Premieren im Oktober 2015

musicals - Das Musicalmagazin 201508 Heft 175 Okt-Nov 2015 - Cover sehr kleinMindestens 55 Musicalpremieren und 4 Operetten werden im Oktober 2015 (das habe ich alles notiert) in den drei deutschsprachigen Ländern erwartet. Neben Ur- und Erstaufführungen wieder Repertoire und extrem Ausgefallenes sowie Semiprofessionelles und von Amateuren.

Mal sehen, was die neue Zeitschrift musicals im Heft 175, Okt. / Nov. 2015, davon ankündigt. (Die Vielfalt kann später dort leider keinesfalls widergegeben werden).

Blickpunkt Musical 78 September-November 2015 Nr 5-15 TitelbildVon der September-Ausgabe(!!!) der blickpunkt musical fehlt im September jede und jegliche Spur. Für den 6.10. ist das Erscheinen der Ausgabe 78 angekündigt. Mit neuem Cover-Design, was sich der Zeitschrift musicals auffällig angleicht (in Anordnung, Aufteilung und Quadratbild). Aber auch das blickpunkt musical Sonderheft »Mozart!«, dass zur Premiere am 24. September 2015 erscheinen sollte, verspätet sich ebenfalls deutlich. (Und wurde inzwischen mit einem neuen Cover angekündigt.)

Ob jemand die Musical-Vielfalt je aufarbeiten wird und darstellen kann?

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Töt, Sörg und Friedhöf – Sarg niemals nie ist wie-der-da

Das herrlich makabre Drei-Personen-Musical „Sarg niemals nie“ ist wieder zurück auf einer Berliner Bühne. 2013 als Einakter in eigener Produktion im Studio der Neuköllner Oper Berlin uraufgeführt und 2014 mit weiteren Liedern und neuem Bruder an selben Ort wiederauferstanden.
Wieder weiterentwickelt (Regie: Dominik Wagner & Jörn-Felix Alt) wurde es ein wenig für den neuen Spielort, die Bar jeder Vernunft Berlin. Jetzt mit den gleichen Liedern und die drei Musiker sind inzwischen zu sehen (und sie können das Spiel der Drei sehen). Neu ist die Nutzung der Cabaret-Drehscheibe und der Verbrennungsofen, der ja bekanntlich auf so manche Idee kommen lässt.

Das geniale Musical ist auch ein sehr gutes Beispiel für Idealbesetzung, denn Bestatter David Schneider und Angestellte Dakmar sind von Anfang an dabei und immer noch großartig besetzt. Patrik Cieslik und Yvonne Greitzke ziehen ihr Publikum förmlich in ihr kuscheliges Bestattungsunternehmen hinein. Den aus Indien wiederkehrenden Bruder Tim Schneider gibt nun neu Michael Starkl, der wie schon bei Tobias Licht und Maximilian Mann nicht besser besetzt werden könnte. Darsteller und Tänzer mit großer Stimme, Ausstrahlung und Bewegung. (Auf Schweiz-Gastspiel war der „vierte“ Bruder Marc Liebisch).
Jetzt bekommen aber auch David und Dakmar Doppelgänger: Juliane Dreyer und Benjamin Sommerfeld übernehmen einzelne Vorstellungen.

Wunderbar, wenn ein kleines Musical sich so prächtig entwickelt, und Produzenten wie die Bar jeder Vernunft das Potential nicht nur erkennen, sondern eine weitere Plattform bieten.

Sarg Niemals Nie - Ein Musical zum Totlachen 20150915-25 Bar jeder Vernunft Berlin - Banner ohne TextSarg niemals nie von Christoph Reuter, Cristin Claas, Dominik Wagner, Jörn-Felix Alt und Jennifer Wjertzoch
produziert von WALT Entertainment
UA: 17.07.2013, Neuköllner Oper – Studiobühne, Berlin-Neukölln
Übernahme-Premiere am 15. September 2015 in der Bar jeder Vernunft Berlin
Regie: Dominik Wagner & Jörn-Felix Alt / Musikalische Leitung: Nikolai Orloff / Choreographie: Jörn-Felix Alt / Bühnenbild: Ivan Ivanov
Dakmar: Yvonne Greitzke / Juliane Dreyer – David: Patrik Cieslik / Benjamin Sommerfeld – Tim: Michael Starkl

Halbe Miete bei „Nur zur Miete“

Szenen eines Mietshauses mit unterschiedlichen Bewohner(gruppe)n und verschiedenen (Musical-)Liedern. Musikalisch mit Keyboard und öfters mit Schlagzeug begleitet ist es der stärke Teil des Abends der Berliner Stage Company.
Choreographisch wird auch einiges geboten, aber schauspielerisch wieder so viel verschenkt. Da können nur ein paar der 13 Darsteller glänzen. Zu nennen sind da Carlo Sperfeld, Julian Nketiah und Hannes Roth.
Besonders lobend herausgestellt sein sollte, dass der Verein seit einigen Jahren bitter nötige Amateurmusicalarbeit leistet, von der in Berlin noch wesentlich mehr zu wünschen NUr zur Miete 20150625 Berliner Stage Company im Atze Musiktheater Berlin - querwäre.

