Ausblick auf den Februar 2019

Ausblick auf den Februar 2019:
Schon die eigene eMail-Adresse hinterlassen, um so dem Blog alleseintheater.wordpress.com zu folgen? Im Blog darf gerne kommentiert werden.
Wenn nicht die Plakate- und Bannerrecherche so viel Zeit stehlen würde. Unglaublich, was heutzutage nicht im Internet zu finden ist …

In Berlin im Februar 2019 gibt es neben dem extrem gut verkauften „Hase Hase“ (Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater) und den eher erst kurzfristig ausverkauften „Frau Luna“ (Tipi am Kanzleramt) vor allem interessante Gastspiele oder einmalige Aufführungen.
Am Montag, 4.2.2019, die semiszenische Opernaufführung „Edgar“ im Konzerthaus Berlin ist schon was besonderes. „Der Bericht für eine Akademie“ hat Premiere im Gorki am 8.2.
Am 9. Februar folgt die vielversprechende Uraufführung „Mörder und Mörderinnen“ im Schlosspark Theater (Regie: Thomas Schendel; Mit Philipp Sonntag, Irene Christ, Anne Rathsfeld, Oliver Nitsche, Mario Ramos, Karsten Kramer & Raimond Knoll). Die von mir ausdrücklich NICHT geschätzte „West Side Story“ kommt an der Komischen Oper Berlin wieder (Regie: Barrie Kosky, Otto Pichler). Gastspiele von Max Raabe & Palast Orchester im Admiralspalast Theater Berlin (12.2.-3.3.2019) sowie Holiday On Ice: Atlantis im Tempodrom Berlin (21.2.-3.3.2019)
NUR ZWEI MAL wird gespielt „Alles Märchen, das Musical von Bellmann und Rühmeier“ im Kulturhaus Alte Feuerwache Friedrichshain (Stagenow Musical Berlin) und DREI MAL Lieber Tot (Wiederaufnahme) an der UdK Berlin (Ein PROJEKT des 4. Jahrgangs MUSICAL nach Motiven aus ROMEO UND JULIA, Inszenierung: Mathias Noack; Musikalische Leitung: Adam Benzwi). Die UdK Big Band gibt ein Konzert im Schlot (Sa 16.02.2019).

Außerhalb von Berlin gibt hören Longruns auf: bis So 03.02.19 „Aladdin“ in der Neuen Flora Hamburg (06. 12. 2015 bis 3.2.2019, dann ab 21.3.2019 im Apollo Theater Stuttgart). Dort macht Platz am So 10.02.2019 das großartige, wahrscheinlich nicht optimal verkaufte „Der Glöckner von Notre Dame“ im Apollo Theater Stuttgart (18.2.-9.9.2018, verlängert bis So 10.2.2019). Leider wird es wie immer keine verlässlichen Zahlen geben. Warum sollte es mit der Stage Entertainment auch besser werden?

Viele interessante Kinofilme starten, die sehenswert sind: NUR So 03.02.19 „Big Fish & Begonia“ (fantasievoller Animationsfilm, der mit seiner Mischung aus Coming-of-Age-Geschichte, Drama und Fantasy-Abenteuer)
Ab 07.02.19 „Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime Welt“ und „THE LEGO MOVIE 2„. Dann Kinostart „CLUB DER ROTEN BÄNDER – WIE ALLES BEGANN“ (am 14.2.2019 – EMPFEHLUNG!, auch, wenn man die Serie nicht kennt).
ab 21.2.2019 „MEIN BESTER & ICH (OT: THE UPSIDE)“ (Remake Ziemlich beste Freunde) und Kinostart „WIE GUT IST DEINE BEZIEHUNG?“ am 28.2.2019 mit spannender, ideenreicher Geschichte und großartigem Ensemble. ANSEHEN!

