Can-Can gekonnt

Die Bühne Baden zeigte äußerst gekonnt Cole Porters und Abe Burrows‘ Paris-Musical „Can-Can“ über Gerechtigkeitssinn, zivilen Ungehorsam, freier Entfaltung und und und der komplizierten Liebe. Das Sängerensemble sehr gut zusammengestellt (die Bühne hat keine fest engagierten Solisten) plus artistischen Ballett und spielendem Chor.
Can-Can 20160320 Stadttheater Baden - Schriftzug mit Fuß_Dass aber Regisseurin Alexandra Frankmann-Koepp dann mit dem Musikalischen Leiter Oliver Ostermann plötzlich auf die deutschen Liedtexte verzichtete, stellte sich als schwerer Irrtum heraus. Auf allen Ankündigungen war der Hinweis auf Robert Gilberts Liedtexte nicht geändert worden … Sind sie so veraltet? Sollte der Verlag Felix Bloch Erben eine Neuübersetzung beauftragen?

Jedenfalls zerfiel manchmal das Musical in seine Bestandteile Szene, Lied und Tanz. Das war in der ansonsten sehr stimmigen Aufführung äußerst schade. Die Szenenwechsel wurden bei geschlossenem Vorhang mit musikalischer Untermalung gemacht, bei der ein Pariser Stadtplan projiziert wurde, auf dem der Weg zum nächsten Spielort grafisch dargestellt wurde. Eine gute Idee, die sich mit der Zeit etwas abnutzte. Besonders, wenn nur kurze Sprechszenen folgten.

Dirigent Oliver Ostermann begleitete sehr gekonnt mit einem aufmerksamen Orchester. Marcus Tesch ließ frisch den Can-Can tanzen – Wo sieht man so was Gekonntes noch live? – und zeigte Gespür für die bewegenden Momente. Pantelis Dessyllas hatte eine Gassen-Bühnenbild mit viel Pariser Flair und vielen Details und Friederike Friedrichs Kostüme bedienten sehr gekonnt Szene und Zeit. Alles wirklich gelungen. Diese Inszenierung – mit deutschen Liedtexten! – sollte an anderen Bühnen genauso ebenso zu sehen sein.

Wunderbare Charaktere mit all ihren glaubhaften Nöten und Sorgen spielten die Solisten. Elisabeth Ebner als moderne, resolute Chefin Pistache, die schwer zusammen stößt und immer wieder Richter Aristide Forestier (Oliver Arno) herausfordert. Hans Neblung gibt den geheimnisvollen Lebemann und Kunstkritiker Hilaire Jussac, der einer sehr präsenten Lisa Habermann als Claudine nachstellt, was Georg Leskovich als Boris in extrem herrliche Situationen treibt. Die Solisten wirklich stark im Spiel und musikalisch versiert mit viel Ausdruck. Das verzaubert!Can-Can 20160320 Stadttheater Baden - Plakat nur mit Dialoge_

Can-Can
von Cole Porter und Abe Burrows – mit Liedern in englischer Sprache und deutschen Dialoge von Paul Baudisch
Bühne Baden – Stadttheater
Premiere: 20. Februar 2016, 13 Mal bis 20. März 2016

Regie: Alexandra Frankmann-Koepp | Musikalische Leitung: Oliver Ostermann | Choreographie: Marcus Tesch | Bühnenbild: Pantelis Dessyllas | Kostüme: Friederike Friedrich
Pistache: Elisabeth Ebner | Richter Aristide Forestier: Oliver Arno | Hilaire Jussac: Hans Neblung | Claudine: Lisa Habermann | Boris: Georg Leskovich | Theophile: Artur Ortens | Hercule: Johannes Nepomuk | Etienne: Nathanaele Koll | Richter Paul Barriere: Franz Josef Koepp | Henri; Gerichtspräsident: Beppo Binder | Model; Marie (Dance Captain): Daniela Nitsch | Gabrielle: Barbara Castka | Celestine: Angelika Ratej | Gerichtsdiener; Arzt u.a.: Michael Duregger / Alexander Kuchinka | Polizeibeamter; Sekundant u.a.: Robert Kolar | Polizeibeamter; Gefängniswärter u.a.: Felix M. Berger

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