Ein Deutscher in London bei An American In Paris

Das „An American In Paris“ – nach dem Film, nach der Uraufführung in Paris und nach dem Erfolg am Broadway – nach London kommen sollte, lies 2016 den Plan entstehen, im Frühjahr wieder in London zu Gast sein. Eigentlich bin ich überrascht, dass es mich überraschen konnte. Die Superlative zur Beschreibung fehlen. Und in London sehe ich oft großes Regietheater – mehr als in Deutschland.

Es ist die Kombination vom Erzählen von Geschichten und Personen, die in einer Gemeinschaft ihren eigenen Platz finden müssen. Plus die vielen Gershwin-Lieder, große Bühnenbilder, gerne abstrakt, phänomenales Licht, ein super Ton plus einmal mehr die Charaktere erzählenden Kostüme (!). Hinzu ein Orchester, was nach Orchester klingt, auch wenn es nicht so groß ist.

Die Geschichte macht den Abend spannend. Paris kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Verbliebene Amerikaner treffen auf ihr Leben wieder einrichtende Franzosen. Wie kann der Neuanfang aussehen? In welchen Konstellationen? Wer liebt hier wen?

Der große Tanz- und Ballettanteil macht „An American In Paris“ so herausragend. Und der gewisse Old-fashioned-Style war nie aus der Mode.

Das die Produzenten sich in dem großen Dominion Theatre London um Zuschauer bemühen müssen, ist nicht wirklich überraschend. Aber dann doch nahezu ausverkauft. Aber es gibt Dayseats für GBP 25,-

Fazit: Da muss ich noch ein zweites Mal hin! Und auf Deutschland hoffe ich hier nicht, denn die Theatermacher würden so etwas natürlich lieber selbst erfunden haben und niemals importieren. In Berlin wäre die Komische Oper mehr als der treffende, absolut richtige Ort. Vielleicht für eine Sommerbespielung?

Coole Girls, Krebs und ein Kalender

Eins der Musicals, die eben mehr bieten. Es geht eben nicht nur um ältere Frauen, die sich für einen Jahreskalender fast nackt fotografieren lassen – und der Zuschauer die Freude hat, ihnen gerade bei diesem künstlerisch grandios unerfahren gespielten Vorgang zuzuschauen. Sondern es geht um eine Gemeinschaft von Bewohnern, die sich lange kennen und zusammen leben müssen. Es fällt schwer, den anderen die Wahrheit zu sagen. Oder ihnen bei ihren persönlichen Problemen beizustehen. Und dabei über den eigenen Schatten springen.

Annies Ehemann, der so gerne Sonnenblumenkeime sät, ist an Krebs erkrankt. Die Therapie ist für beide Kräfte zehrend und John plant die Rede bei seiner eigenen Beerdigung. Wie dies Verarbeiten? Wie ein Weiter? Da Chris einen Kalender für die Frauenvereinigung zusammenstellen soll, hat sie zum Ende des ersten Akts die Idee: Sie lassen sich bei ihrer Arbeit oder im Haushalt nackt fotografieren – für jeden Monat muss eine gefunden werden.
Und dieser erste Akt hat es in sich. Bietet das, was Theater bieten kann, ist eine emotionale Achterbahnfahrt. Nicht nur was erzählt wird, sondern das WIE macht es zu einem herausragenden Erlebnis. Auch beruht das 2016 in Leeds uraufgeführte und im umgebenden Raum von Yorkshire spielende Musical „The Girls“ auf einer wahren Geschichte sowie dem Schauspiel „Calender Girls“. Dies hat der Autor zusammen mit Gary Barlow als Duo zu einem Musical umgearbeitet. Die Lieder sind vielleicht nicht die Höhepunkte, aber sie verbinden wunderbar und können die emotionale Berg-und-Talfahrt so wunderbar erlebbar machen.

Da sitze ich nun im Phoenix Theatre London und werde zu tiefst berührt. Besonders im ersten Akt, wo der zweite dann mich wieder auffangen kann. Natürlich kann ich spezielles im Humor nicht verstehen, aber dieses Musical überrascht durch das MEHR, was es zu bieten hat. Plus dem Ausblick, dass die Gemeinschaft mehr zu bieten hat, als einer alleine durchstehen kann.
Und der Erkenntnis, dass diese 24 Rollen von einem deutschen Stadttheater und auch Schauspielhaus mit Bravur besetzt werden können.

Fuck ju Mozart

„School of Rock“ ist ein aktuelles Theaterstück passend zu unserer Zeit. Auch wenn es eine Filmadaption ist und für mich untypische Noten von Andrew Lloyd Webber zu hören sind, geht es dem Vertretungslehrer David und seinen 13 Schülern um etwas. Um viel. Um das Zusammenleben lernen. Wie jeder seine Stärken hat, macht es dann die Mischung. In den Eltern kann sich das Publikum wieder finden, die Jugendlichen wiederum finden Mut in der Coming-of-Age-Geschichte der Schoolkids. Alles vom feinsten, schlau und flüssig erzählt, perfekte, nicht aufdringliche Ausstattung, fantastisches Licht. Und die Tonabmischung ist unglaublich natürlich bei der ganzen Lautstärke.