14 Musicals hatte die Musicalzentrale auch gemeldet. Einige Inszenierungen von Operetten und Musicals fehlen noch? Bitte anmerken. Vielen Dank an alle, die mich rechtzeitig auf Produktionen hinwiesen oder von denen ich sie übernehmen konnte. Auf rechtzeitige und elektronische Plakate und Banner freue ich mich ebenfalls.

meine 29 Musical- und 7 Operettenpremieren sowie 10 Wiederaufnahmen mit Übernahmen und Gastspieltourneen von Operetten, Musicals (inklusive 3 oder mehr Uraufführungen, einer EE) vermischt im Februar 2019:
Frau Luna (Rostock 1.2.),
WA Frau Luna (Berlin 1.2.),
WA Cindy Reller (Hamburg 1.2.),
WA A Spider Murphy Story (Coburg 1.2.),
WA Eine Nacht in Venedig (Wien 1.2.),
King Kong (Wiesbaden 2.2.),
The Black Rider (Koblenz 2.2.),
Kiss Me, Kate (Darmstadt 2.2.),
Lazarus (Nürnberg 2.2.),
WA Comedian Harmonists (Hildesheim 2.2.),
WA Der Mann von La Mancha (Wien 3.2.),
UA Sherlock – MTS Musical 2019 (Hofheim am Taunus 6.2.),
Der Vetter aus Dingsda (Ulm 7.2.),
Liebesgrüße aus Muskau (Görlitz 7.2.),
Ragtime (Linz 8.2.),
All shook up (Wieseck/Gießen 8.2.),
My Fair Lady (Celle 8.2.),
UA Let´s Stop Brexit! – Keep Calm and Drink Tea (Mönchengladbach 9.2.),
Die Herzogin von Chicago (Bremerhaven 9.2.),
Die Dreigroschenoper (Lübeck 9.2.),
Martin Luther King (Essen 9.2.),
Grimm! (Annaberg-Buchholz 10.2.),
Porgy and Bess – Konzertante Aufführung (Wien 10.2.),
Trouble in Tahiti / A Quiet Place (Aachen 10.2.),
WA West Side Story (Berlin 10.2.),
WA Pariser Leben (BAD ELSTER 10.2.),
WA Adam Schaf hat Angst (Köln 13.2.),
EE Die fabelhafte Welt der Amélie (München 14.2.),
Jesus Christ Superstar (Dortmund 14.2.),
Wo man feststeckt (Essen 15.2.),
The Addams Family (Detmold 15.2.),
Kunde 1000 (Hamburg 15.2.),
UA Als die Omma den Huren … (Dortmund 16.2.),
Orpheus in der Unterwelt (Mannheim 17.2.),
Alles Märchen, das Musical von Bellmann und Rühmeier (Berlin 22.2.),
WA Lieber Tot (Berlin 22.2.),
Im weissen Rößl (Dessau 22.2.),
UA O, Augenblick (Bochum 22.2.),
Die lustige Witwe (Braunschweig 23.2.),
Frau Luna (Cottbus 23.2.),
Cabaret (Bremerhaven 23.2.),
Cabaret (Marburg 23.2.),
Priscilla – Queen of the Desert (St. Gallen 23.2.),
Show Boat (Baden 23.2.),
Sugar – Manche mögen’s heiß (Münster 23.2.),
Höchste Zeit! (Datteln 28.2.)

Advertisements

4 von 5 * für Flashdance

Beim einwöchigen Gastspiel von 2Entertain Germany mit dem Musical „Flashdance“ konnte die Produktion trotz des dramaturgisch nicht fesselnde Musical sehr sehen lassen. Der Musicalfilm von 1983 wird mit zusätzlichen Liedern, die nicht den Evergreenstatus mitbringen, zum Bühnenwerk aufgebläht, was sichwenig wendendes mit sich bringt. Die Inszenierung präsentiert dafür starke Charaktere, ein einfach zu verwandelndes Einheitsbühnenbild mit Galerie, Brücke und zwei Drehwänden. Dazu noch das wunderbare Licht plus die LED-Flächen, die quasi den kompletten Rundhorizont erhellen. Die Kostüme erzählen die Rollen, wo auch einige Darsteller einige Kostüme haben. Und die erwartete Wirkung setzt ein, wenn Alex Owens im Dancedress nass begossen wird und Nick Hurley sein Hemd für Alex auszieht.

