24.03.16 – 1 EE – 1 P

Toi.Toi.Toi heute nach Wien und Klagenfurt.

In Wien europäische Erstaufführung von „Messiah Rocks“ von Jason Howland und Dani Davis, in englischer Sprache durch die Vereinigten Bühnen Wien im Raimund Theater (Regie: Alex Balga, Musikalische Leitung: Koen Schoots, Choreographie: Natalie Holtom, mit Ana Milva Gomes, Drew Sarich, Rob Fowler und Jessica Kessler, Raphaela Pekovsek, Floor Krijnen, Franziska Schuster, Jennifer Siemann, Anne-Marijn Smulders, Rebecca Soumagné, Linda Veenhuizen, Sebastian Brandmeir, Tim David Hüning, Maximilian Klakow, Rory Six, Benjamin Sommerfeld, Jakob Semotan, Daniel Tejeda sowie Tanz-Ensemble: Livia Wrede, Thomas Poms, Anderson Pinheiro, Maria Moncheva, Paul Csitkovics, Dino Kecanovic).

Am Stadttheater Klagenfurt lizenzierte Neueinstudierung der Urinszenierung von „A Chorus Line“ von Marvin Hamlisch, Edward Kleban, James Kirkwood und Nicholas Dante, in einer deutschsprachigen Übersetzung von Michael Kunze, Regie & Choreographie: Baayork Lee, Musikalische Leitung: Günter Wallner, mit Melanie Böhm, Sarah Bowden, Caroline Ciglenec, Bernadette Fröhlich, Ines Hengl-Pirker, Marina Petkov, Vicky Riddoch, Bettina Schurek, Veronique Spiteri, Jane-Lynn Steinbrunn, Anja Štruc, Bronwyn Tarboton, Yuri Yoshimura I Samuel Calas, David Hardenberg, Reginald Jennings, Paul Knights, Carsten Lepper, Wei-Ken Liao, Ludwig Mond, Steven Armin Novak, Michael Postmann, Terence Rodia, Oriol Sanchez I Tula, Mario Saccoccio, Lukas Strasser, Pim van Amerongen, Timo Verse).

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Volksoper versenkt Venedig in einer Nacht

Eintrittskarte gekauft und einen Abend lang über Regisseurtheater geärgert. Hinrich Horstkotte wollte die Operette „Eine Nacht in Venedig“ versenken, was ihm komplett gelang. Nicht nur der zweite Akt irgendwie im Palast unter Wasser und der dritte dann die Stadt teils Versunken in den Wogen der Wellen. Im ersten Akt laufen ständig alle durch die Kanäle hindurch, wo behauptet wird, dass da Gondeln drin schwimmen können. Da helfen auch keine Rokoko-Kostüme, wenn der Inhalt zusammengerührt wird.

Und bis auf Mara Mastalir als Annina waren alle meistens einfach nicht zu verstehen. Das Orchester war einfach zu laut und zu präsent, obwohl das sehr differenziert zur Ouvertüre noch gut geklungen hat. Lorenz C. Aichner dirigierte. Doch danach habe ich mir eine komplette Verstärkung der Sänger mit Mikroports dringend gewünscht – es geht doch bei der Geschichte um was!Nacht in Venedig 20160314 Volksoper Wien - Plakat_

Ebenso ärgerlich die englischen Übertitel an der Volksoper. Ich lese die ganze Zeit Englisch mit, obwohl sie Deutsch singen!? Was soll dieser Blödsinn? Denn in der kruden Inszenierung vermittelt sich der Inhalt nicht durch die Szene und die Worte versteht man schlecht. Also dann mitlesen und ständig zurück übersetzen. Es ist DRINGEND geboten, dass an der Volksoper Wien zweisprachig übertitelt wird.

Der spannendste Moment war dann als Senator Delacqua auf seinen Balkon tritt, auf dem zuvor auch schon seine Frau stand, und dieser dann um einige Zentimeter nach vorne abkippt. Nichts weiter passiert. War bestimmt so aber nicht gedacht. Oder sollte das schon aufs Versinken deuten? Alles andere blieb dann – bis auf Annina – unter dem Wasserspiegel.