Selbst auf Selbstironie wird nicht verzichtet („Nie wieder ‚Memory‘ an diesem Ort“ – im Ex-Cats-New London Theatre). Plus Lieder und Geschichten, die bleiben. Ein Zitat hat Andrew Lloyd Webber doch eingebaut: „Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen“ aus Mozarts „Zauberflöte“. Aber als Adaption rockt selbst Mozart.
Zum Glück bin ich größer als 164 cm und so hatte ich keine Sichtbehinderung aus der 1. Reihe. Worauf auf der Eintrittskarte sicherheitshalber hingewiesen wurde. Auch einmal erwähnenswert ist, dass in London die Kinder als Bühnenkünstler geachtet und mit vollem Namen – wie ihre erwachsenen Kollegen – angekündigt werden. Entgegen der einsetzenden Unsitte in Deutschland. London ist stolz auf die vielen Talente, fördert sie und hat viele Shows, wo sie zwei Mal die Woche auftreten.

Münze mit zweiter Chance – Half A Sixpence

Ob die Stereotypen und allseits bekannte Geschichten wie „einfacher Junge“ kommt durch Erbschaft in adelige Kreise, uns heute einfach nichts zu sagen haben, so dass der dritte Rang bei „Half A Sixpence“ im Noël Coward Theatre London geschlossen ist und drei statt zwei Matineen- vornehmlich fürs ältere Publikum – gespielt werden?
Die Geschichte überschaubar, die Typen bekannt, doch was die Chichester-Festival-Produktion in London zeigt, ist große Kunst. Denn zu diesem hervorragenden Ensemble aus Jung und Alt – angeführt vom spiel-, tanz- und springfreudigem Charlie Stemp als Arthur Kipps – kommt ein raffiniertes, Licht durchflutetes Bühnenbild mit drei Drehringen, was quasi ganz auf den Schnürboden verzichtet. Dazu traumhafte und viele Kostüme, bestes Licht und fahrende Projektionen. Mit dem Old-Fashion-Anstrich aber frisch und perfekt gemacht.

Eigentlich könnte die Produktion von der neuen Staatsoperette identisch übernommen werden. Aber auch sonst bietet es Solisten, Chor und Ballett in vielen Szenen viele Möglichkeiten. Wunderbare Szenen, aber der kleinen Band fehlt manchmal der Klang zum großen Orchester. Und zum Applaus spielen dann alle auf dem Banjo!

Fazit: Die Chance auf „Half A Sixpence“ in der neuen Version kann doch nicht verschenkt werden.

Ein Traum von 42nd Street

Lange habe ich so eine perfekte Musicalproduktion nicht gesehen. Und der Moment, wenn plötzlich wie aus dem Nichts die Bühnen breite Treppe vor einem steht, bleibt im Gedächtnis.
„42nd Street“ steht für oldfashioned mit viel Stepptanz. Und Theater auf und über das Theater. Ein Niemand, Peggy Sawyer, wird entdeckt und tanzt und arbeitet sich in die Herzen der Kollegen und des Publikums in der neuen Show „Pretty Lady“. Viele Kostüme und Bühnenbilder plus feines Licht gehören dazu und glänzen. Im Graben ein kleines Orchester, was gut klingt und größer sein könnte. Einmal mehr wird der Dirigent bei der Ouvertüre sichtbar halb hoch gefahren …

Dieses große Ensemble glänzt in den vielen großen Momenten im großen Theatre Royal Drury Lane, wo schon einmal – in den 1980ern – eine Produktion zu sehen war (Regie: Lucia Victor). Einzig der Julian Marsh war nicht ganz mein Fall.
Beim Schauen konnte ich mir gleich einige andere Darsteller aus Deutschland vorstellen, die perfekt in dieses Arrangement passen. Die in Deutschland bekannte Jasna Ivir („Mamma Mia!“, „Elisabeth“) ist als Komödiantin Maggie Jones groß dabei – wieder auf der Bühne, wo sie zuvor als Mrs Gloop in „Charlie and the Chocolate Factory“ mehrere Jahre zu sehen war.
Überraschenderweise wurde der Bühnenboden nicht wesentlich höher, so dass auch aus der 1. Reihe die Zuschauer die Füße auf der Bühne tappen sehen.

kalter Dunst bei wilder Party

Es geht um den kurzen Moment des Glücks. Eine wilde Party ist das Mittel zum Zweck. Genommen wird, was da ist: Sex, Alkohol, Drogen, neue Partner. Doch die Erlösung ist ernüchternd. Und mich hat Michael John LaChiusas Musicalversion von „The Wild Party“ im gerade von St. James Theatre in The Other Palace umgetauften, modernen Kellertheater in London-Victoria leider kalt gelassen.

Die solistischen Zutaten sind exquisit, die Bühnenfläche klein und konzentriert, doch das Musical ging an mir spurlos vorüber. Lag es an den zu vielen Charakteren oder waren sie alle von meinem Hier-und-Jetzt zu weit entfernt? Tolle Darsteller, perfekt eingespieltes Ensemble, individuelle Kostüme, ein kleines Orchester links über der Szenenfläche, die schlau mit Möbeln bespielt wird plus grandiosem Licht mit viel Dunst.

Scheinbar ging es nicht nur mir so und das Publikum kam nicht so wie gehofft. Erstaunlicherweise offerierte der neue Theaterbesitzer (Really Useful Group) in vielen Portalen, damit die Zuschauer den Weg in sein neues Domizil für neue Musicals finden.

Mal sehen, was kommt. Ich schaue mal, ob mich die gleichaltrige und -namige „The Wild Party“-Version von Andrew Lippa von 2000 eher ansprechen kann.