Im Berliner Admiralspalast präsentiert sich ein positiv aufeinander eingespieltes Ensemble, aus dem – überraschend oder zum Glück – kein herausstechender Star auszumachen ist. Hannah Leser und Sasha di Capri als Alex und Nick sind hervorragend. Gitte Hænning als Tanzlehrerin Hannah ist ebenso berührend wie Tanja Rübcke als Louise, die mich wiederum so sehr an die Britin Sophie-Louise Dann erinnert. Ann Sophie Dürmeyer führt das wunderbar zusammen gestellte Ensemble als Gloria an.

Livemusik mit gar nicht so kleiner Liveband gibt es über die Boxen, wo ich alles gut abgemischt verstehen konnte.

Fazit: Mit Handwerk, Können, Wissen und Liebe gelingt nicht nur Hannah der überzeugende Auditiontanz sondern auch der Produktionsfirma eine herausragende Tournee, die gerne weiter und wieder gezeigt werden sollte – und nicht zu letzt vom Stadttheater übernommen werden müsste. Der teure Admiralspalast lässt die Karten teuer werden, so dass leider einige sich den Besuch entgehen lassen mussten. Leider gab es auch kein (einfaches) Programmheft, sondern nur digital flüchtige Bildschirmanzeigen der Besetzung.

Flashdance – Das Musical
von Tom Hadley und Robert Cary, Lieder von Robbie Roth und Robert Cary

Tourneepremiere am 20. September 2018 durch 2Entertain Germany im Mehr! Theater am Großmarkt in Hamburg
nach Hamburg anschließend in Düsseldorf, Salzburg, Bremen, Frankfurt, Bamberg, Wien, Berlin und Mannheim
Gastspiel vom 11. bis 23. Dezember 2018 im Admiralspalast Berlin

 

 

 

4 von 5 * für die Tournee Rock of Ages

Was die „Rock of Ages“ Produktion und Produzenten alles richtig gemacht haben, ist wegen der Vielzahl kaum zu zählen. Im Admiralspalast Berlin gastiert für eine Woche vom 4. bis 9. Dezember 2018 die britische Tournee mittels des Veranstalters BB Promotion im Berliner Mehr! Entertainment Theater. Trotz der Verfilmung von 2012 kennt das deutsche Publikum diese sich selbst nicht ernst nehmende Compilation nicht, denn die deutschsprachige und österreichische Erstaufführung waren erst am 7. Juni bzw. 18. Juli 2018 in Ulm resp. Amstetten.

Damit möglichst zahlreich Rocksongs und Hymnen der späten 1980er Jahre anklingen können, ist der Komiker im Ensemble, Lonny Barnett, auch gleichzeitig – eine Art – Erzähler. Der macht sich nicht nur Musicals im Allgemeinen, sondern über sein eigenes auch lustig und verlangt nach einer Liebesgeschichte. Provinzunschuld Sherrie Christian landet im Rockschuppen, trifft den verkannten Rockpoeten Drew Boley, Missverständnisse führen zur Trennung, die die gute Fee bzw. Souldiva aus der Tabledancebar, Justice Charlier, doch noch aufklären hilft. Die Charaktere an sich wie den lasterhaften Rockstar Stacee Jaxx, der leicht überforderte Clubbesitzer Dennis Dupree mit der zunächst nicht zulassenden Liebe zu seinem Angestellten Lonny Barnett, der Finanzhai Hertz Kleinmann, der als Deutscher für Witze herhalten muss, sein heimlich schwuler Sohn Franz Kleinmann und die Klischeefrau namens Regina, die protestiert. Neun Solisten und acht im Ensemble plus kleiner Liveband mitten auf einem fahrbaren Podest im Einheitsbühnenbild.

