39000er Marke

Meine Theaterdatenbank verzeichnet 39.000 Künstler am 15. August 2017.

Und plötzlich war es soweit. Der 39.000 Künstler war persönlich eingetragen – Dank der vielen Vorstellungen in London.
Alle zusammen gehen fast 110-tausende Relationen ein. 3501 Stücke, 4054 Fassungen, 6899 Produktionen, 7245 Aufführungen, 5443 gesehene Aufführungen, 1258 Backstage, 78234 Rollen, 14710 Medien und nun 39000 Personen.

Meine Theaterdatenbank verzeichnete 38.000 Künstler am 5. Mai 2017.

Theater Datenbank 39000 Personen 20170815 ohne Darsteller

39000 Personen in der Theaterdatenbank am 15. August 2017

3 von 5 für frech frisches Fußballmusical

“He Shoots! He Scores!” ist vielleicht nicht der große Wurf oder Fang, aber ein Treffer landet das Above The Stag Theatre in einem Vauxhall-Bahnbogen. Joe verlässt für einen guten Job seine Heimat und seinen Freund Charlie. In London spielt er in seiner Freizeit Fußball in einem schwulen Verein. Als sie voller Selbstvertrauen zu einem Turnier nach Spanien fliegen, werden allerlei Beziehungskonstellationen aufgeworfen. Doch im Wettkampf sind sie der einzige benannt schwule Club. Doch was für Gefühle haben die anderen Fußballer für sie? Wenn dann der Ex unerwartet zu einem anderen Team gehört? Wer mit wem? Acht zu weilen halbnackte Männer spielen mit den Erwartungen.

Frech und sehr effektiv werden wehmütige Solos mit Liebesduetten und motivierenden Ensembles gemixt. Manchmal will es sogar trotz einfachem Keyboard nach richtig großem Musical klingen. Dann begeistert die schnelle Show.

He Shoots! He Scores! 20170707 Above The Stag Theatre - Banner

He Shoots! He Scores!
Musik, Text: Jon Bradfield | Buch: Jon Bradfield & Martin Hooper

Premiere am 7. Juli 2017 im Above The Stag Theatre London, 5. Juli 2017 bis 6. August 2017, verlängert bis 20. August 2017

Regie: Robert McWhir | Musikalische Leitung: Simon David | Choreographie: Carole Todd | Ausstattung: David Shields | Produzent: Peter Bull | Lichtdesign: Jamie Platt
Joe: Jamie Barwood | Charlie: Richard Watkins | Tayzr: Duncan Burt | Pete: Harry Cooper-Millar | Frazer; Jase; Marcus: Joey Goodwin | Will: Danny Couto | Liam: Tom Mann | Matthias: Andrew Cannon

4 von 5 fürs Gastspiel Lady Day at Emerson’s Bar and Grill

Eine Produktion mit langer Geschichte: „Lady Day at Emerson’s Bar and Grill“ jetzt für ein paar Wochen im gemütlichen Wyndhams Theatre im West End. Es ist 1959 und auf der Bühne ist Emerson’s Bar aufgebaut mit Standmikrofon, 3er Band, 8 Tischen an denen 35 Zuschauer Platz nehmen. Quasi hautnaher seitlicher Blick auf 90 Minuten Zeitgeschichte. Leider ganz ohne Erinnerungsfotos. Vor der Bühne zunächst auch keine Sitzreihen. Dafür drei Reihen mit 17 Bartischen und dahinter dann die hellgrünen Klappsitze.

Die Musiker geben 15 Minuten ein einstimmendes Vorprogramm. Der Saal ist sehr gut verkauft.

Audra McDonald spielt nicht, sonders ist ihre Figur. Beeindruckend. Zwischen ihren Liedern erinnert sie sich an Episoden aus Billie Holidays Leben. Dabei trinkt sie Gin, wird immer betrunkener, verspricht sich, torkelt, stürzt und kramt kurz ihren Hund hervor. Einzig der Perückenansatz zeigt, dass dann doch eine Sängerin eine Rolle spielt. Der Pianist gibt etwas aushilfsweise Partner Jimmy Powers. Alles genau durchdacht und geplant von Sunset-Boulevard-Regisseur Lonny Price. Bis zur vom Zuschauer angebotenen und angezündeten Zigarette.

Doch ein Problem in der Bar wird nicht gelöst: Warum sollte ich einer betrunkenen Frau, die ihre Lebenslügen uns quasi direkt auftischt, viel glauben? Wo ich vor lauter Perfektion einfach nicht hinter die perfekt aufrecht gehaltenen Maske schauen kann?

Da ist Torsten Fischers „Blue Moon“ mit Sona McDonald mit all den Brüchen um einiges berührender.

