Wieder(ge)holt liebevoll

Die Münchener hatten bis zum 9. Januar 2011 234 Vorstellungen „My Fair Lady“ am Gärtnerplatz wahrlich genießen dürfen. Am Faschingsdienstag kam die Neuauflage von Intendant Josef E. Köpplinger am 2017 wieder eröffneten Theater heraus. Wie die betagte Sitznachbarin treffend bemerkte: „Sehr nett gemacht“. Professionell, fließend, zügige Dialoge, die Geschichte erzählend und in ihrer Zeit gelassen. Eine großartige Spielwiese für glänzen könnende Sängerdarsteller, aber für mich definitiv nichts Herausragendes. Solides Stadttheater, was es woanders auch gibt, aber worauf sich heutzutage niemand mehr verlassen kann. Das ist auch kein Wunder, ist diese Produktion eine Übernahme von Köpplingers ehemaligem Klagenfurter Haus von der Saison 2011/12, wo sogar einige Darsteller ihre Rollen wiederholen. Irgendwie habe ich einen Verweis darauf beim Theater selbst nicht gefunden und überlesen.

Auch wenn Nadine Zeintl als erfahrene Eliza (Klagenfurt, Mörbisch) beständig mit viel Energie die Aufführung antreibt, gewinnt sie meine Aufmerksamkeit eher punktuell und glänzt im Ascot-Dialog und bei „Ohne dich“. Michael Dangl begeistert mich als Higgins von Beginn an mit seiner spielerischen Ausgestaltung, wenn auch ihm (selbst-) ironische Momente gekürzt wurden. Leider sind seine Pantoffel nur Thema, wenn er davon spricht. Dagmar Hellbergs Momente als Mrs. Pearce hingegen möchte ich keinesfalls missen, denn was sie bietet, ist nicht mehr zu überbieten. Volksopernintendant Robert Meyer weiß genau, wie die Szenen als Doolittle funktionieren, und Gisela Ehrensperger setzt als Mama Higgins Akzente. Sie war wie auch die ebenfalls besetzte Cornelia – Conny – Froboess schon in der Vorgängerproduktion zu sehen. Friedrich von Thun und Liviu Holender sind präzise Bühnenpartner als Pickering und Freddy.

Großen Spaß hatte auch ich, dass im bayrischen Dialekt teilweise gesprochen wurde. Das Freie Landestheater Bayern zeigt seit 2009 eine eigene Mundartfassung – auch aktuell noch. Doch erstaunt war ich über die vielen Textänderungen, die nicht unbedingt immer damit oder resultierenden Reimanpassungen begründet waren. Hauseigenes Ballett kam auch zum Einsatz, obwohl die zehn (!) Bediensteten bei Higgings sich aus Musicaldarstellern zusammen setzten. Sie kamen noch bei weiteren Aufgaben zum Einsatz und brachten kleine Konfusionen, da Harry und Jamie offensichtlich Obsthändler sind, die dann wohl nicht mit Doolittle in der Kneipe gefeiert haben können. Und so gibt es ständig für mich Irritationen im Ablauf, dass der Wirt des Pubs an der Tottenham Court Road dann nach Covent Garden gewechselt zu sein scheint. Ob nun Eliza und Henry im Haus auf der gegenüberliegenden Seite ihre Zimmer haben, oder eben doch nicht, war ebenso verwirrend.

Wunderschöne Kostüme, die mir persönlich sehr bekannt zu sein schienen, auch wenn ich die Klagenfurter Produktion nur von den Bildern her kenne. Higgins großes Studio auf der Drehscheibe musste dann doch per Hand weggeschoben werden, damit für die Covent-Garden-Rückwand Platz ist. Eine Straßenlaterne wird spendiert, die dann mächtig wackelt, wenn sie betanzt wird. Das sieht eher so aus, als wenn diese Klagenfurter Produktion für München nicht grundlegend aufpoliert wurde und noch an einem nächsten Theater gezeigt werden soll, was ja grundsätzlich nicht schlecht ist. Doch den Zauber in Köpplingers Konzeptionen habe ich dann doch vermisst.