Eine wirklich sehr gut gearbeitete Tourneeinszenierung von Nick Winston, die glaubhafte Charaktere mittels Liedern ihre Emotionen in den Saal transportieren. Kaum verwunderlich dann, dass am Schluss in den Gängen getanzt wird. So zielstrebig springt der Funke über. Der Sound eher laut, trotzdem noch ok, denn der Beat lässt die Herzen mitwippen. Das klare Lichtdesign ist sehr sehr gut, extrem abwechslungsreich und fast schon zaubernd für eine Tourneefassung. Das Einheitsgerüstbild mit akustischen wie auch dekorativen Tonboxen von Morgan Large lässt sich mit Versatzstücken zusätzlich immer wieder verwandeln. Die fetzigen Kostüme zeichnen gekonnt die Charaktere, die allesamt wirklich ausgezeichnet sind. Ein absolut Energie geladenes Ensemble – ohne Kompromisse und mit viel Rock und Rhythmus. Das alles zusammen ist begeisternd.

Wichtig wäre jetzt, dass diese zahlreichen Anfänge in letzter Zeit mit Gastspielen von (britischen) Tourneemusicals von den Produzenten als lukrativ eingeschätzt werden. Denn eigenständige Neuinszenierungen oder Neuproduktionen dauern viel zu lange momentan. Da verpassen wir in Deutschland momentan eine Menge an sehr guten Musicals und Produktionen. So können die eh schon existierenden Tourneen eine wichtige Lücke schließen. Vor allem, jetzt wo Mehr! Entertainment zur britischen Ambassador Theatre Group gehört.

Ich fühlte mich sehr gut unterhalten, durchaus intelligent, sehr musikalisch und emotional, oft pointiert, großes Entertainment.

Rock oder Horror oder beides

Langweilig und nervend sind vor allem die unqualifizierten „Boring“-Zwischenrufe aus dem Publikum bei der Gastspielpremiere der „The Rocky Horror Show“. Erschütternd und ernüchternd, wenn das Publikum den interaktiven Teil dieser Aufführung nicht kennt, kein Interesse an Vorbereitung zeigte, aber unbedingt etwas beitragen will. Zwar gibt es für 10 Euro eine Umhängetasche mit Mitmachartikeln und Anleitung zu kaufen, doch inzwischen fehlen die Nahrungsmittel (Reis, Mehl, Toast) komplett und sind gerade mal mit Konfetti ersetzt. Rocky wird inzwischen auf per Video erzeugt und muss danach nicht ausgewickelt werden, womit das Toilettenpapier und auch die Anspielung auf die alten Science Fiction Filme fehlt.  In Dortmund konnte man wenigstens mit als Toast bedruckte Bierdeckel werfen … Vielleicht braucht es inzwischen szenische Anleitung für ein Publikum, dass wegen des Kults um die Aufführung ahnungslos dorthin geht. Den Erzähler als Motivator gibt es an Stadttheatern durchaus schon mal so zu erleben.

Leider war „The Rocky Horror Show“ noch nie ein gutes Musical. Die Geschichte simpel mit ein paar Wendungen. Die Charaktere klar abgegrenzt und warum die Außerirdischen nun auf der Erde sind und am Ende nach Transsexuell zurück fliegen – wen interessiert das wirklich. Es ist halt so. Die rockigen Lieder rocken und stehen für sich. Zum Leben erweckt wird diese Improrevue durch die Darsteller.

Sky Du Mont ist inzwischen ein erfahrener Erzähler, der die dämlichen Zwischenrufe gekonnt aushält, übergeht oder gewitzt kontert. Manchmal spielt er quasi in der Szene mit, meist aber dann doch nicht. Wöchentlich wird abgewechselt mit dem Deutschen / der Deutschen, die die englische Produktion dem heimischen Publikum nahe bringen soll.

Wo Gary Tushaw mich als Frank’n’Furter nicht wirklich beeindrucken konnte, obwohl er sehr wach und differenziert spielte, gefielen Sophie Isaacs als Janet, Felix Mosse als Brad, Ryan Goscinski als Rocky und Stuart Matthew Price als Riff Raff um so mehr.