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„The Wild Party“ im The Other Palace London – 2017

Geniales Durcheinander beim Pley Z Goose Wronk

„The Play That Goes Wrong“ ist seit dem 14. September 2014 ein Hit im 500 Plätze Duchess Theatre (Davor schon im Old Red Lion Theatre und im Trafalgar Studio ausprobiert). Theater auf dem Theater produziert Chaos pur – mit größter Präzision und Freude. Das Theater meist ausverkauft, die Mischief Theatre Company produzierte Nachfolgekomödien wie „The Comedy About A Bank Robbery“.
Es geht um eine Amateurgruppe, die bei einem Durchlauf ihres Krimis alles Mögliche erlebt, was nicht auf der Bühne passieren sollte. Alle dummen Gags komprimiert in einer Komödie – das wollte ich endlich gesehen haben. Ein Fest! Und diese ernste Leichtigkeit! Beeindruckend. Vielleicht nicht der Humor von jedem Zuschauer, aber eben ein volles Haus seit Jahren. Ein Jahr spielt dieses Ensemble von acht Darstellern acht Mal die Woche frisch und frei. Chapeau!

„Chaos auf Schloss Haversham“ hatte es inzwischen auch nach Deutschland geschafft und erlebte am 12. November 2016 seine deutschsprachige Erstaufführung im Großen Haus vom Theater Hof unter der Intendanz des Musical affinen Reinhardt Friese, der offenbar das West End gut kennt. Es folgte das Fritz Rémond Theater im Zoo, Frankfurt am Main, vom 3. Dezember 2016 bis 22. Januar 2017. Die österreichische Erstaufführung und dritte deutschsprachige Inszenierung folgte als „Mord auf Schloß Haversham“ beim Theaterforum Humiste in Imst vom 17. Dezember 2016 bis 29. Januar 2017.
Egal wie groß oder klein das Theater ist, egal ob Profi oder Amateure. Es ist Können, Kunst und große Freude. Die Komödien der Mischief Theatre Company gehören dauerhaft auf die deutschsprachigen Spielpläne.

Verfolgung nach der Parade

Parade“ ist ein packendes Musical, ein emotionaler Krimi, der über das Zusammenleben erzählt. Wer hat die junge Fabrikarbeiterin, während alle auf der Parade waren, ermordet? Verdächtigungen und Vorurteile folgen.

Amateure lieben Musicals, besonders in London. Bringen sie diese eher professionell auf die Bühne. Das Gastspiel der Schulamateurproduktion im Greenwich Theatre London hatte davon leider nichts.
Viele Zeit und Charaktere erzählende Kostüme, ein schlaues, einfaches Einheitsbühnenbild aus Podesten, Treppen und Spielflächen (auch zwischen den Zuschauern), viel Zauber mit Licht und 11 Musiker im Graben waren zwar gute Voraussetzungen. Auch hat das St. Dunstan’s College in Greenwich einige Produktionen schon gemacht. Doch Regisseur Gareth Stewart arrangiert eher als inszenierte.
Einige tolle Typen wirbeln umher, doch an die Stimmigkeit von Beatrice Swordy als Ehefrau Lucille Frank kommt niemand heran. Sam Bailey als Hauptdarsteller Leo Frank trägt überzeugend die Verdächtigungen und Zweifel gegen sich vor.

Fazit: Das großartige „Parade“ hätte in einer Londoner Schulamateurproduktion durchaus besser sein können.

Verzauberte Schöne & ihr Biest

Wenn der LeFou mit dem Lumière! Wenn der LeFou mit dem Lumière? Jedenfalls haben die beiden deutschen Synchronstimmen der beiden Charaktere die Neuverfilmung „Die Schöne und das Biest“ 2017 zu verantworten. Manuel Straube schrieb das Dialogbuch, Thomas Amper steuerte die Liedertexte bei. Dialogregie führte Manuel Straube, Musikalische Leitung hatte Thomas Amper. Beide extrem erfahren in ihrer Synchronarbeit, doch das Ergebnis ist ärgerlich. Wenn gesungen wird passt der Text, der in vorgegebener Musik & Rhythmus passieren muss, einfach nicht. Ob da mehr Zeit geholfen hätte, den Film zu synchronisieren?
Zwar standen dafür viele erfahrene Sprecher bereit, aber kaum Musical erfahrene Darsteller wurden engagiert. Sascha Rotermund (Biest), Marion Martienzen (Madame Pottine (Gesang)) und vielleicht auch Annette Dasch sind da die Ausnahmen.

Ansonsten ist die Neuverfilmung rundum gelungen und zeigt einen erfrischenden Zugriff auf die Umsetzung des Zeichentrickklassikers. Als Realfilm möchte ich ihn trotzdem nicht wirklich bezeichnen: Unmengen wurde erst nach dem Drehen im Computer erzeugt. Kein Wunder, denn schon vom 18. Mai bis 21. August 2015 standen die Schauspieler vor der Kamera. Und dann brauchte die digitale Bearbeitung noch lange, die verwunschenen Schlossbewohner auf die Größe von Gegenständen zu verzaubern.

Erstaunlich weit von der Zeichentrickvorlage hat sich das Team begeben können, viele neue Spielideen wurden erfunden, Szenen erfunden – und trotzdem blieb das Märchen mit ihren einfach geschnittenen Märchenfiguren (und unrealistischen Szenenverwandlungen wie beispielsweise bei „Sei hier Gast“). Ergänzt wurde neu für den Film ein Cembalo bzw. Kapellmeister, den Stanley Tucci als Cadenza spielen darf. Auch finde ich ebenfalls erstaunlich, wie zeitig klar ist, dass das Biest eigentlich ein verzauberter Mensch ist. Komisch nur, dass er nach der Entzauberung fast frisch rasiert ist und dann im Schluss sich Belle ihn mit Bart wünscht …

Die drei neuen Lieder fügen sich gut ein und fallen leider nicht weiter auf. Ob es daher nötig sei wird, für eine Übernahme in die Bühnenfassung zu kämpfen?