Viele kleine Spielideen gibt es zu entdecken, doch warum der Regisseur oft genug in die belebte Szene nur die handelnden Personen stellt, ist mir rätselhaft. Plötzlich sind fast alle immer weg, die Obsthändler mit Eliza alleine, die Marktleute bauen sich eher woanders auf, Freddy bekommt Besuch nur von einem Blumenmädchen und dem Constabler. Immerhin reicht der dem Wartenden dann eine Tasse Tee. Etwas wehmütig denke ich da an die Vorgängerinszenierung von August Everding, der gerade die Szenen motivierte und belebte.

Und dann streicht dieses große Münchner Theater den Botschaftsball komplett, da ja das, was dort geschieht, nachher in Higgins‘ Haus berichtet wird. Dafür gibt es schlafend wartende Diener und eine schlecht sichtbare Uhrprojektion. Immerhin sind Higgins Angestellte danach so aus dem Häuschen, dass sie Higgins samt Ledersofa in die Höhe heben und drehen. Das jedoch Eliza nur über ihre Situation heulen kann, ist mir auch wieder zu wenig.

Am Ende kommt Eliza zurück. Ihr Weg führt nach oben und Henry blickt kniend ihr nach. Egal, was aus diesem Paar wird, die Zuschauer sind zu Recht begeistert und für Darsteller ist diese Produktion eine wunderbare Spielwiese.

My Fair Lady
Nach Bernard Shaws »Pygmalion« und dem Film von Gabriel Pascal | Buch und Liedtexte von Alan Jay Lerner | Musik von Frederick Loewe | Deutsch von Robert Gilbert | Münchner Textfassung von Josef E. Köpplinger, ins Bayerische übertragen von Stefan Bischoff

Premiere am 13. Feburar 2018 am Staatstheater am Gärtnerplatz München

Regie: Josef E. Köpplinger | Musikalische Leitung: Andreas Kowalewitz | Choreografie: Karl Alfred Schreiner | Bühne: Rainer Sinell | Kostüme: Marie-Luise Walek | Licht: Michael Heidinger & Josef E. Köpplinger | Video: Meike Ebert | Choreinstudierung: Felix Meybier | Dramaturgie: Michael Alexander Rinz

Eliza Doolittle: Nadine Zeintl | Professor Henry Higgins: Michael Dangl | Oberst Pickering: Friedrich von Thun | Alfred P. Doolittle: Robert Meyer | Freddy Eynsford-Hill: Maximilian Mayer / Liviu Holender / Alexandros Tsilogiannis | Mrs. Higgins: Cornelia Froboess / Gisela Ehrensperger | Mrs. Pearce: Dagmar Hellberg / Gisela Ehrensperger | Harry u.a.: Stefan Bischoff | Jamie u.a.: Christian Schleinzer | Mrs. Eynsford Hill: Ulrike Dostal | Lord Boxington / Cockney u.a.: Frank Berg | Lady Boxington: Frances Lucey | Cockney / Butler u.a.: Patrick A. Stamme | Stubenmädchen: Jasmin Eberl, Susanne Seimel, Katharina Wollmann | Nachbarin u.a.: Florine Schnitzel | Nachbar / Chauffeur / Polizist u.a.: Maximilian Berling | Wirt u.a.: Martin Emmerling / Christian Weindl | in weiteren Rollen: Alexander Bambach, Rudolf Haslauer, Thomas Hohenberger, Corinna Klimek, Stefan Thomas, Marcus Wandl, Christian Weindl, Florian Wolf | Chor, Ballett und Statisterie des Staatstheaters am Gärtnerplatz | Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz

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es war am 4. Februar

Am 4. Februar 1943 wurde „Der gute Mensch von Sezuan“ uraufgeführt im Schauspielhaus Zürich und hat damit 2018 sein 75. Jubiläum. Zur Musik von Paul Dessau steuerte Bertolt Brecht das Buch bei, dessen Ehrentag am 10. Februar zum 120. Mal begangen wird.