„Eine Nacht in Venedig“
Operette mit Musik von Johann Strauß, Libretto von Camillo Walzel (Pseudonym: Friedrich Zell) und Richard Genée
Premiere am 14. Dezember 2013 an der Volksoper Wien, Wiederaufnahme am 29. Jänner 2016

Regie, Bühnenbild und Kostüme: Hinrich Horstkotte | Dirigent: Alfred Eschwé / Lorenz C. Aichner | Choreinstudierung: Holger Kristen | Choreographische Mitarbeit: Florian Hurler | Fassung: Helene Sommer und Hinrich Horstkotte | Abendspielleitung: Angela Schweiger

Guido, Herzog von Urbino: Mehrzad Montazeri / Vincent Schirrmacher | Bartolomeo Delacqua, Senator von Venedig: Wolfgang Hübsch | Stefano Barbaruccio, Senator von Venedig: Gerhard Ernst / Gernot Kranner | Giorgio Testaccio, Senator von Venedig: Franz Suhrada | Barbara, Delacquas Frau: Manuela Leonhartsberger | Agricola, Barbaruccios Frau: Sulie Girardi / Regula Rosin | Constantia, Testaccios Frau: Susanne Litschauer | Annina, Fischerstochter: Mara Mastalir / Beate Ritter | Caramello, des Herzogs Leibbarbier: Alexander Pinderak / Jörg Schneider | Pappacoda, Makkaronikoch: Christian Drescher / Roman Martin | Ciboletta, Köchin bei Delacqua: Claudia Goebl / Elisabeth Schwarz | Enrico Piselli, Delacquas Neffe: Martin Fischerauer

Nacht in Vendig - Besuch in den Kostümwerkstätten - Volksoper Wien - Hinrich Horstkotte

Hinrich Horstkotte ist verantwortlich für Regie, Bühnenbild und Kostüme bei „Eine Nacht in Venedig“ an der Volksoper Wien

 

Für das Regieteam

Blue Moon 20160322 Kammerspiele der Josefstadt - Besetzung

Für „Blue Moon“, eine Hommage an Billie Holiday in den Kammerspielen der Josefstadt Wien, habe ich mir nur eine Karte gekauft, weil Torsten Fischer, Herbert Schäfer und Vasilis Triantafillopoulos wieder zusammen gearbeitet haben. Zudem ist Sona MacDonald angekündigt für das Zwei-Personen-Stück plus Vierer-Band.

Und von der ersten Minute an entpuppt sich die Wahl des Theaterabends als Volltreffer. Nikolaus Okonkwo begrüßt mit Schimpfworten die Theaterzuschauer, die sich verhalten und positionieren müssen. Dann zeigt Torsten Fischer quasi Antihelden, denn Billie Holiday und ihre Männer kommen nicht gerade positiv über die Rampe. All ihre Fehler und merkwürdigen Entscheidungen, zu viel Alkohol und Drogen, zu viel Opferleid. Das ist heftig und zwei Stunden fesselnd. Dazu werden immer wieder neue Bilder mit Vorhängen und Hintergründen gefunden. Das Licht beleuchtet und verdeckt. Es gibt nur zwei Mikrofone, Barhocker und einen Stuhl. Und viel zu Trinken …

Gar nicht so schnell ist zu verstehen, warum sich plötzlich Sona MacDonald das Gesicht unsauber schwarz anmalt. Aber die historische Billie Holiday wurde wegen ihres hellen Teints von einem Veranstalter aufgefordert, dies auch zu tun. Also mit Augenmaß nicht „politisch unkorrektes“ aufzeigen und diskutieren, anstatt sich den Mund und den Mut zu verbieten.