Ein Welterfolg wurde geplant und umgesetzt. Bravi. Und weltweit zu ungefähr der gleichen Zeit ins Kino gebracht (in Deutschland einen Tag VOR Amerika).
Ob es da im Vorfeld eine Debatte brauchte, welche sexuelle Orientierung LeFou an den Tag legt? Das ist alles so was von alter Kaffee oder besser kalter Tee. In der Musicalversion wurde LeFou schon öfters so angelegt: als Bewunderer und Verehrer von Gaston.
Aber vielleicht machen gerade die Vergleiche im Anschluss auch noch größeren Spaß als nur die Neuverfilmung.

Die Schöne und das Biest
Originaltitel: Beauty and the Beast

Deutscher Kinostart am 16. März 2017, 130 Minuten

Regie: Bill Condon | Drehbuch: Stephen Chbosky & Evan Spiliotopoulos | Musik: Alan Menken | Liedtexte: Howard Ashman & Tim Rice | Kamera: Tobias A. Schliessler

Die deutschsprachige Synchronversion wurde von der Film- & Fernseh-Synchron, Berlin, produziert.

Rolle Darsteller Synchronsprecher
Belle Emma Watson Gabrielle Pietermann (Sprache)
Julia Milena Scheeser (Gesang)
Biest Dan Stevens Sascha Rotermund
Gaston Luke Evans Jaron Löwenberg (Sprache)
Stefan Thomas (Gesang)
LeFou Josh Gad Manuel Straube
Maurice Kevin Kline Joachim Tennstedt
Herr von Unruh Ian McKellen Ben Hecker
Lumière Ewan McGregor Philipp Moog (Sprache)
Thomas Amper (Gesang)
Madame Pottine Emma Thompson Marina Köhler (Sprache)
Marion Martienzen (Gesang)
Cadenza Stanley Tucci Lutz Mackensy (Sprache)
Ron van Lenkeren (Gesang)
Agathe / Zauberin Hattie Morahan Elisabeth Günther
Monsieur Jean Gerard Horan Hans Hohlbein
Père Robert Ray Fearon Tobias Schmidt
Junger Prinz Rudi Goodman Florian Nyncke

 

Zarah wieder in Berlin – Diva gut

Einzigartiges am 15. März 2017: vor 110 Jahren wurde Zarah Leander geboren, vor genau 70 Jahren spielt Peter Lunds Musical-Solo „Zarah 47“ und vor 7 Jahren war diese Inszenierung von Alexander Katt die erste Premiere im neugegründeten Theater O-TonArt in Berlin-Schöneberg.
Und sieben Jahre später wieder auf der Bühne: Tilly Creutzfeldt-Jakob als Zarah Leander. Mit Volker Sondershausen als Kapellmeister am Klavier.
Eine einzige Wiederaufnahme-Vorstellung vor begeistertem, zahlreichem Publikum. Spätestens in einem Jahr wollen die Zuschauer Zarah wieder Briefe sortieren und Schnaps trinken sehen.

3 von 5 * für Leise Zeichen in lauten Zeiten

Klaus Hoffmann ist auf Tournee mit neuem Programm und CD seit 2016. Mit Selbstironie und Leichtigkeit sich präsentierend ist er stärker als seine kurzen Lieder oder Liedchen. Dafür greift er wunderbarerweise auch oft zur Gitarre für musikalische Farben und Pointen. Hawo Bleich ist dabei an akustischen und elektronischen Tasten. Manche instrumentale Moderationsuntermalung retardiert aber.

Die Interpretationen, die unverkennbare Stimme und die Zwischentexte erreichen mich wesentlich mehr als die Lieder, Kompositionen und Liedtexte.
Die Tournee gastiert vom 14. bis 19. März 2017 in der Bar jeder Vernunft Berlin.

neuer Selbstmord – Der Tod und das Mädchen

Die Stammzellformation formiert sich nicht nur neu, sondern baut das 2011er Musical „Der Tod und die Mädchen“ um. Die Begegnung mit dem Tod Todd vor dem Selbstmord auf der Eisenbahnbrücke bleibt, aber ein Mädchen hat es nicht überlebt. Dafür springt Karl ein, der auch gleich was mit der suizidalen Sunny anfangen will. Eine rasante Reise ins Café, auf den Friedhof und zum Paartherapeuten folgt: 2017 nun „Der Tod und das Mädchen“.

Doch wenn im zweiten Teil der Krimi zum Tragen kommt und Autor-Komponist Tom van Hasselt den Zuschauer fordert und verwirrt, wird es mehr als spannend. Zu den vielen Melodien und Tanzrhythmen plus den kongenialen Wortspielereien finde ich dieses Wer-ist-eigentlich-wer am stärksten.

Das Konzeptmusical wurde zunächst als einmalige Lesung am 13. März 2017 in der Musikbrauerei Berlin mit drei Darstellern präsentiert. Stammzelle Nini Stadlmann wurde umrahmt und -ringt von Franz Frickel und Tobias Licht. Begleitet von Geige und Cello sowie Maestro am Flügel.

Ob die Jumper den Sprung in  eine Inszenierung auf einer Bühne schaffen? Jedenfalls Baumärkte können sich auf einen weiteres, heiteres Lied über ihr Sortiment freuen.

Hinweis: Das Musical der Stammzellformation hat jedenfalls nichts mit dem gleichnamigen Film oder Ariel Dorfmans bewegendes Drama zu tun!