Geboren ist am 4. Februar vor 58 Jahren Musicalkomponist und -autor Jonathan Larson in New York, der selbst keine 36 Jahre alt wurde (04.02.1960 – 25.01.1996)

Eine wirklich beeindruckende Inszenierung – quasi 140 atemlose Minuten – von „Der gute Mensch von Sezuan“ gibt es mit Studenten der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« Berlin im Studio der Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin-Charlottenburg. Die Schauspielstudenten machen dabei selbst Musik. Die Bilder der Inszenierung bei mir in der Fotogalerie.

Ausblick auf den Februar 2018

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Fast unendlich viele Stunden des Zusammenstellens & genauer Recherche ergeben:

Zwar wird „Die Dreigroschenoper“ erst im August 90, aber zum 10. Februar 2018 wird Berthold Eugen Friedrich Brechts 120. Ehrentag gefeiert. U.a. mit fünf Premieren der Dreigroschenoper. Weitere Werke von ihm dann im Schauspiel. Auch beim Kurt Weill Fest, dass vom 23. Februar bis 11. März 2018 erneut in Dessau gefeiert wird.

Die Staatsoperette Dresden spielt nach dem schlimmen Wasserschaden wieder und zeigt u.a. die um eine Woche verschobene Premiere der „Frau Luna“. Die Uraufführung „Zzaun“ wird im März dann nachgeholt. Am 25. Februar 2018 feiert dort mit einem Konzert „Oh-Töne“ sein 10 jähriges Jubiläum.
4000. Mal Heiße Ecke im Schmidts Tivoli heißt es am Samstag, 3. Februar 2018. „Happy Birthday, Lenny“ ist ab 15. Februar eine neue Hommage an Leonard Bernstein in München – der 100. Ehrentag dieses Jahr dann im August.

Die Uraufführungen wie „Matterhorn“ und „Wahnsinn!“ oder die Übernahmen der Großproduktionen interessieren mich bei weitem nicht so stark wie die deutschsprachigen Erstaufführungen „Lazarus„, „Betty Blue Eyes“ und „John & Jen„. Ansonsten gibt es eine bunte Auswahl – auch bei den Operetten. Wieder steuern die Amateure viel Vielfalt bei. Beachtenswert!

Am Sonntag, 18. Februar 2018, bekommen die Gewinner des Deutschen Kleinkunstpreises 2018 in Mainz ihre Auszeichnungen.
Im Kino starten die großartige Amerika-Affäre DIE VERLEGERIN (22.2.) und Der seidene Faden (1.2.).

Leider kann ich persönlich nur ganz wenig sehen.
Einige Inszenierungen von Operetten und Musicals fehlen noch? Bitte anmerken.

Von meinen 49 Musical-Premieren hat die musicalzentrale 32 auch gelistet, die Zeitschrift musicals steuerte noch eine bei und hat für Februar insgesamt NUR 28 abgedruckt. Eine weitere Zeitschrift schlage ich nicht mal mehr auf (ist ja immer noch nicht die Januar-Ausgabe im Handel).