Musical Supervisor und Musical Director Jeff Frohner sitzt mit seiner Band über dem Geschehen und gibt Sam Buntrocks überarbeiteter Inszenierung die richtige Stimmung.

Leider überträgt sich nicht die Begeisterung Einzelner auf das Publikum und es bleibt unklar, ob nur das Mitmachen (und Herrichten) wie im Kindertheater einen Hauptreiz für den Kartenkauf ausmacht. Das Musical an sich gibt kaum was her. Eigentlich sollten alle bei allen Liedern laut mitsingen. Aber vielleicht rückt dass dann die Veranstaltung zu nah an religös eingeübte Zusammentreffen.

Rocky Horror Show 20180124 Admiralspalast Berlin - Banner_

Tourneepremiere am 4. Oktober 2017 im Musical Dome Köln, BB-Promotion

Les Ballets Trockadero in Berlin

Stil, Spitze, Sprünge und noch viel mehr bietet die ganz und gar männliche Tanzcompagnie. Komplett Bartlos. Jeder der Tänzer hat ein Frauen- wie auch Männer-Pseudonym. Und neben der Technik und Musikalität wird neben gelebter Leichtigkeit und Ausstrahlung auch auf Spaß und Witz wert gelegt.

Les Ballets Trockadero de Monte Carlo gastiert mit einem dreiteiligen Ballettabend vom 9. bis 14. Januar 2018 im Admiralspalast Berlin

4 von 5 * für die Rent-Tournee

Das Admiralspalast-Studio unter dem Dach des Unterhaltungshinterhauses bietet zwar vielen Zuschauern Platz, aber ist atmosphärisch schwierig. Für mich steigen die Sitzreihen zu steil an, alle schauen nur von oben und viel zu schnell bin ich gefühlt weit weg. Dann noch nur zwei Zugänge links und rechts von vorne und damit quasi an der Spielfläche direkt vorbei. Dass hier noch keine zwei weiteren Zusatztreppen wegen der Fluchtwege von hinten vorgeschrieben sind, finde ich erstaunlich.

Ansonsten ist die Bühne eigentlich eine leere, schwarze, durchaus breite und nicht unbedingt tiefe Fläche mit Tanzboden. Die Gastproduktionen bringen alles mit was hingestellt und -gehangen werden muss. Mehr ist nicht da. Mehr ist auch nicht zu erwarten.

So bringt die am 9. November 2017 im Theater auf dem Hornwerk Nienburg gestartete Rent-Tournee ein schnell auf- und abbaubares Baugerüst mit zwei Ebenen mit, wo davor Lichtleisten nicht nur Beleuchten und Atmosphäre schaffen, sondern auch zu digitalen Ziffern werden. Viele Lichtstimmungen durchaus, die eher viel Abwechslung brachten als theatrale Dramatik. Die Nachteile von Gastspielen eben. Bessere Textverständlichkeit auch in den Ensemblesliedern ist schon gefordert, was nur in den Solinummern wunderbar klappte. Die wirklich rockige Band mit erstaunlich nur vier Musikern ist inmitten des Gerüsts platziert. Elf Musicaldarsteller spielen alle Rollen, da als Joanne angekündigte Nedime Ince krankheitsbedingt – laut Produzent – vor der Premiere absagen musste. Kurzfristig wurde die großartig in diese Rolle aufgerückte Denise Obedekah nicht im Ensemble mit jemand Neuem ersetzt.

Manuel Dengler als Angel – wunderbar meist ohne irgendeine Perücke sogar – und Benjamin Beckmann als Filmer Mark sind die spannendsten Motoren in dem flüssig inszenierten Jahresverlauf. Ansonsten ein starkes Ensemble mit erfahrenen Rollengestaltern, wo Martin Markert als Benny glänzen und Ruud van Overdijk souverän als Roger an der herrlich widersprüchlichen Mimi von Marina La Torraca verzweifeln kann. Anna Hofbauer – teilweise als das bekannte Fernsehgesicht im Vorfeld promotet – kann die Erwartungen in der Performance der Maureen leider nicht erfüllen, ist aber wie alle anderen eine starke Spielerin in den vielen Szenen der Gruppe.