Ein großer Abend voller eigenwilliger – musikalischer – Interpretationen mit einem grandiosen Zweiergespann aus Sona MacDonald und Nikolaus Okonkwo mit einer hervorragenden musikalische Leitung von Christian Frank, der selbst am Flügel begleitet.Blue Moon 20160322 Kammerspiele der Josefstadt - außen hoch_

„Blue Moon“
Eine Hommage an Billie Holiday von Torsten Fischer und Herbert Schäfer
Uraufführung am 26. November 2015 in den Kammerspielen der Josefstadt Wien

Regie: Torsten Fischer | Musikalische Leitung: Christian Frank | Bühnenbild und Kostüme: Herbert Schäfer & Vasilis Triantafillopoulos | Dramaturgie: Herbert Schäfer | Licht: Manfred Grohs

Sie: Sona MacDonald | Er: Nikolaus Okonkwo

Klavier: Christian Frank | Klarinette, Saxophon, Flöte: Herbert BergerKontrabass: Andy Mayerl | Schlagzeug: Klaus Pérez-Salado

Blue Moon 20160322 Kammerspiele der Josefstadt - außen quer_

„Blue Moon“ in den Kammerspielen der Josefstadt Wien © Frank Wesner

 

Dabei sein ist alles

Ein Schlagerpasticcio ohne Chor und mit großem Big-Band-Orchester. Mit vielen Solisten, etwas Ballett und Komparserie. Dazu ein quasi filmischer Ablauf a la Spieluhr mittels Drehring wird der Ufa-Film „Der Kongress tanzt“ lebendig. Inklusive der Evergreens von Werner Richard Heymann aus dem gleichnamigen Film und aus einigen anderen mehr. Das dabei das Orchester mit weißen Jacketts zur Ouvertüre und Entr´acte aus dem Graben sanft nach oben gefahren wird (und wieder hinunter), ist ein wunderbarer, nicht ganz neuer Einfall an der Volksoper Wien.

Robert Meyer, der Intendant des Hauses inszeniert selbst und steht als unsympathischer Metternich im Mittelpunkt der Intrigen. Boris Eder gibt grandios den Zar Alexander von Rußland und seinen eigenen Doppelgänger. Ein wunderbares Sängerdarsteller-Ensemble kommt dazu.Kongress tanzt, Der 20160220 Volksoper Wien - Collage

Überzeugende Inszenierung ohne große Überraschungen oder Höhepunkte. Sollte man unbedingt gesehen haben.

Der Kongress tanzt
Eine musikalische Komödie nach dem gleichnamigen Film von Erik Charell mit Musik von Werner Richard Heymann
Neue Bühnenfassung von Michael Quast und Rainer Dachselt
Musikalische Arrangements von Carsten Gerlitz
UA: 25. Mai 2007, Theater Baden-Baden
Premiere: 20. Februar 2016, Volksoper Wien

Regie: Robert Meyer | Musikalische Leitung: Christian Kolonovits | Choreographie: Florian Hurler | Bühnenbild: Eva-Maria Schwenkel | Kostüme: Gertrude Rindler-Schantl
Metternich: Robert Meyer | Pepi: Michael Havlicek | Christel: Anita Götz | Zar Alexander von Rußland; Uralsky: Boris Eder | Bibikoff: Thomas Sigwald | Komtesse: Ildiko Babos | Wellington: Wolfgang Gratschmaier | Talleyrand: Marco Di Sapia | König August von Sachsen: Axel Herrig | General von Piefke: Bernd Birkhahn | Polnischer Gesandter: Franz Suhrada | Schweizer Gesandter: Gernot Kranner | Heurigensängerin: Agnes Palmisano | Finanzminister: Nicolaus Hagg | Bürgermeister: Fritz von Friedl | Fürstin:Regula Rosin | Gräfin: Renée Schüttengruber | Vollzugsbeamter: Georg Wacks

Kongress tanzt, Der 20160220 Volksoper Wien - Banner

Der Kongress tanzt – Premiere: 20. Februar 2016, Volksoper Wien

 