Uraufführung „Nur zur Miete“ war am 25.06.2015 im Atze Musiktheater – Studio, Berlin-Wedding, Wiederaufnahme am 18.09.2015
eine Musical-Compilation der Berliner Stage Company e.V.

NUr zur Miete 20150625 Berliner Stage Company im Atze Musiktheater Berlin - Banner 2

19.09.15 – 2 UA – 2 P – 2 WA

Sackpfeifer, Der 20150919 Kulturzentrum Marchfeld Strasshof - Plakat-neu-klein klein_Toi.Toi.Toi nach Strasshof, Wuppertal, Bremerhaven, Osnabrück, Dortmund, Dresden, Baden und Wien (eventuell).
Im niederösterreichischen Strasshof Uraufführung der Operette „Der Sackpfeifer“ im Kulturzentrum Marchfeld Strasshof (Regie: Michael Schefts, Musikalische Leitung: Prof. Uwe Theimer), in Wuppertal UA „Engels & Friends“ im Theater am Engelsgarten (Regie: Michael Wallner), in Bremerhaven Premiere „Anything Goes“ im Großen Haus des Stadttheaters (Regie: Nico Rabenald, Musikalische Leitung: Ido Arad, Choreografie: Andrea Danae Kingston, Ausstattung: Manfred Breitenfellner, mit Reno Sweeney: Dorothea Maria Müller, Lord Evelyn Oakleigh: Alexander Kerbst u.a.), in Osnabrück Premiere „HONK! – Das Musical“ im Haus der Jugend in Osnabrück (Kooperation der Heilig-Geist-Schule und des IfM), in Dortmund Wiederaufnahme „Jesus Christ Superstar“ in der Oper (Koproduktion mit dem Theater Bonn), in Dresden Wiederaufnahme „Cagliostro in Wien“ und Tag der offenen Tür, in Baden die Gala beim 8. Heinrich-Strecker-Gesangswettbewerb Oper-Operette-Musical-Wienerlied, in Wien das MUSICALFEST im Raimund Theater und letztmalig in Hildesheim „Linie 1“ mit dem TfN-Jugendchor.

Sa 12.09.15 – 1 UA – 1 DSE – 5 P – 2 WA

Toi.Toi.Toi nach Wiesbaden, Hildesheim, Neuss, Innsbruck, Berlin, Hamburg und Wien.
In Wiesbaden die DSE „Zwei hoffnungslos verdorbene Schurken“ im Kleinen Haus des Hessischen Staatstheaters mit dem Jungen Staatsmusical Wiesbaden („Dirty Rotten Scoundrels“, Titel nicht mehr „Zwei hinreißend verdorbene Schurken“; Regie: Iris Limbarth, Musikalische Leitung: Frank Bangert / Ulrich Bareiss, Choregrafie: Myriam Lifka, Bühne: Britta Lammers, Kostüme: Heike Korn), in Hildesheim Premiere „Boccaccio“ am Stadttheater Hildesheim vom TfN, in Neuss Uraufführung „Bella Ciao!“ am Rheinischen Landestheater (Regie: Katharina Schmidt), in Innsbruck Premiere „Monty Python’s Spamalot“ am Tiroler Landestheater Innsbruck (Regie: Mareike Zimmermann), in Berlin Premiere „Der gute Mensch von Sezuan“ am Berliner Ensemble (Regie: Leander Haußmann, mit Antonia Bill), in Hamburg Premiere „Die Dreigroschenoper“ am Thalia Theater, in Wien Wiederaufnahme der für mich altbackenen, überholten „Mary Poppins“ im Ronacher, in Berlin „Orfeo“ in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Charité Berlin-Mitte, sowie „War’n Sie schon mal in mich verliebt? – Max Hansen“ in der Danckelmannstr.9a, 14059 Berlin, mit Maximilian Nowka.

10. September – für Ignoranten informativ

Natürlich gibt es „Casanova“-Musicals und sogar Revuen. Heute vor 39 Jahren Uraufführung „Casanova“ von Natschinski/Bez/Degenhardt im Metropol-Theater Berlin (10.09.1976), vor 18 Jahren Uraufführung „High Society“ am American Conservatory Theatre, San Francisco (10.09.1997), 16 Jahren Uraufführung „Fellini, Fellini“ am Opernhaus Gelsenkirchen (10.09.1999) und seit 7 Jahren ist „War Horse“ in London – Premiere am 10.09.2008 im Olivier Theatre (im National Theatre).