Lady Day at Emerson’s Bar and Grill

Mit dem Tony ausgezeichnet in New York jetzt im Wyndhams Theatre London, 17. Juni bis 9. September 2017, Premiere am 27. Juni 2017

4 von 5 für tierisch überzeugender Wind in the Willows

Ganz ohne Vorkenntnisse des Kinderbuches „The Wind in the Willows“ und der Tiercharaktere entfalltet sich ein bezauberndes Musical für jung und junggeblieben. Die Waldtiere menscheln sehr und haben mehr menschliche Charaktereigenschaften als tierische. Sie bemerken, wie wichtig ein Miteinander ist, lernen mehr oder weniger dazu und bestehen Abenteuer, bei denen sie auch die Otter-Tochter von den Wieseln befreien.

Die Mary-Poppins-Macher erzählen das sehr gekonnt und bieten unterschiedliche Nummern. Im Einheitsbühnenbild gibt es eine kleine Drehscheibe in der Mitte, die das Palladium London von sich aus besitzt. Dazu große Elemente von den Seiten (auch gewendet genutzt) und viel von oben inklusive Sternenhimmel.

Innovativ ist das ganze nicht unbedingt, aber sehr unterhaltend erzählt. Aber vor allem ist die Besetzung der Charaktere interessant und empfiehlt sich fürs Stadttheater: junge und ältere Solisten, Chor und Ballett möglich. Ob nun die Komische Oper, die Staatsoperette oder das Gärtnerplatztheater die deutschsprachige Erstaufführung ergattert? Zwar ist das Kinderbuch “Der Wind in den Weiden” im Deutschen eher unbekannt, aber ohne Vorkenntnisse der Geschichten oder Charakter erzählten sich die Tierabenteuer.

Ob im Originalbuch vielschichtiger erzählt wird und ob die Tiere dort auch etwas dazu lernen?

1 von 5 für Bad Bat

Einen Stern gibt es für die professionelle Umsetzung von „Bat Out of Hell“ im Coliseum London. Ansonsten hat mich die Musicalcompilation mit den alten Meat-Loaf-Liedern von Jim Steinman und einem wirklich schlechten Buch über den eigenen Rocker in sich finden in einer Diktatur nicht einen einzigen Moment berührt.

Bei den drei Liedern, die auch in „Tanz der Vampire“ mit anderem Text dabei sind, wird es wehmütig. Ansonsten erinnert das ganze Nichts eher vielleicht an die 1970er Jahre und „Die Rocky Horror Show“. Immerhin waren die Lieder noch vor der Plattenveröffentlichung für ein „Neverland“-Musical vorgesehen …

Die Rebellen links und der Firmentower rechts – mit Terrasseneingang für ungebetene Gäste. Alle Unstimmigkeiten aufzuzählen ist sinnlos verschenkt. Ist der live filmende Kameramann heutzutage schon so out, dass er wieder in sein muss? Lächerlich!
Jedenfalls müssen die 18 Ensembletänzer mächtig hüpfen und irgendwas tanzen, was sie auch perfekt synchron können. Doch aus welchem Jahrzehnt stammt der Stil? Sechs Solisten – der in den Helden verliebte beste Freund muss natürlich aufopferungsvoll sterben – unterstützen die vier Hauptdarsteller. Rebell verliebt sich in Tochter aus anderem Hause, was Mutter dann doch unterstützt und Vater brutal verhindern möchte. Die Eltern haben vom Buch die spannenderen Charaktere bekommen und Rob Fowler kann als Boss Falco auch richtig zeigen, was in ihm steckt. Seine Taufe zum Rocker am Schluss mit komplett im Wasser untertauchen und umgezogen auftauchen, ist schon ein spektakulärer Gag.

Technisch im Einheitsbühnenbild gibt es wirklich große Ideen. Wobei das Auto in den Orchestergraben schubsen und Musiker werfen verbeulte Instrumente nach oben, jetzt nicht ein starker Moment war. Aber als das Motorrad explodiert und Teile davon in die Luft fliegen und dann dabei sich zu einem Herz formieren, ist starkes Theater. Natürlich waren die Drähte zu sehen, aber es war echt überraschend. Und am Schluss fliegen doch noch ein paar Fledermäuse! Nicht an einer Leine entlang, sondern ganz alleine zu einer Loge im Zuschauerraum. Wo ein Signal sie gelockt hat … Das könnte doch ab jetzt auch in „Tanz der Vampire“ gemacht werden.

Selten habe ich im Coliseum den dritten Rang gesperrt gesehen. Oder sind die Preise so hoch, dass zu wenig kommen? Jedenfalls gibt es Dayseats (Montag bis Donnerstag) und eine Menge Angebote. Ich kann aber einen Besuch nicht empfehlen. 