Can-Can gekonnt

Die Bühne Baden zeigte äußerst gekonnt Cole Porters und Abe Burrows‘ Paris-Musical „Can-Can“ über Gerechtigkeitssinn, zivilen Ungehorsam, freier Entfaltung und und und der komplizierten Liebe. Das Sängerensemble sehr gut zusammengestellt (die Bühne hat keine fest engagierten Solisten) plus artistischen Ballett und spielendem Chor.
Can-Can 20160320 Stadttheater Baden - Schriftzug mit Fuß_Dass aber Regisseurin Alexandra Frankmann-Koepp dann mit dem Musikalischen Leiter Oliver Ostermann plötzlich auf die deutschen Liedtexte verzichtete, stellte sich als schwerer Irrtum heraus. Auf allen Ankündigungen war der Hinweis auf Robert Gilberts Liedtexte nicht geändert worden … Sind sie so veraltet? Sollte der Verlag Felix Bloch Erben eine Neuübersetzung beauftragen?

Jedenfalls zerfiel manchmal das Musical in seine Bestandteile Szene, Lied und Tanz. Das war in der ansonsten sehr stimmigen Aufführung äußerst schade. Die Szenenwechsel wurden bei geschlossenem Vorhang mit musikalischer Untermalung gemacht, bei der ein Pariser Stadtplan projiziert wurde, auf dem der Weg zum nächsten Spielort grafisch dargestellt wurde. Eine gute Idee, die sich mit der Zeit etwas abnutzte. Besonders, wenn nur kurze Sprechszenen folgten.

Dirigent Oliver Ostermann begleitete sehr gekonnt mit einem aufmerksamen Orchester. Marcus Tesch ließ frisch den Can-Can tanzen – Wo sieht man so was Gekonntes noch live? – und zeigte Gespür für die bewegenden Momente. Pantelis Dessyllas hatte eine Gassen-Bühnenbild mit viel Pariser Flair und vielen Details und Friederike Friedrichs Kostüme bedienten sehr gekonnt Szene und Zeit. Alles wirklich gelungen. Diese Inszenierung – mit deutschen Liedtexten! – sollte an anderen Bühnen genauso ebenso zu sehen sein.

Wunderbare Charaktere mit all ihren glaubhaften Nöten und Sorgen spielten die Solisten. Elisabeth Ebner als moderne, resolute Chefin Pistache, die schwer zusammen stößt und immer wieder Richter Aristide Forestier (Oliver Arno) herausfordert. Hans Neblung gibt den geheimnisvollen Lebemann und Kunstkritiker Hilaire Jussac, der einer sehr präsenten Lisa Habermann als Claudine nachstellt, was Georg Leskovich als Boris in extrem herrliche Situationen treibt. Die Solisten wirklich stark im Spiel und musikalisch versiert mit viel Ausdruck. Das verzaubert!Can-Can 20160320 Stadttheater Baden - Plakat nur mit Dialoge_

Can-Can
von Cole Porter und Abe Burrows – mit Liedern in englischer Sprache und deutschen Dialoge von Paul Baudisch
Bühne Baden – Stadttheater
Premiere: 20. Februar 2016, 13 Mal bis 20. März 2016

Regie: Alexandra Frankmann-Koepp | Musikalische Leitung: Oliver Ostermann | Choreographie: Marcus Tesch | Bühnenbild: Pantelis Dessyllas | Kostüme: Friederike Friedrich
Pistache: Elisabeth Ebner | Richter Aristide Forestier: Oliver Arno | Hilaire Jussac: Hans Neblung | Claudine: Lisa Habermann | Boris: Georg Leskovich | Theophile: Artur Ortens | Hercule: Johannes Nepomuk | Etienne: Nathanaele Koll | Richter Paul Barriere: Franz Josef Koepp | Henri; Gerichtspräsident: Beppo Binder | Model; Marie (Dance Captain): Daniela Nitsch | Gabrielle: Barbara Castka | Celestine: Angelika Ratej | Gerichtsdiener; Arzt u.a.: Michael Duregger / Alexander Kuchinka | Polizeibeamter; Sekundant u.a.: Robert Kolar | Polizeibeamter; Gefängniswärter u.a.: Felix M. Berger