meine Premieren und Wiederaufnahmen von Operetten, Musicals (49 Premieren) und Revuen vermischt im Februar 2018:
Grimm! – Die wirklich wahre Geschichte von Rotkäppchen und ihrem Wolf (Erfurt 1.2.), Der Dieb von Bagdad (Dessau, STUMMFILM mit Live-Musik, 2.2.), Frau Luna (Dresden, statt 27.1. jetzt am 3.2.), Frau Luna (Bremerhaven 3.2.), DSE Lazarus (Düsseldorf 3.2.), Der Graf von Luxemburg (Passau 3.2.), The Black Rider (Regensburg 3.2.), Monty Python’s Spamalot (Krefeld 3.2.), Dance Me to the End of Love – Ein Abend für Genießer, Melancholiker, Liebende (Fürth 3.2.), Fährt der alte Lord, mit der Made fort (Altenburg 3.2.), Die Dreigroschenoper (Basel 8.2.), Cabaret (Görlitz 9.2.), The Black Rider (Lüneburg 9.2.), Der Vetter aus Dingsda (Gelsenkirchen 9.2.), Das weiße Album – Ein Live-Konzert nach dem Album der Beatles (Münster 9.2.), UA Das Wunder vom Kudamm (Berlin 10.2.), Eine Nacht in Venedig (Magdeburg 10.2.), Get Back (Aalen 10.2.), Charleys Tante (Köln 10.2.), WA Hexen (Neubrandenburg 10.2.), WA FALCO – Das Musical (Landshut 10.2.), Cabaret (Annaberg-Buchholz 11.2.), My Fair Lady (München 13.2.), Der Frauenversteher (Wien 14.2.), Die letzten 5 Jahre (Köln 14.2.), And the Stars Look Very Different Today (Braunschweig 14.2.), WA Gabi Mut – vom Leben geschlagert (Hamburg 14.2.), Happy Birthday, Lenny (München 15.2.), Jekyll & Hyde (Schwerin 16.2.), Berlin to Broadway with Kurt Weill – A Musical Voyage (Stuttgart 16.2.), Die drei Leben der Rosa (Hamburg 16.2.), Die Schneekönigin (Berlin 16.2.), UA Matterhorn (St. Gallen 17.2.), Der Opernball (Wien 17.2.), Blues Brothers (Bremerhaven 17.2.), Die Dreigroschenoper (Neustrelitz 17.2.), Tanz der Vampire (Köln 17.2.), Ein Käfig voller Narren (Baden 17.2.), Der kleine Horrorladen (Hof 17.2.), WA Von Babelsberg nach Hollywood (Hagen 17.2.), Preisverleihung Deutscher Kleinkunstpreis 2018 (Mainz 18.2.), UA Die große Liebe war es nicht – Die Ruth-Brandin-Story (Altenburg 18.2.), Der Glöckner von Notre Dame (Stuttgart 18.2.), Die Dreigroschenoper (Halle 18.2.), Die Dreigroschenoper (Basel 18.2.), Hair – Das Musical (Waldfischbach-Burgalben 20.2.), WA Luna – das Musical (Perchtoldsdorf 20.2.), Das Orangenmädchen (Giessen 22.2.), DSE John & Jen (Bielefeld 23.2.), Kurt Weill Fest 23.2.-11.3.2018 mit Die Dreigroschenoper (Dessau 23.2.), Der fliegende Holländer – Das Musical konzertant (Köln 23.2.), Shrek (Leverkusen 23.2.), Footloose (Lahr 23.2.), Turn your Radio on! (Berlin 23.2.), Heiße Ecke – Das St. Pauli Musical (Steinfurt 23.2.), DSE Betty Blue Eyes (Linz 24.2.), High Society (Coburg 24.2.), All Shook Up! (Zeitz 24.2.), Im Weißen Rössl (Wiesbaden 24.2.), 50 Jahre 68 (Marburg 24.2.), Konzert 10 Jahre Oh-Töne (Dresden 25.2.), UA Wahnsinn! (Duisburg 25.2.), Mary Poppins (Hamburg 25.2.), WA Sonnenallee (Cottbus 28.2.)

80 Einblicke bei Doktor Schiwago

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Hier 80 Fotos der deutschsprachigen Erstaufführung „Doktor Schiwago“ am 27. Januar 2018 in der Musikalischen Komödie Leipzig. Die Inszenierung liegt in den erfolgsversprechenden Händen von Muko-Chefregisseur Cusch Jung. Musikalische Leitung: Christoph-Johannes Eichhorn, Choreographie: Mirko Mahr, Ausstattung: Karin Fritz. Mit Jan Ammann, Lisa Habermann, Hanna Mall, Björn Christian Kuhn, Patrick Rohbeck, Sabine Töpfer, Milko Milev, Michael Raschle u.v.a.