1 von 5 * für den Friedrichstadt-Palast

Die eine Einzige bekommt einen mehr als enttäuschenden Stern: „The ONE Grand Show“ im Friedrichstadt-Palast Berlin. Den holen noch die Ton- und Videogestaltung. Und als einzige große Szene der Tanz der Girlreihe. Doch alles andere enttäuscht auf der ganzen Linie. Wenn nicht sogar ärgerlich.
Das Desaster beginnt schon mit der Ansage und Belehrung vor Beginn. Eine Show folge keiner üblichen Dramaturgie und verspricht nur einzelne Bilder. So weit keine Überraschung, aber dann doch bitte Bilder mit mehr als einer müden Idee erdenken! Roland Welke, vom Regieassistenten über Autor zum Showregisseur angelernt, bietet äußerst wenige Ideen, die Bilder bleiben oft statisch – es ist einfach oft langweilig.
Die Kostüme von Jean Paul Gaultier reißen da nichts raus. Das kann jeder Kostümbildner entwerfen, sofern ihm keine Grenzen im Budget und bei Zeit gesetzt werden. Der Gesangssolist hat einen ganzen Männerrock plus Lederjacke für den ganzen Abend und die Gesangssolistin kommt nicht immer wieder in einem neuen Kleid. Gerade dort wäre ein variantenreichen Kostümbild ebenso von Nöten gewesen.

Sänger Roman Lob mit schöner Popstimme bleibt aber ausdrucksarm im Laufrock, auch wenn er sogar mit dem Ballett agiert. Brigitte Oelke kann enttäuschenderweise auch nichts herausholen und singt stehend mit Handmikrofon. Auch eindeutig zu wenig. Das da noch zwei Sängerinnen mitwirken – wer bemerkt das vor dem Applaus?
Das Ballett ist wunderbar, die Girlreihe herausragend und die artistischen Elemente eine Bereicherung. Ansonsten sind die Artisten integriert in die Bilder. Das Publikum reagiert zu recht mit viel Applaus – aber auch dort fehlt mir ein wirkliches Highlight.
Obwohl die artistischen Elemente der Tänzer sehr beeindrucken, fehlt doch bei den Choreographien ein Höhepunkt nach dem nächsten.

Und die Plattentektonik bzw. Bühnenflächenverschiebungen sind schon wirklich interessant, kommen aber zu spät und sind dann doch nicht Abend füllend.

Doch vieles enttäuscht auf der ganzen Linie. Wenn nicht sogar ein ärgerlicher Abend.

The One Grand Show
Uraufführung am 6. Oktober 2016 im Friedrichstadt-Palast Berlin

Showkonzept & Regie: Roland Welke | Produzent: Dr. Berndt Schmidt | Komposition: Daniel Behrens & Christian Lohr & Gregor Meyle & Maya Singh & KT Tunstall | Texte: Gregor Meyle & Kevin Schroeder & Maya Singh & KT Tunstall | Musikalische Leitung: Daniel Behrens | Arrangements: Robin Hoffmann | Kostümdesign: Jean Paul Gaultier | Choreographie: Marguerite Donlon & Brian Friedman & Alexandra Georgieva & Craig Revel Horwood & Ronald Savković | Choreographen Les Farfadais: Stéphane Haffner & Emiliano Simeoni | Bühnenbildidee: Roland Welke | Szenenbild: Jan Wünsche | Entwicklung Bühnenbild: Stage One UK | Lichtdesign: Peter Morse | Videodesign: Marc Vidal | Sounddesign: Cedric Beatty | Lichtprogrammierung: Benny Kirkham & Gertjan Houben | Videoprogrammierung: Martin Wagner | Soundeinrichtung: Tobias Wallraff

Gesangssolistin: Brigitte Oelke | Maike Katrin Merkel (Zweitbesetzung) | Gesangssolist: Roman Lob | Robert Johansson (Zweitbesetzung Gesangssolist) | Sängerinnen: Kediesha Mc Pherson & Maike Katrin Merkel | Cyr Wheel: Malina Buttgereit | Tuch Artistik: Anastasia Makeeva | Trapez-Duo: Ruslana & Taisiya Bazaliy | Luftakrobatik: Les Farfadais

11.03.2017 – 11 P, 1 WA

Toi.Toi.Toi am 11. März 2017 den Premieren „Das Geheimnis des Edwin Drood“ vom TfN am Stadttheater Hildesheim,
„Linie 1“ am Musiktheater im Revier Gelsenkirchen im Kleinen Haus,
„Ein Käfig voller Narren“ im Großen Haus Rostock,
„Anatevka“ am Pfalztheater Kaiserslautern,
„Shockheaded Peter“ am Deutschen Theater Göttingen,
„Mary Shelleys Frankenstein“ an der Next Liberty Graz,
„The Addams Family“ am Theater Osnabrück,
„The Wedding Singer“ der Künstlerwerkstatt im Bürgersaal Stegaurach,
„Pension Schöller“ im Kulturwerk Lutherstadt Eisleben,
„Die Csárdásfürstin“ am Opernhaus Magdeburg,
„Orpheus in der Unterwelt“ im Velodrom Regensburg
und zur Wiederaufnahme „Im weißen Rössl“ im neuen Theater der Staatsoperette Dresden im Kraftwerk Mitte.

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Das Geheimnis des Edwin Drood – TfN Hildesheim

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Linie 1 – Musiktheater im Revier Gelsenkirchen

2017 an 2020 denken

Der Vorverkauf für die Passionsspiele Oberammergau 2020 startet. Das wird seit 1634 das 42. Passionsspiel.

Auf der ITB Berlin gibt es eine Auftaktpressekonferenz.

Der Theaterregisseur Christian Stückl erzählt sehr engagiert und emotional von Tradition und Aufbruch.

Ein Laienensemble aus dem Dorf spielt 102 Vorstellungen. Und der Regisseur möchte wieder alles aufbrechen. Das wird wohl mehr als aufregend.