Wonderboare Wühnerboys

Wonderboys von Hernois 20160318 Metropol Wien - Bilderwand_

Die erfundene Geschichte von vier Wiener Sängerknaben, die nach dem Stimmbruch noch im Internat ihr Maturajahr 1954/1955 schaffen sollen und doch eine Boyband gründen: „Die Wonderboys von Hernois“. Mit Flucht aus der Schule, Erfahrungen im amerikanischen Besatzer-Night-Club und gescheiterte Tournee in Amerika.
Das ist so wunderbar geschrieben (von Markus Gull), dass ich mir es gleich noch einmal ansehen möchte. Die Charaktere sind wunderbar getroffen und entwickelt. Die Darsteller lassen die Zeit und die Musik unaufwändig erblühen. Kaum zu glauben, dass die Lieder (fast) alle GANZ NEU sind!
Nun ja, so sind manche Witzeleien nicht gerade neu, funktionieren aber immer. Und Andy Lee Lang als Unterhaltungsoffizer fast die Szenen vorher zusammen und führt so als Bremse durch die Geschichte. Das an Spielweise war definitiv nicht mein Fall.
Doch da gibt es Stefan Bleiberschnig als Entdeckungsüberraschung für mich zu den anderen wunderbaren Darstellern. Plus diesen herrlich lockeren, musikalischen Szenen und Arrangements in kaum Kulisse mit vielen Kostümen. Sofort wieder und unbedingt ANSEHEN.Wonderboys von Hernois 20160318 Metropol Wien - Schriftzug 2_

„Die Wonderboys von Hernois“
Das neue Metropol-Musical von Markus Gull (Buch) mit Musik von Christian Deix, Lyrics: Peter Hofbauer
Uraufführung: 9. Februar 2016 im Wiener Metropol

Regie: Erhard Pauer
Mit: Andy Lee Lang, Lukas Perman, Stefan Bleiberschnig, Thomas Dapoz, Marcel-Philip Kraml, Irena Flury / Maxi Neuwirth, Soffi Schweighofer, Andreas Peer & Alexander Strömer sowie 4er Band

Wonderboys von Hernois 20160209 Wien - Banner

Verrückter Mozart!

Mozart! über die Flegeljahre Mozarts in Salzburg, auf Tournee und in Wien ist zurück in Wien. In einem anderen Theater – nun das Raimund – und mit neuer Inszenierung des Uraufführungsteams. Das beginnt stark und spannend und lässt ebenso schnell nach. Alles zerfasert, zerfällt, zerbröselt. Gutes Musical wäre besser. Hat Harry Kupfer ein wahlloses Regisseurtheater entfesselt?
Cembalo am Flügel spielen ist schon schrecklich, der Auftritt der Hair-Hippies Familie Weber noch schrecklicher. Die falsche Rockgitarre Mozarts ein Graus-Schmaus.

„Hier in Wien“ zu Beginn des zweiten Teils ist absolut verzappelt. Wer singt da überhaupt? Neben der Choreographie sind die Kostüme ebenso unentschieden. Modern oder Barock? Und Mozart in weiß, aber wieso ständig umgezogen? Schrecklich einfallslos. Ein kurzer Lichtblick dann Colloredos Auftritt im Morgenmantel. Mozart kann da nicht mithalten und verliert.
Auch die große Bühne verwundert. Flügel und Stühle – alles ok. Aber ständig muss auf der Drehscheibe hinten alles kurz verschoben werden, damit es passt. Auto, Kutsche und Billardtisch werden unter einer gehobenen Projektionsfolie durchgeschoben, da die Seiten leider verbaut sind. Doch das eigentlich mehr als ärgerliche sind die lächerlich langweiligen Hintergrundprojektionen. Vielleicht noch der Ort wird eingeblendet. Doch warum fehlt das Jahr? Das ist arrogant. Dann haben die Bilder eine gewisse Beliebigkeit. Und warum bitte bewegen sich die Bilder nicht, verändern sich in der Szene? Wenn dann Nebel aufsteigt und das Bild sich quasi auflöst, dann ist da Theater. Ansonsten ist da eine künstlerische Katastrophe zu sehen.