Doktor Schiwago
Musical in zwei Akten | Buch von Michael Weller | Musik von Lucy Simon | Gesangstexte von Michael Korie und Amy Powers | Nach dem Roman von Boris Pasternak | Deutsch von Sabine Ruflair (Gesangstexte) und Jürgen Hartmann (Buch)

Deutschsprachige Erstaufführung am 27. Januar 2018 in der Musikalischen Komödie Leipzig

Inszenierung Cusch Jung | Musikalische Leitung: Christoph-Johannes Eichhorn | Choreografie Mirko Mahr | Ausstattung: Karin Fritz | Choreinstudierung Mathias Drechsler | Regieassistenz: Anna Evans

Juri Schiwago: Jan Ammann | Larissa Guichard (Lara): Lisa Habermann | Viktor Komarovskij: Patrick Rohbeck | Pavel Antipov (Pascha): Björn Christian Kuhn | Antonia Gromeko: Hanna Mall | Anna Gromeko: Sabine Töpfer | Gints / Markel: Milko Milev | Alexander Gromeko: Michael Raschle | Janko: Stephen Budd

Rock oder Horror oder beides

Langweilig und nervend sind vor allem die unqualifizierten „Boring“-Zwischenrufe aus dem Publikum bei der Gastspielpremiere der „The Rocky Horror Show“. Erschütternd und ernüchternd, wenn das Publikum den interaktiven Teil dieser Aufführung nicht kennt, kein Interesse an Vorbereitung zeigte, aber unbedingt etwas beitragen will. Zwar gibt es für 10 Euro eine Umhängetasche mit Mitmachartikeln und Anleitung zu kaufen, doch inzwischen fehlen die Nahrungsmittel (Reis, Mehl, Toast) komplett und sind gerade mal mit Konfetti ersetzt. Rocky wird inzwischen auf per Video erzeugt und muss danach nicht ausgewickelt werden, womit das Toilettenpapier und auch die Anspielung auf die alten Science Fiction Filme fehlt.  In Dortmund konnte man wenigstens mit als Toast bedruckte Bierdeckel werfen … Vielleicht braucht es inzwischen szenische Anleitung für ein Publikum, dass wegen des Kults um die Aufführung ahnungslos dorthin geht. Den Erzähler als Motivator gibt es an Stadttheatern durchaus schon mal so zu erleben.

Leider war „The Rocky Horror Show“ noch nie ein gutes Musical. Die Geschichte simpel mit ein paar Wendungen. Die Charaktere klar abgegrenzt und warum die Außerirdischen nun auf der Erde sind und am Ende nach Transsexuell zurück fliegen – wen interessiert das wirklich. Es ist halt so. Die rockigen Lieder rocken und stehen für sich. Zum Leben erweckt wird diese Improrevue durch die Darsteller.

Sky Du Mont ist inzwischen ein erfahrener Erzähler, der die dämlichen Zwischenrufe gekonnt aushält, übergeht oder gewitzt kontert. Manchmal spielt er quasi in der Szene mit, meist aber dann doch nicht. Wöchentlich wird abgewechselt mit dem Deutschen / der Deutschen, die die englische Produktion dem heimischen Publikum nahe bringen soll.

Wo Gary Tushaw mich als Frank’n’Furter nicht wirklich beeindrucken konnte, obwohl er sehr wach und differenziert spielte, gefielen Sophie Isaacs als Janet, Felix Mosse als Brad, Ryan Goscinski als Rocky und Stuart Matthew Price als Riff Raff um so mehr.

Musical Supervisor und Musical Director Jeff Frohner sitzt mit seiner Band über dem Geschehen und gibt Sam Buntrocks überarbeiteter Inszenierung die richtige Stimmung.

Leider überträgt sich nicht die Begeisterung Einzelner auf das Publikum und es bleibt unklar, ob nur das Mitmachen (und Herrichten) wie im Kindertheater einen Hauptreiz für den Kartenkauf ausmacht. Das Musical an sich gibt kaum was her. Eigentlich sollten alle bei allen Liedern laut mitsingen. Aber vielleicht rückt dass dann die Veranstaltung zu nah an religös eingeübte Zusammentreffen.