Entzaubertes Oz

Wie leider vorherzusehen war, scheitert die Berlin-Pankower Atlanta Stage Company mit der Neuinszenierung von „Der Zauberer von Oss“ (hier modern englisch mit „Oz“ bezeichnet). Denn das Stück ist extremstens komplex und aufwändig. Doch wissen Produzent Bernd A. Zille und Regisseurin Sabine Laubersheimer eigentlich, was sie tun? Die Vorgängerproduktionen „Mary Poppins“ 2012 und „Frohe Weihnacht, Mr. Scrooge“ 2014 habe ich nicht gesehen – einige Darsteller waren schon damals dabei. Wie das wohl war?

Zauberer von Oz, Der 20150905 10 Berlin © Frank WesnerImmerhin gab es für mich erstaunliche Lichtblicke in einem als desaströs zu bezeichnenden Theaterabend. Denn viele Soloszenen und Lieder gelangen, waren spannend und berührend. Aber nicht alle! Tatjana Roth ist für mich als Dorothy eine Entdeckung des Abends, die zu singen, spielen und glänzen verstand. Mona Roth rettet sich mit Facetten reichem Spiel nach vorne als gefährliche Westhexe. Maximilian Hintz und Dawid Adler wissen noch als Blechmann und Löwe zu gefallen. Miriam Sauter gibt eine passent fidele Gender-Vogelscheuche, was unweigerlich unnötige unbeantwortete Fragen aufwirft. („Könnt ich deiner Wert sein?“).
Zauberer von Oz, Der 20150905 38 Berlin © Frank WesnerDer Rest ist Schweigen, besonders die dauerlächelnde gute Hexe Glinda (Chiara Caforio) sowie Chef Bernd A. Zille als uninteressanter Professor Marvel und Schattenzauberer. Dazu gibt es noch einen nervig ablenkenden echten Hund (samt sichtbarer Trainerin), ein junges 15köpfiges Ensemble und fünf Kinder. Bestimmt auch anstrengend für die letzteren, denn der Abend dauert quälend lange dreieinhalb Stunden von 20 Uhr bis 23.30 Uhr! Kaum Striche und ewig lange Übergänge – dies in der Hand zu haben, gehört eben auch zum Inszenieren dazu.

Fast schon zum Ensemble zählen kann man die in schwarzer Kleidung sichtbaren (oder als ärgerliche Schatten auftauchenden) Bühnenarbeiter, die die viel zu vielen, meist dreifachen Kulissenteile per Hand immer hinein und hinaus tragen müssen – während im hellen Licht noch die Szene läuft oder die nächste schon angefangen hat. Mir taten sie leid. Die Kulissen sind dann oft zweidimensional bedruckte Flächen, die dann wie ein offenes Buch geklappt und aufgestellt sind. Gute Idee in katastrophaler Ausführung.

Eigentlich sollte eine Rückprojektion das Bühnenbild hauptsächlich sein, doch der Beamer ist zu schwach gegenüber dem normal hellen Bühnenlicht, die Animation ist uninteressant, perspektivisch falsch, das Bild ruckelt, Einblendungen kommen zu spät etc. Zauberer von Oz, Der 20150905 94 Berlin © Frank WesnerDer Ton verstärkt per Microport, wenn nicht der falsche Kanal offen ist. Die Kostüme extrem zahlreich, teilweise aufwändig und die Geschichte erzählend. Die vielen Choreographien bewegen und beleben die Szene, zünden wenn dann viel zu spät. Alle namenlos, da die Produktion nicht einmal einen Aushang anfertigen konnte.

Immerhin gibt es ein kleines Liveorchester unter der Leitung von Adrian Rinck, der momentan das nächste Musical für die Gruppe, „Der Graf von Monte Christo“, vertont. Zunächst viel zu sehr nur begleitend und zum Mitklatschen animierend, blitzen doch zum Ende Momente von musikalischer Spannung auf. Besonders als mühsam die Smaragdstadtwand zusammen geschoben wird und eine Jazzimprovisation als Überleitung zu hören ist.

Zauberer von Oz, Der 20150905 Tournee ab Berlin - Cover alt und neuDas Musical erlebte auf genau denselben Bühnenbrettern seine deutschsprachige Erstaufführung (Deutsch: Klaus Eidam) am 26.09.1992 im damaligen Metropol-Theater Berlin und war mehrere Jahre dort zu sehen. Das Musical ist momentan sehr beliebt (jährlich mindestens drei Neuinszenierungen und Wiederaufnahmen). Das diese Amateurproduktion sich an dem Stück so amateurhaft verhoben hat, ist mehr als ärgerlich. Besonders bei Eintrittspreisen von bis zu Euro 65,- in den ersten Reihen!

Am 1. Februar 2016 starten die Macher mit ihren Unterfirmen wie „Lunadream Musical Ensemble“ und „razzoPENuto“ mit dem Atlanta Stage Seminar, um ausdrücklich die Bezeichnung private Musicalschule zu vermeiden. Monatlich Euro 130,- bzw. gesamt neun Monate für Euro 1170,-.
Doch das Scheitern der Aufführung hatte das Publikum ja erst NACH dem Kartenkauf gemerkt, wo das Geld schon verloren war – Hinter dem Regenbogen …