Zwar wurde einiges geändert, aber nicht wesentlich Spürbares. Zwar sind Schikaneders Auftritte das einzige, was zur historischen Musikgeschichte verbindet, doch leider im Musical leicht ersetzbar, streichbar und überaus entbehrlich. Leider leider. Zu dem ist beim Zauberflöten-Applaus die Frage, wer da Tamino und Papagena wäre. Ungeklärte Detailfragen wie auch die Projektion des historischen Theaters an der Wien mit verstörend modernen Scheinwerfern im Portal hängend. Warum kommen wenn schon – denn schon die Künstler nicht im aktuellen Raimund Theater an?

Das Ensemble ist hervorragend. Für mich eine Freude, auch viele Zweitbesetzungen im Vergleich zu sehen, die der Erstbesetzung nicht nachstehen. Wirklich nicht. Aber es gibt da auch viel zu differenzieren. Wenn aber alle sicher im Ensuite-Spiel sind, dann kommt es eben auf das Sprechen der Satzzeichen an. Auch in so einer hochklassigen Produktion keine Selbstverständlichkeit.

Eine Neuinszenierung, die eher mehr Fragen aufwirft als Interesse bewirkt. Statt der Hoffnung auf eine weitere Deutung eher die Erkenntnis, dass es ein anderes Stück über Mozart wohl braucht.
Und wenn es so gut läuft, warum wird die Laufzeit verkürzt bzw. nach Ostern nicht fortgesetzt? Unklar genauso wie die Premierenverschiebung von Anfang auf Ende September 2015. Alles so mysteriös …

Eine lächerliche Anekdote noch: Plötzlich kommt für zwei Vorstellungen Thomas Borchert als Papa Mozart zurück (Wann im Januar genau?). Die Aufführungen sollen zu Dokumentationszwecken – ganz wichtig! – aufgezeichnet werden. Was natürlich niemand glaubt (dokumentiert ist das schon längst!). Und passend zur letzten Vorstellung dann die offizielle Information, dass eine DVD und auch Blu-Ray in Kürze erscheinen sollen. Welch eine Überraschung. Quasi ein Schelmenstreich Mozarts?Mozart! 20160315 Raimund Theater Wien - Kreative_

„Mozart!“ von Sylvester Levay und Michael Kunze
Vereinigte Bühnen Wien im Raimund Theater Wien – Premiere: 24. September 2015, letzte Vorstellung am 20. März 2016

Regie: Harry Kupfer | Musikalische Leitung: Koen Schoots | Choreographie: Dennis Callahan | Bühnenbild: Hans Schavernoch | Kostüme: Yan Tax | Lichtgestaltung: Jürgen Hoffmann | Tongestaltung: Thomas Strebel | Videogestaltung: Thomas Reimer

Wolfgang Amadeus Mozart: Oedo Kuipers | Leopold Mozart: Thomas Borchert | Hieronymus Colloredo: Mark Seibert | Constanze Weber: Franziska Schuster | Nannerl Mozart: Barbara Obermeier | Baronin von Waldstätten: Ana Milva Gomes | Cäcilia Weber: Brigitte Oelke | Graf Arco: Jon Geoffrey Goldsworthy | Schikaneder: Johannes Glück | Fridolin Weber; Thorwart: Stefan Poslowski | Aloysia Weber: Karolin Konert | Josepha Weber: Rebecca Soumagné | Sophie Weber: Sina Pirouzi | Amadé: Illia Hollweg, Sophie Wilfert, Max Dörflinger, Lucas MacGregor
Ensemble: Abla Alaoui, André Bauer, Dorothea Baumann, Sebastian Brandmeir, Nicolas Boris Christahl, Judith Jandl, Jessica Kessler, Maximilian Klakow, Susanna Panzner, Martin Pasching, Florian Peters, Sina Pirouzi, Stefan Poslovski, Jennifer Siemann, Anne Marijn Smulders, Thorsten Tinney, Linda Veenhuizen, Lucius Wolter
Swings: Jil Clesse, Floor Krijnen, Raphaela Pekovsek, Gernot Romic, Jakob Semotan, Carl van Wegberg