5 von 5 * für Einfach tierisch

Eine flotte Komödie und wunderbare Ensembleleistung mit sieben Schauspielern. Zwei Familien werden „Einfach tierisch“ aufgewirbelt. Die Tochter aus betuchtem Hause, wo alle unter der Mutter leiden, lädt die Eltern von ihrem zukünftigen Freund zum Essen ein. Morgen! Und da diese Veganer sind, hat sie ihre Familie und sich auch als Veganer angekündigt. Also muss gelogen werden, um aus dem nächsten Fettnäpfchen zu kommen.

Regisseur Thomas Schendel hat sich viel Situationskomik einfallen lassen. Die Sieben sind großartig, präzise und witzig. Das macht Laune und jeder sollte die Aufführung in Berlin gesehen haben.

Einfach tierisch – Deutschsprachige Erstaufführung im Schlosspark Theater Berlin © Frank Wesner_

Einfach tierisch (Nelson)
von Jean Robert-Charrier – deutsch von Dieter Hallervorden

Deutschsprachige Erstaufführung am Schlosspark Theater Berlin am 22. Oktober 2016

Regie: Thomas Schendel | Bühne & Kostüm: Daria Kornysheva
Jacqueline von Klickel: Marion Kracht | Gerhard von Klickel: Mario Ramos | Christine von Klickel: Teresa Schergaut | Hans- Dieter von Klickel: Marc Laade | Rudolf Fischer: Jonathan Kutzner | Paul Fischer: Oliver Nitsche | Marie Fischer: Anne Rathsfeld

Entdeckungen auf der ITB

Es gibt schöne Traditionen. Zum Beispiel, wenn Theater und Festivals ihre Zuschauer mit den Informationen zur nächsten Spielzeit druckfrisch auf der ITB informieren möchten. Auf einige Bühnen ist da pünktlich verlass, andere Produzenten wie die Stage Entertainment müssen eilig am Vortag noch das per Pressemitteilung informieren, was am heutigen Tag am Hamburgstand dann offensichtlich wäre. Was wiederum nur ein „Nunja“ hervor ruft.

#ITB #ITBBerlin #Staatsoperette #Dresden

So habe ich eine Liste auf der ITB 2017 ausstellender Theater aufgestellt: Vereinigte Bühnen Wien / Raimund Theater, Ronacher, Theater an der Wien, Stage Entertainment Marketing & Sales GmbH, Stage Theater des Westens, Stage Bluemax Theater, Ruhr Tourismus GmbH, Seefestspiele Mörbisch, Staatsoper im Schiller Theater, Bad Hersfelder Festspiele, Bodyguard – Das Musical, Hamburg Ballett, Schmidts TIVOLI GmbH, Thalia Theater, Mainfranken Theater Würzburg, spotlight musicals GmbH, Theater Erfurt

In der Halle 11.2 gibt es den großen Sachsenstand. Unter anderem mit dabei die Oper Leipzig (die ihre Pläne letzte Woche bekannt gab) und die Staatsoperette, die nun für die Spielzeit 2017/18 folgende Neuproduktionen plant:

Uraufführung „Zzaun“ am 28. Oktober 2017, Regie: Andreas Gergen, ML: Peter Christian Feigel;
„Frau Luna“ ab 27. Januar 2018, Regie: Andy Hallwaxx, ML: Andreas Schüller;
„Dreigroschenoper“ ab 28. April 2018, Regie: Sebastian Ritschel, ML: Christian Garbosnik;
„Die Csárdásfürstin“ ab 30. Juni 2018, Regie: Axel Köhler, ML: Peter Christian Feigel
plus elf weitere Produktionen im Repertoire.

Mal sehen, was es noch zu entdecken gibt.

Cappuccini mit einer Bohème

Mittels Murgers und Puccinis „La Bohème“ das heutige Berliner Zusammenleben hinterfragen. 13 Spieler_innen hatten sich extra 2015/2016 im Jugendclub der Neuköllner Oper zusammengefunden, um die Geschichten hinter der Geschichte zu entdecken. Worum geht´s in dem Stück „La Bohème“ und worum geht´s ihnen an diesem Abend mit „Puccini Cappuccini“?

Eine lose Szenenfolge ist entstanden, wo immer wieder eine weitere „Frage aller Fragen“ aufgeworfen wird. Aus der Sicht von jungen Erwachsenen die Suche nach dem Sinn des Lebens. Das entwickelt sich in den pausenlosen 75 Minuten teilweise zu starken Szenen.
Doch das unvorbereitete Springen mit den Themen ist ganz schön fordernd. Wenn sie wieder näher an die Geschichte mit Rudolfo und Mimi kommen, wird es hinterfragendes, unterhaltendes Theater. Denn alle 13 sind immer präsent und spielen quasi alle Rollen. Figuren sind da schwer auszumachen, eher noch etablieren sich Charaktere.
Regisseurin Nadine Boos hat präsente Darsteller geformt, die sich in der Einheitslounge mit Sofa und Getränkekisten sehr sicher fühlen. Da stehen viele Talente nebeneinander.

So auflockernd auch die eigenen und selbst begleiteten Lieder sind, sie führen auch immer weit weg. Manche Gedankenspiele und Dialoge aber noch viel mehr. Manche in Cafés abgelauschte Dialoge – oder auch das angestrebte „Stadtgeflüster der Bohéme“ – sind sehr abstrakt, obwohl sie konkret sind. Vielleicht einfach zu weit weg von „einer“ Geschichte, von Puccini und von Murger.

