher leerer wurden, gibt es weiterhin viele Shows die allabendlich ausverkauft sind. Viele aber erst nach dem täglichen Ausverkauf über Restticketbörsen, wo ich das lange Warten und die Preise am TKTS-Laden nicht empfehlen kann. Es gibt Alternativen wie die Dayseats!

Obwohl ich auf tagesaktuelle Angebote auch hoffe, habe ich im Vorfeld so einiges schon an Eintrittskarten für Schaupiel und Musical gekauft. Aber es ist noch viel Platz in meinen nur achtzehneinhalb Tagen. Leider ist „Amour“ vorzeitig abgesetzt wegen zu geringem Kartenverkauf und „Merrily We Roll Along“ in der Guildhall School of Music & Drama London ist zwei Mal als Matinee eingeplant: freitags und montags quasi unschlagbar (und jedes Jahr so!).

Liegt es daran, dass ich mit dem ÖPNV zu den Theatern komme, dass mich in Deutschland die Sommerbespielungen sowas von NICHT interessieren? Sind es bessere Stücke? Spielen die Darsteller anders? Oder sind die Produktionen konzeptionell wesentlich besser auf dem Punkt (und am Stück selbst) dran?

Wen treffe ich London?

42 Fotos der Umsiedlerin im DT

42 fotografische Eindrücke der Neufassung von Heiner Müllers

Die Umsiedlerin oder Das Leben auf dem Lande
von Heiner Müller

Premiere am 6. April 2019, Kammerspiele vom Deutschen Theater Berlin

Regie: Tom Kühnel, Jürgen Kuttner | Bühne: Jo Schramm | Kostüme: Daniela Selig | Dramaturgie: Claus Caesar
Flint: Jörg Pose | Beutler: Felix Goeser | Rammler: Paul Grill | Treiber: Markwart Müller-Elmau | Ketzer und Kupka: Bernd Stempel | Siegfried: Marcel Kohler | Fondrak: Frank Büttner | Krüger: Jürgen Kuttner | Flinte 1 und Beutlern und Landrat: Almut Zilcher | Erfasser und Schmulka: Linda Pöppel | Chor: Servan Durmaz*, Maral Keshavarz*, Philipp Keßel*, Mathias Kleinschmidt, Dimitri Lauwers, Kei Muramoto*, Marie Schneider, Thai Thao Tran, Christine Wünsch (*Schauspielstudierende des Jahrgangs 2017 der Universität der Künste Berlin)

24x Blutroter Waschgang

24 Fotos zur Uraufführung am 22. März 2019 im Kriminaltheater Berlin: „Blutroter Waschgang“ – Wer spielt mit wem? Vier Unbekannte, ein Waschsalon, ein zufälliges Treffen, ein Ziel?

Blutroter Waschgang
Kriminalstück von Heidi Ramlow

Uraufführung am 22. März 2019 im Kriminaltheater Berlin

Regie: Wolfgang Rumpf | Bühnenbild: Alessandro Vincenzi
Klara: Susanne Meyer | Konrad: Kai-Peter Gläser | Lisa: Teresa Scherhag | Max: Peter Dulke