Bat Out of Hell
Lieder & Buch: Jim Steinman

Premiere am 20. Juni 2017, Spielzeit 5. Juni – 22. August 2017 im Coliseum London

Regie: Jay Scheib | Choreographie: Emma Portner | Arrangements / Musical Supervision: Michael Reed | Musical Director: Robert Emery | Bühnenbild: Jon Bausor | Kostüme: Meentje Nielsen | Video Design: Finn Ross | Sound Design: Gareth Owen
Strat: Andrew Polec | Raven: Christina Bennington | Falco: Rob Fowler | Sloane: Sharon Sexton | Tink: Aran MacRae | Zahara: Danielle Steers | Jagwire: Dom Hartley-Harris | Ledoux: Giovanni Spano | Blade: Patrick Sullivan | Ensemble: Jemma Alexander | Emily Benjamin | Stuart Boother | Georgia Carling | Natalie Chua | Jonathan Cordin | Amy Di Bartolomeo | Jordan Lee Davies | Olly Dobson | Hannah Ducharme | Phoebe Hart | Rosalind James | Michael Naylor | Eve Norris | Tim Oxbrow | Andrew Patrick-Walker | Benjamin Purkiss | Anthony Selwyn | Courtney Stapleton | Ruben Van Keer

5 von 5 für speziellen Hired Man

Wieder eine Produktion, die ich sofort nach Berlin holen und mit 15 Musicaldarstellern neu besetzen würde: „The Hired Man“ im Union Theatre Southwalk. Das besondere (für London) ist, dass die Darsteller zu Keyboard, Violine und Cello komplett ohne Verstärkung singen. Die Choreographien mit den Kostümen sind wieder das Geheimnis. Dazu die klar erzählte Geschichte um eine Dreieicksgeschichte, wo die Frau des angeheuerten Arbeiters vom Sohn des Besitzers begehrt wird. Doch wer kann dem groß gewachsenen Tenor widerstehen? Dazu noch das neue Jahrtausend mit Weltkrieg und Bergbauunglück.

Eine Bretterwand im Hintergrund, aufgeklebte Fußbodenpanele und ansonsten nur Stühle, Tische und Kisten plus viele Lichtstimmungen mit modernen Geräten. So einfach und bewegend kann Musical sein – auf den Punkt genau!

Wunderbar, auch wenn eben die Geschichte eher gerade erzählt wird, musikalisch zu sparsam instrumentiert und der Hauptdarsteller nicht wirklich mitreißt – dafür eben das Ensemble im Gesamten.


„The Hired Man“
Komposition & Gesangstexte: Howard Goodall, Buch: Melvyn Bragg

Union Theatre Southwalk, 19. Juli – 12. August 2017, Premiere am 21. Juli 2017

5 von 5 für Adrian Mole & Company

Wenn die Neuköllner Oper in Berlin zwar auf Kooperationen setzt und sich in Regisseurtheater verwirklicht, muss ich eben woanders hingehen. Beispielsweise in die absolut vergleichbare Menier Chocolate Factory in London, von denen ich einiges gesehen habe und die ihren Raum auch immer neu erfinden. Und mit der Romanadaption „The Secret Diary of Adrian Mole Aged 13¾“ hat das Kreativteam mit den sechs Musicaldarstellern und vier Kindern (dreifach besetzt) plus versteckter Liveband wieder ganz großes geschaffen.

Adrian Mole führt den Zuschauer durch sein 13. Lebensjahr von Januar bis Weihnachten. Er analysiert seine Situation, die seiner Eltern und Freunde. Das macht aller größte Freude, ist doch auch für mich Gay Soper als Grandma mit dabei.
Da alle auch Ensemblerollen übernehmen, spielen die Erwachsenen auch Mitschüler in Schuluniform. Irgendwie manchmal eben an „Elternabend“ der Neuköllner Oper erinnernd.

Bewegliche Zimmerwände und einige Türen schaffen extrem schnelle Verwandlungen mit den Darstellern. Dazu noch die Bühne im Sinne eines Schülers gestaltet – inklusive Lineale und Tintenkleckse. Plus Dekorationen, die den Zuschauer in das Jahr 1981 mitnehmen.

Alle vom feinsten. Und die Preise mit GBP 45,-/49,50 recht hoch. Obwohl die West End Produzenten momentan gerne Shows mit Kindern produzieren, ist eine Übernahme ins große Theater – leider – noch nicht verkündet.

„The Secret Diary of Adrian Mole Aged 13¾“
von Pippa Cleary (Musik & Text) und Jake Brunger (Buch / Text) nach dem Roman von Sue Townsend

Menier Chocolate Factory London, Premiere am 26. Juli 2017, Spielzeit vom 14. Juli 2017 bis 9. September 2017

Regie: Luke Sheppard | Musikalische Leitung: Alex Parker | Choreographie: Rebecca Howell | Ausstattung: Tom Rogers | Licht Design: Howard Hudson | Sound Design: Greg Clarke | Orchestrierungen: Paul Herbert
Adrian: Benjamin Lewis / Ilan Galkoff / Samuel Menhinick | Pauline Mole: Kelly Price | George Mole: Dean Chisnall | Mr Lucas; Mr Scruton: John Hopkins | Pandora: Asha Banks / Georgia Pemberton / Lara Wollington | Nigel: Amir Wilson / Edward Hooper / Max Robson | Barry: Jason Rennie / Callum Mcdonald / Connor Davies | Doreen Slater; Miss Elf: Lara Denning | Grandma Mole: Gay Soper | Bert Baxter: Barry James | Male Cover: Mathew Craig | Female Cover: Claire Greenway

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„The Secret Diary of Adrian Mole Aged 13¾“ in der Menier Chocolate Factory London