4 von 5 * für die Rent-Tournee

Das Admiralspalast-Studio unter dem Dach des Unterhaltungshinterhauses bietet zwar vielen Zuschauern Platz, aber ist atmosphärisch schwierig. Für mich steigen die Sitzreihen zu steil an, alle schauen nur von oben und viel zu schnell bin ich gefühlt weit weg. Dann noch nur zwei Zugänge links und rechts von vorne und damit quasi an der Spielfläche direkt vorbei. Dass hier noch keine zwei weiteren Zusatztreppen wegen der Fluchtwege von hinten vorgeschrieben sind, finde ich erstaunlich.

Ansonsten ist die Bühne eigentlich eine leere, schwarze, durchaus breite und nicht unbedingt tiefe Fläche mit Tanzboden. Die Gastproduktionen bringen alles mit was hingestellt und -gehangen werden muss. Mehr ist nicht da. Mehr ist auch nicht zu erwarten.

So bringt die am 9. November 2017 im Theater auf dem Hornwerk Nienburg gestartete Rent-Tournee ein schnell auf- und abbaubares Baugerüst mit zwei Ebenen mit, wo davor Lichtleisten nicht nur Beleuchten und Atmosphäre schaffen, sondern auch zu digitalen Ziffern werden. Viele Lichtstimmungen durchaus, die eher viel Abwechslung brachten als theatrale Dramatik. Die Nachteile von Gastspielen eben. Bessere Textverständlichkeit auch in den Ensemblesliedern ist schon gefordert, was nur in den Solinummern wunderbar klappte. Die wirklich rockige Band mit erstaunlich nur vier Musikern ist inmitten des Gerüsts platziert. Elf Musicaldarsteller spielen alle Rollen, da als Joanne angekündigte Nedime Ince krankheitsbedingt – laut Produzent – vor der Premiere absagen musste. Kurzfristig wurde die großartig in diese Rolle aufgerückte Denise Obedekah nicht im Ensemble mit jemand Neuem ersetzt.

Manuel Dengler als Angel – wunderbar meist ohne irgendeine Perücke sogar – und Benjamin Beckmann als Filmer Mark sind die spannendsten Motoren in dem flüssig inszenierten Jahresverlauf. Ansonsten ein starkes Ensemble mit erfahrenen Rollengestaltern, wo Martin Markert als Benny glänzen und Ruud van Overdijk souverän als Roger an der herrlich widersprüchlichen Mimi von Marina La Torraca verzweifeln kann. Anna Hofbauer – teilweise als das bekannte Fernsehgesicht im Vorfeld promotet – kann die Erwartungen in der Performance der Maureen leider nicht erfüllen, ist aber wie alle anderen eine starke Spielerin in den vielen Szenen der Gruppe.

Regie und Ensemble verhandeln und durchleben mit einfachen, klaren und starken Gefühle ihre Geschichten. Dabei nehmen sie den Zuschauer mit auf ihre Reise. Das Vertrauen auf das inzwischen zeitlose Stück zahlt sich aus.
Dass bei einem Eintagesgastspiel ich keine aufwändige Ausstattung erwarten kann, ist mir klar und stört mich nicht. Auch ist das Ensemble – und die Band – eigentlich viel zu klein, aber es funktioniert. Dass dabei das Gastspiel aber Preise für die Karten von ca. 80 bis 60 Euro – also eigentlich war das meiste nur PK 1 – aufrufen muss, war eine fatale Fehlentscheidung. Viele blieben fern und der Saal nur circa zu zwei Drittel gefüllt. Ist die von der Mehr! Entertainment geforderte Eintagesmiete einfach zu hoch? Die undurchsichtige Preisgestaltung einmal mehr ein Ärgernis. Immerhin bekommen die Zuschauer in Wolfsburg und Itzehoe zum Abschluss der Tournee in dieser Woche die gleiche Aufführung für ungefähr und weniger als die Hälfte des Berliner Preises (38,-/34,- Euro). Mehr Erfolg dort!

Rent
von Jonathan Larson, in der deutschen Fassung Wolfgang Adenberg

Premiere am 9. November 2017 im Theater auf dem Hornwerk Nienburg mit Hilbert Productions

Regie: Walter Sutcliffe | Musikalische Leitung: Roun Zieverink | Choreographie: Mario Mariano | Ausstattung: Dorota Karolczak

Roger Davis: Ruud van Overdijk | Mark Cohen: Benjamin Beckmann | Mimi Márquez: Marina La Torraca | Angel Dumott Schunard: Manuel Dengler | Tom Collins: Denis Edelmann | Maureen Johnson: Anna Hofbauer | Joanne Jefferson: Denise Obedekah | Benjamin Coffin III: Martin Markert | Ensemble und Cover: Gerrit Hericks, Vasilios Manis, Michaela Khom

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