Regie und Ensemble verhandeln und durchleben mit einfachen, klaren und starken Gefühle ihre Geschichten. Dabei nehmen sie den Zuschauer mit auf ihre Reise. Das Vertrauen auf das inzwischen zeitlose Stück zahlt sich aus.
Dass bei einem Eintagesgastspiel ich keine aufwändige Ausstattung erwarten kann, ist mir klar und stört mich nicht. Auch ist das Ensemble – und die Band – eigentlich viel zu klein, aber es funktioniert. Dass dabei das Gastspiel aber Preise für die Karten von ca. 80 bis 60 Euro – also eigentlich war das meiste nur PK 1 – aufrufen muss, war eine fatale Fehlentscheidung. Viele blieben fern und der Saal nur circa zu zwei Drittel gefüllt. Ist die von der Mehr! Entertainment geforderte Eintagesmiete einfach zu hoch? Die undurchsichtige Preisgestaltung einmal mehr ein Ärgernis. Immerhin bekommen die Zuschauer in Wolfsburg und Itzehoe zum Abschluss der Tournee in dieser Woche die gleiche Aufführung für ungefähr und weniger als die Hälfte des Berliner Preises (38,-/34,- Euro). Mehr Erfolg dort!

Rent
von Jonathan Larson, in der deutschen Fassung Wolfgang Adenberg

Premiere am 9. November 2017 im Theater auf dem Hornwerk Nienburg mit Hilbert Productions

Regie: Walter Sutcliffe | Musikalische Leitung: Roun Zieverink | Choreographie: Mario Mariano | Ausstattung: Dorota Karolczak

Roger Davis: Ruud van Overdijk | Mark Cohen: Benjamin Beckmann | Mimi Márquez: Marina La Torraca | Angel Dumott Schunard: Manuel Dengler | Tom Collins: Denis Edelmann | Maureen Johnson: Anna Hofbauer | Joanne Jefferson: Denise Obedekah | Benjamin Coffin III: Martin Markert | Ensemble und Cover: Gerrit Hericks, Vasilios Manis, Michaela Khom

3 von 5 für Che und Evita

Es hat definitiv seine magischen Momente. Dank des wunderbaren Musicals „Evita“ gibt es berührende Situationen in einer politischen Umgebung. Die internationale Tournee ist für 12 Wochen zu Gast im Phoenix Theatre London. Am 2. August war Premiere und Press Night und ich stellte fest, dass das Regieteam sich nicht verbeugt.
Meine 26. Inszenierung des Klassikers war leider erstaunlich humorlos inszeniert, dafür sehr effektiv mit schlauen Verweisen, wie dem Erdbeben. Doch die Doppelbödigkeit, die auch in der Instrumentierung zu finden ist, habe ich vermisst. Das ginge besser.

Das Ensemble insgesamt zu klein, um Aristokraten, Militär und Volk zu spielen. Emma Hatton als Eva ist auf den Punkt und erinnert an Ruthie Henshall. Der in Stuttgart lebende Italiener Gian Marco Schiaretti gibt den uniformierten Ché sehr präsent, aber Kopfbedeckung und Militärjacke verstecken eher seinen Charakter. Kevin Stephen-Jones gibt den charismatischen Perón, dessen schwarze Perücke durchaus ans Phantom erinnert.

Es musste nicht eine Neuerfindung sein, aber eben die Zwischentöne müssen die Regisseure Bob Thomson und Bill Kenwright schon sichtbar machen. Choreograph Bill Deamer hält alles flüssig am laufen und Ausstatter Matthew Wright bietet eine dreigeteilte Brücke, die einzeln nach vorne fahren kann für unterschiedliche Szenenräume. Praktisch und gut – eben alles.

Evita
28.07.2017 bis 14.10.2017 – 12 Wochen Tournee im West End, Premiere am 02.08.2017 im Phoenix Theatre London