Böses Erwachen

Looping 20160825 Kino - Plakat looping72

Looping ab 25.8.2016 im Kino

Drei Frauen kommen mit ihrem eigenen Leben nicht zurecht und lernen sich in einer Klinik kennen. Wenn man jetzt so cool sein könnte und einfach das Leben genießen würde. Sich nicht anpassen müsste.
Doch die Probleme mit sich selbst quälen den Zuschauer. Zustandsabfilmungen gefolgt von gefühlten, bedeutungsschwangeren Improvisationen Szene für Szene. Mich hat Leonie Krippendorff mit ihrem Abschlussfilm und Festivalgewinner nicht im geringsten erreicht.

Ferienlagen mit Anfassen in einer Zeitschleife? Alles nur ein sonniger Traum einer Pubertierenden als nicht enden wollender Looping? Verschwendete Zeit und nerviger Regisseurinnenfilm. Das kann selbst Jella Haase nicht herausreißen.

Looping 20160825 Kino - Titel

Looping
ein Film von Leonie Krippendorff

Kinostart: 25. August 2016, Deutschland 2016, 106 min
Verleih: Edition Salzgeber

mit Jella Haase, Lana Cooper, Marie-Lou Sellem u.a.

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1996 bis 2016 – 20 Jahre

Zwei unvergessene Theaterproduktionen sind die ersten, zu denen ich je eine Rezension auf einer A4 Seite der Musical-Gazette – Ausgabe 4 im August 1996 veröffentlicht habe. Diese Ausgabe erschien am 15. August 1996 und war das offizielle Magazin der Musicalfreunde Deutschland.

„Evita“ hatte am Opernhaus Chemnitz Premiere am 11. Mai 1996.

„Der König und Ich“ war im Repertoire der Staatsoperette Dresden seit dem 14. Juni 1996.

Seit August 1996 habe ich bis August 2016 mehr als 3700 Theatervorstellungen gesehen und über Hunderte – wenn nicht schon Tausend – von knappen oder ausführlichen Rezensionen veröffentlicht in Printmagazinen oder Online.

hinterblieben

Heutzutage bleibt immer weniger von der schnelllebigen Theatervorstellung übrig. Besetzungslisten werden nicht mehr verteilt, eventuell sind die Darsteller nirgends genannt. Das Publikum nimmt das wahr, steckt’s weg und beschwert sich kaum. Das wird nicht besser werden.

Wird es bleiben und hinterbleiben?
Wenn am 14. und 15. Oktober 2016 das Deutsches Musicalarchiv einlädt, geht es um die schon fast vergessene Nahe Vergangenheit: „30 Jahre Cats-Premiere in Hamburg – Das Musical und die kulturpolitische Debatte in den späten 1980er Jahren“ – eine Tagung des Zentrums für Populäre Kultur und Musik der Universität Freiburg und der Freunde und Förderer des Deutschen Musicalarchivs.

Aber meinen Cats-Ordner mit Programmheften, Artikeln, Fotos etc. werde ich wohl nicht mitnehmen, aber hoffentlich vorher einmal sichten. (Und in Berlin gab es ja VOR Hamburg im Circus Gruss, Berlin-Tiergarten, schon 1985 „Cats“ semiprofessionell!)

Und das Durchstöbern von Ansammlungen ganz unterschiedlicher Theaterzeugnisse birgt oft einige Überraschungen und weckt Erinnerungen. Das Gehirn wird mächtig gefordert. Doch Zeit für die Datenbank, die dies eigentlich verarbeiten sollte, bleibt kaum.

Jetzt gab es wieder einige Neuzugänge bei mir. Von einigen Produktionen oder Besetzungen wusste ich schon, manche sind eine kleine Überraschung. Alles aus dem Zeitalter vor dem Internet … (nicht alles abgebildet).

U.a. Operette von Ton Steine Scherben, Erstaufführung „Joseph…“ an der UdK Berlin

 

Statusmitteilung

Jetzt großes Finale „Hammerfrauen“ in Berlin – nur noch zwei Vorstellungen am Wochenende 13.+14. August 2016!

Die glorreichen 7 Darsteller sind auch am Ende der zweiten Spielzeit in den Wühlmäusen Berlin immer noch grandios. „Hammerfrauen“ trifft auf den Punkt. Das Publikum kommt und hört genau zu, was die Großstädter im Baumarkt erleben.

Für´s Verpassen gibt es keine Entschuldigung mehr! Jetzt großes Finale „Hammerfrauen“ in Berlin – nur noch zwei Vorstellungen am Wochenende 13.+14. August 2016.