Rocky Horror Show 20180124 Admiralspalast Berlin - Banner_

Tourneepremiere am 4. Oktober 2017 im Musical Dome Köln, BB-Promotion

Fack se Fakten

Deutschland bekommt ein ganz neues Musical und im Bahnhof sehe ich die „Tarzan“-Werbung für Hamburg. Nicht für „Fack ju Göthe – Se Mjusicäl“. Und erschreckenderweise eben nichts in München. Ich könnte mir das gar nicht vorstellen. Sind aber die Fakten, die ich am Donnerstag vor der sonntäglichen Uraufführung selbst gesehen habe.

Dazu kommt noch ein zwar nicht schlecht an das Münchner S-Bahn-Netz und den Regionalverkehr mittels Ostbahnhof angeschlossenes komplett neuer Theaterraum. Der Weg dahin noch komplett unausgeschildert, obwohl die Voraufführungen schon laufen. Und täglich mehr als 800 Menschen – so viele fast das umgebaute Kartoffellager auf dem ehemaligen Werksgelände – sollen den Weg schon finden.

Gezielte Werbung gab es, wie mir berichtet wurde. Aber mich muss das ja nicht erreichen …

Fack ju Göthe – Se Mjusicäl
von Nikolas Rebscher, Kevin Schroeder und Simon Triebel

Uraufführung der Stage Entertainment am 21. Januar 2018 im Werk 7 im Werksviertel München

Blond zum Brunch

Das Wuppertaler Theater in Cronenberg hat in seiner Extraspielstätte TiC-Atelier eine wirklich charmantes und emotionales „Natürlich blond“ (seit dem 14. Oktober 2017). 10 Darsteller teilweise in mehreren Rollen und mit stetiger Umbauverpflichtung plus guter Keyboardaufnahme aus der Konserve nehmen das Publikum mit in das pinke Leben der Woods Komma Elle. Auch ist die deutsche Fassung dabei wunderbar und sehr gelungen.

Elle und Paulette Buonufonté haben zwar keine Hunde, aber letzter kämpft erfolgreich um ihren Fisch (dem trotzdem eine Torte gebacken wurde). Das ganze Stück im variablen Raum mit schiebaren Rücksetzern und Sitzwürfeln. Regisseur Dustin Smailes hat zudem ein wunderbares – doppelt besetztes – Ensemble zur Verfügung, die mit viel Ehrlichkeit im Spiel punkten. Allen voran Annika Tahiri als erfolgreiche Elle.

Dies war auch meine erste Brunchvorstellung. Eine wunderbare Idee, die gerne kopiert werden sollte. Um 11 Uhr wird neben dem ausverkauften Saal (80 oder mehr Personen) in einem Extraraum ein rustikales Büffet eröffnet. Dazu Kaffee und Tee so viel man möchte, andere Getränke gehen extra. Um 12 Uhr beginnt dann die Vorstellung ganz normal und in der Pause ist auf dem Büffet sogar noch etwas zu finden. Wenn um 14.20 Uhr die Vorstellung zu Ende geht, haben die Zuschauer einen wunderbaren Familientag erlebt.

Interessant ist, dass fast alle mit dem Auto anreisen. Denn der Weg in den Stadtteil Unterkirchen im Wuppertaler Stadtbezirk Cronenberg muss man auch erst einmal kennen. In diesem Punkt ist die TiC-Homepage hilfreich, aber dass die grundsätzlichen Besetzungen immer noch nicht zu finden sind, unterstreicht eher den regionalen Charakter des Theaters in Cronenberg.

Natürlich blond
Premiere am 14. Oktober 2017 im TiC Atelier – Theater in Cronenberg Wuppertal

Regie: Dustin Smailes | Musikalische Leitung: Stefan Hüfner | Choreographie: Paul Kribbe | Ausstattung: Karsten Faber