Ein sprunghafter Streifzug mit starken Momenten und vielen Ideen statt nur einer Geschichte. Die Cappuccini fehlen völlig. Und auch Kapuzen gibt es nicht.

Puccini Cappuccini
Stadtgeflüster der Bohème. Eine Produktion des Jungen Ensembles der Neuköllner Oper

Uraufführung am 12. & 13. Juli 2016 im Saal der Neuköllner Oper, Berlin
dann am 18. & 19. Juli 2016 im KiJuKuz Alte Feuerwache Kreuzberg, Axel-Springer Str. 40/41, Berlin
Wiederaufnahme am 7. März und 8. März 2017 in der Alten Feuerwache Kreuzberg

Regie: Nadine Boos | Textentwicklung: Felix Kracke | Musikentwicklung: Michael Bellmann
Mit: Patricia Riese, Maximilian Diehle, Alexandra Obst, Rosalie Ernst, Erik Pade, Laura Jähnel, Annabelle Brumm, Sarah Rheinfurth, Manon Scharstein, Emma Preuß, Luise Eisenhardt, Anna Naujeck, Konrad Fritsche, (2016: Jochanah Mahnke, Sophie Schürmann)

Ab in den Theaterurlaub via ITB

Ich denke nicht daran, nach Ungarn oder Russland, in die Türkei oder USA zu reisen. Und bei vielen weiteren Ländern überlege ich es mir vor allem auf Grund der politischen Verhältnisse dort sehr genau, ob es nötig ist. Es gibt auch genügend Alternativen.
Da bin ich nicht der einzige und auf der Internationalen Tourismus Börse in Berlin kann diese Entwicklung durchaus mit Zahlen und Statistiken belegt werden. Städtereisen liegen nicht mehr im Trend auf Grund von Anschlägen, Deutsche haben aktuell wenig Lust auf die USA und die Türkei kann schon letztes Jahr verlorenes Terrain nicht zurückgewinnen und verliert weiter stark. Für Urlauber sind Ziele im westlichen Mittelmeer und Kreuzfahrten attraktiv, aber auch Deutschland selbst und mit dem Auto erreichbare Ziele. Auf das Preis-Leistungs-Verhältnis wird sehr genau geschaut.

Die Tourismusbranche bleibt für 2017 positiv optimistisch und auch ein besonderes, weiteres Wachstum bei hochpreisigen Reisen ist festzustellen. Es geht immer weniger spontan in den Urlaub – immer mehr wird vorher alles gebucht. Und das weiterhin vor allem im Reisebüro. Auch wenn stärker online gebucht wird (circa ein Drittel). Auf der ITB wird der Schluss gezogen, dass der Wettbewerb nicht on- gegen offline geht. Denn viele Reiseveranstalter sind inzwischen auf beiden Wegen erreichbar. Viel mehr werden Einzelleistungen individuell zusammen gestellt oder Gesamtpakete gebucht. Der eine bevorzugt das, der andere nutzt das Angebot anders.

Auf der jährlichen ITB in Berlin findet der Endverbraucher auch beides. Obwohl der Haupturlaub 2017 verstärkt im November 2016 gebucht wurde, werden viele Angebote für dieses Jahr präsentiert. In fünf großen Messehallen sind die deutschen Bundesländer mit ihren Städten vertreten. In weiteren zehn Hallen ist das weitere Europa zu finden. Offiziell gibt es 26 Hallen, doch diese haben oft mehrere Unterteilungen. Die komplette Fläche wird genutzt, inzwischen ohne das ICC, dafür mit dem CityCube am Ort der ehemaligen Deutschlandhalle.

Der Kulturtourismus wird immer noch nicht so richtig Wert geschätzt. Trotz der eigenen Culture Lounge in Halle 16, wo hauptsächlich Museen vertreten sind. Bei vielen Ländern und an den Ständen wird nur sporadisch mit den umfassenden Kulturangeboten geworben. Leider. Da muss der Konsument schon gezielt wissen, wo welches Sommerfestival stattfindet, um direkt am Stand nach Informationen oder Broschüren zu fragen. Andere wie die Staatsoperette oder die Oper Leipzig sind da vorbildlich und präsentieren das Programm der nächsten Spielzeit. Bei den Ständen der Stage Entertainment, wenn sie welche in den vier Bundesländern hat, konnte man früher schon froh sein, das Programm bis zum Ende des Jahres präsentiert zu bekommen. Ob es 2017 besser ist und die Stände auch am Sonntagnachmittag noch besetzt sind, kann der Konsument am 11. und 12. März 2017 in Berlin überprüfen.

4 von 5 * für Wunschkinder

Das Thema und der Konflikt sind spannend. Das sechsköpfige Ensemble ist stark. Regisseur Torsten Fischer bringt sie auf den Punkt, lässt Szenen sich überlagern, schnelle Anschlüsse, Pointen und sprachliche Hiebe, die ich insgesamt zwei Stunden (inklusive Pause) gebannt erleben möchte.

Überzeugend und abwechslungsreich in ihren Rollen sind Angelika Milster, Judith Rosmair, Emma Lotta Wegner und Klaus Christian Schreiber.

Ein Einheitsraum – ein Zimmer mit zwei Türen und auch der Abgang am Publikum entlang ist möglich. Leider hat mich dieses Mal die Ausstattung des Dreamteam eher enttäuscht. Das flache Licht auf die kahlen Wände lässt die Darsteller im Dunkeln. Schade um diesen Nichtraum, eher enttäuschend. Was die Darsteller daraus machen und sich nicht beirren lassen, ist schon herausragend.

Dank den Autoren und der Ensembleleistung ein empfehlenswerter Abend in Berlin.