Quelle: Holzhammer, Hochzeit und ein paar Hoffnungen: erste Bilder von „Hammerfrauen“ in Berlin

Kampf ums Wort miterleben

Ein lebensfroher, überschwänglicher und mit Worten ausschweifender Autor lernt 1929 endlichen einen Lektor kennen, der ihn fördern und drucken will. Doch dazu müssen nicht nur Absätze sondern auch Seiten entfallen. Zwischen Schriftsteller Thomas Wolfe (Jude Law) und Lektor Max Perkins (Colin Firth) entsteht über mehr als „tausend Seiten einer Freundschaft“. Intensiv, kämpferisch, produktiv und erfolgreich.

Jeder, der Theater mit geschliffenen Dialogen, feinem Spiel und detailgetreuer Ausstattung liebt, MUSS den Film „Genius – Die tausend Seiten einer Freundschaft“ sich ansehen. Nach einer wahren Geschichte werden von Theatermann Michael Grandage die Arten von Beziehungen Szene für Szene seziert. Das ist von Beginn an spannend und emotional einnehmend bis zum Ende. Für den Moment des Abschiedsbriefes hebt sich der Regisseur auch auf, dass Max Perkins neben einer emotionalen Regung sogar erstmals seinen Hut absetzt! Durchdacht von Anfang an.

Eigentlich kann Drehbuchautor John Logan sein Werk auch für die Theaterbühne adaptieren. Es sind nur wenige Personen: Die beiden Männer mit ihren unterschiedlichen Frauen, zwei weitere weltberühmte Autoren, die fünf Töchter Perkins´ und Nebendarsteller.
Im Film wird ganz auf das Miteinander und dessen Auswirkungen konzentriert, als die Weltpolitik der 1930er stark mitspielen zu lassen.

In fast monochromen Farben (Kamera: Ben Davis) etabliert sich eine Geschichte voller grandioser Bilder. Mal sehen, was Regisseur Michael Grandage nach seinem Debütspielfilm als nächstes mit dem Musical „Guys and Dolls“ auf der Kinoleinwand entfacht.

Genius – Die tausend Seiten einer Freundschaft

Kinostart am 11. August 2016, 104 Minuten

Regie: Michael Grandage | Drehbuch: John Logan | Kamera: Ben Davis | Musik: Karen Elliott | Musikkomposition: Adam Cork
mit Schriftsteller Thomas Wolfe: Jude Law | Lektor Max Perkins: Colin Firth | Kostümdesignerin Aline Bernstein: Nicole Kidman | Louise Perkins: Laura Linney | F. Scott Fitzgerald: Guy Pearce | Ernest Hemingway: Dominic West

abgedrehte Verblödung

Teenage Mutant Ninja Turtles 2 - Out of the Shadows 20160811 Kino - Poster

Ein Hoch auf Polizeistaat, innere Terrorabwehr und versteckt, im geheimen agierende Weltretter, von denen die Bevölkerung nichts erfahren sollte. Und natürlich auf Superhelden, die im geheimen aber gar nicht so glücklich sind. Denn vorzeigbare Menschen ernten die Anerkennung und Öffentlichkeit.

Doch die vier zu Kampfschildkröten mutierten Brüder (nur zusammen sind sie stark!) müssen eingreifen, da die New Yorker Polizei so unglaublich blöde ist, drei Strafgefangene gesichert in ein anderes Gefängnis zu überstellen. Kein Hubschrauber zur Sicherheit da – den haben die Bösen eben! Und Oberschurke Shredder macht gemeinsam mit Oberforscher Stockman die Strudeltür zu Eroberer Krang in einer anderen Dimension auf.
Zusammen mit Reporterin April O’Neil und den von seiner weiblichen Vorgesetzten in die Schranken gewiesene Polizist Casey Jones jagen Teenage Mutant Ninja Turtles dem Shredder nach, der drei Artefakte auf der Erde einsammelt, um sie als Dimensionsöffner zusammen zu bauen. Der hatte derweil seine mittransportieren Mitgefangenen angeheuert und mittels Zaubergift zu dem Tier mutieren lassen, was an Genen die Evolution noch in einem jeden drin gelassen hat: der eine ein Naßhorn und der andere in ein Warzenschwein. Jetzt mit Superkräften, aber dem Kleinhirn, was sie schon vorher hatten. Extrem viel Dummheit gepaart mit zeitlichen Kontinuitätsfehler von Organisation und Reisen (mit dem Panzer durchs unentdeckte Brasilien und schnell in den passenden Flieger zurück) reihen sich Szene an Szene.

Da ist das fiktionale minutenschnelle Zusammensetzen eines Kriegssterns über New York, wo keine Hubschrauber oder Flugzeuge eingreifen werden und es den schwergewichtigen Riesenschildkröten überlassen, eine angenehme Abwechslung und Computerspiel mäßige Ablenkung von einem ärgerlichen Film, der nur zur Verblödung der Zuschauer taugt:
Die eigenen Einsatzkräfte werden es schon richten und bloß nicht nachfragen. Das Mobilfunkgerät schnappen und die Action mitfilmen, statt eingreifen, wegrennen oder helfen.

Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows
Die sechste Verfilmung der Charaktere und eine Fortsetzung zum 2014er Film
Kinostart am 11. August 2016 in in 3D, RealD 3D, 4DX, IMAX 3D; 112 Minuten
Verleih: Paramount Pictures
Regie: Dave Green | Drehbuch: Josh Appelbaum und André Nemec | Filmmusik: Steve Jablonsky | Kamera: Lula Carvalho
mit Megan Fox, Will Arnett, Laura Linney, Stephen Amell, Noel Fisher, Jeremy Howard, Pete Ploszek, Alan Ritchson, Brian Tee, Gary Anthony Williams, Sheamus, Tyler Perry u.a.

gekrönter Flop in Tecklenburg

Warum schreien die Darsteller in „Artus Excalibur“ ausschließlich? Die sind alle ausgebildet, habe alle Microports, eine gute Soundanlage ist in Tecklenburg installiert und alle müssten es doch besser wissen.

Doch viel schlimmer ist, dass Regisseur Ulrich Wiggers Solistenstehtheater veranstaltet. Und diese dann auf der breiten Freilichtbühne oft nur eine Blickrichtung haben. Schade.
Kann niemand Satzzeichen in Text und Lied sprechen oder wenigstens denken? Milica Jovanovic ist da die einzige Ausnahme – erschreckend! Das alles ist nicht megapeinlich für die erfahrenen und faulen Darsteller, sondern vor allem für Regieteam und Produzenten.

Ein schwaches bis schlechtes Musical wie „Artus Excalibur“ wird auch nicht in Tecklenburg gut (trotz Liveorchester). Die Lieder herrlich vorhersehbar, die Geschichte schön flüssig auf die breite Bühne ausgebreitet, dazu eine Menge mysteriöser Figuren, die allzu gerne tanzen. Und nordische Walküren holen die Helden auch im westlichen Wales ab. Dramaturgische Änderungen gab es gegenüber der Uraufführung in St. Gallen (15.03.2014), doch wirklich was gebracht hatte das anscheinend nichts.

Die Krone der Peinlichkeit wird nach der Krönung aufgesetzt, was schon viel zu lange gedauert hat. Da wird im Kampf Artus Ziehvater verwundet, bricht zusammen und das einzige, was den 16 Darstellern einfällt, ist rumzustehen und zuzuschauen, wie bei Merlin um Hilfe gebettelt wird. Die Szene dabei steht still, es passiert nichts bis er endlich tot ist und weggetragen werden kann. Gäbe es Parallelhandlungen vielleicht?

Und Lancelot „welkt“ vor sich hin. Kann das nicht ver-bessert übersetzt werden?

Schwache Solisten ohne Nachhall in einer ärgerlich schlechten Inszenierung mit mauen Slow-Motion-Gefechten und auch spannenden Zweikämpfen.

Interessanterweise scheint es circa halbvoll zu sein. Bei guten 1000 Zuschauern kann später nicht von erfolgreicher Saison, Stück oder Inszenierung gesprochen werden. Da kenne ich es wesentlich voller.

Ich wusste schon, warum ich immer wieder zögere, nach Tecklenburg zu fahren. Das Publikum bejubelt in Tecklenburg ohne Differenzierungen auch großen Mist. Ich blieb schon ein paar Jahre fern und bleibe es wieder.
Und diese Zeilen haben wie der ganze Theaterabend zu viel Zeit schon verschwendet …

Artus Excalibur
Komposition: Frank Wildhorn | Buch: Robin Lerner & Ivan Menchell | Übersetzung: Nina Schneider

Deutsche Erstaufführung am 18. Juni 2016 bei den Freilichtspielen Tecklenburg

Regie: Ulrich Wiggers | Musikalische Leitung: Tjaard Kirsch | Choreographie: Kati Heidebrecht | Kampfszenen: Klaus Fiege | Bühnenbild: Susanna Buller | Kostüme: Karin Alberti

Artus: Armin Kahl | Guinevere: Milica Jovanovic | Lancelot: Dominik Hees | Morgana: Roberta Valentini | Merlin: Kevin Tarte | Ector: Thomas Schirano | Loth von Orkney: Christian Schöne | Sir Gareth: Thomas Hohler | Mutter & Oberin: Anne Welte | Lucan: Andrea Luca Cotti | Priester: Sebastian Brandmeir | Igraine: Sophie Blümel | Uther Pendragon: Zoltan Fekete | Tristan: Marco Herse Foti | Bedwyr: Mathias Meffert | Kay: Fin Holzwart | Lamorac: Wolfgang Postlbauer | Ensemble: Lisa Kolada | Juliane Bischoff | Jennifer Kohl | Marthe Römer | Joyce Diedrich | Alexandra Hoffmann | Anna Carina Buchegger | Jan Altenbockum | Andrew Hill | Luciano Mercoli