Wunschkinder 20170131 Renaissance Theater Berlin - Banner_

Wunschkinder
von Lutz Hübner und Sarah Nemitz
Premiere am 31. Januar 2017 im Renaissance-Theater Berlin
mit Simone Thomalla, Klaus Christian Schreiber, Angelika Milster, Judith Rosmair, Arne Gottschling, Emma Lotta Wegner
Regie: Torsten Fischer
Ausstattung: Herbert Schäfer, Vasilis Triantafillopoulos

Creators Gedanken März 2017

Eigentlich wollte oder sollte ich heute in Hamburg sein. Die erste Vorrunde zum Wettbewerb für neue Musicals, Creators, war früher einmal angekündigt. Doch die Bewerbungen gingen im veranstaltenden Schmidt Theater in Hamburg nicht ein. So wurden die vier Vorrunden auf zwei zusammen gestrichen (nur am am 3.4. und 1.5.2017 im Schmidt Theater, nicht am 6.3. und noch 5.6.2017) und das Finale findet nur am 16. Oktober 2017 statt. Schade.

Mich würden auch die Gründe interessieren. Doch einen Kommentar seitens der Veranstalter habe ich nicht gefunden.
Waren es zu wenig halbwegs gute Stücke? Oder reichen die vielen Autoren ihre Musicals nicht ein, weil sie nicht wissen, wie sie die Präsentation zusammen stellen sollen? Oder kennen nach der ersten, sehr präsenten Creators-Runde 2015 immer noch zu wenig den Wettbewerb?

Immerhin hat der 2015er Erstprämierte, „Zzzaun“ im September seine Uraufführung an der Staatsoperette Dresden. Von weiteren Stücken – es waren 15 – weiß ich jetzt noch nichts weiter.

Hier die Information zu den beiden Vorrunden 2017 vom Veranstalter:

„Rund 70 Ideen erreichten die Wettbewerbsleitung im Schmidts TIVOLI in den letzten Monaten, die besten 10 haben nun die Chance, sich in zwei Vorrunden im April und Mai dem Publikum im Schmidt Theater zu präsentieren. In jeder Vorrunde zeigen fünf der Wettbewerbsteilnehmer einen kurzen Ausschnitt aus ihrem Werk. Unterstützt werden sie dabei von Ensemble-Mitgliedern aus dem Schmidt Theater. An jedem Vorrundenabend kürt die Fachjury bis zu zwei Gewinner.

1. Vorrunde am 3.4.2017 um 20 Uhr im Schmidt Theater
„Pendelton und die Theaterleichen“ (Chris Brewer, Konstantin Georgiou)
„Bitte nicht im Stehen kacken – the faboulous life of a Saftschubse“ (Mirko Klos)
„The Wicked Witch of the Web“ (Florian Miro)
„Bulli“ (Tobias Sasse)
„Mach Schau“ (Uli Große, Eric Emmanuele, Alfred Schüch)

2. Vorrunde am 1.5.2017 um 20 Uhr im Schmidt Theater
„Back into the closet“ (Peter Aufderhaar, Matthias vom Schemm)
„B A Star“ (Karl Lindner)
„MAHINA“ (Pamina Lenn, Benedikt Vogel, Tilmann Rose)
„Summer of Love“ (Tobias Sasse)
„Eine Nacht in der Stadt“ (Michael Maas)

Tickets: 13,- € zzgl. 2,- € Systemgebühr je Ticket“

Viel Recherche für den Premieren-März 2017

Inzwischen muss ich ja E-Mailprogramm etc. ausschalten, damit ich Zeit habe, um Produktionen und Premieren zu finden und nach zu recherchieren. Denn wenn ich einmal angefangen habe, dann finde ich unglaubliches mehr.

Und dabei will ich mich über die grundlegend informierende Website Musicalzentrale gar nicht beschweren. Aber aber. Zunächst denke ich immer, dass das der Premierenstand des Monats wäre, doch ein Blick in meine eigene Tabelle überrascht mich dann doch.
Für März 2017 werden 26 Premieren im deutschsprachigen Raum (ohne Konzerte) dort aufgelistet. Da frage ich mich, warum ich GANZE 17 weitere Premieren notiert habe! Zum einen muss ich erst noch sehen, in wie weit immer Liederabende zum Musicalbegriff gehören, aber die ganzen Semiprofis mit den Verlagsmusicals sind schon immer eine übersehene Menge gewesen. Manche werden von der „muz“ gelistet, andere unerklärlich nicht.

Im März 2017 gibt es mindestens 8 Operettenpremieren, die die Musicalzentrale natürlich nicht aufführt. Neben Bekanntem kommen auch „Savoy Operas“ (endlich nahgeholt), „Der böse Geist Lumpazivagabundus oder: Das liederliche Kleeblatt“ sowie eine zweimalige Präsentation von „Operette für zwei schwule Tenöre“.

Des weiteren richtet sich mein Blick gezielt nach London, wo ich erstaunlich viele Eintrittskarten wieder im Vorverkauf schon gebucht habe. Besondere Shows laufen gerade, die ich noch nicht gesehen habe, und neue beginnen gerade.
Eigentlich habe ich Platz für 20 Vorstellungen und beim Blick in den Kalender der Musicalzentrale dachte ich erst, dass ich die nicht ganz voll bekomme. Doch ich habe so viele weitere Produktionen gefunden, dass ich wieder kaum Schauspiele wie sonst sehen kann. Jedenfalls freue ich mich auf „The Pirates of Penzance“, „Parade“, „Frogs“, „The Wild Party“, „The Life“, „Carousel“ und eine Menge mehr. Mal sehen, wen ich vor Ort zufällig sehe …