2017 die Uraufführung einer Operette?

Momentan überschlagen sich die Premierenankündigungen für die nächste Spielzeit 2016/2017 an den deutschsprachigen Stadttheatern. Etwas viele Wiederholungen und Neuauflagen, aber eben auch Seltenes wird zu sehen sein. In Operette und Musical! Denn die Stückauswahl ist enorm, auch wenn das kaum einer wirklich verstanden hat.
Viele Produktionen entstehen auch mittels Crowdfunding, wo quasi die Fans überteuerte Eintrittskarten mit kleinem Schmankerl vor der Inszenierung zusagen und kaufen, so dass genügend Einnahmen garantiert sind, um die Produktion zu proben und auf die Beine zu stellen.
Und Ideen für Uraufführungen gibt es genug. Kontinuierlich werden die einen realisiert und die anderen landen, vielleicht sogar nach einer Lesung vor Publikum trotzdem noch in den oft beschriebenen Schublade.
Zu dem haben auch die Macher immer noch Schwierigkeiten mit dem Begriff „Musical“, wo Gesang, Tanz, Spiel/Rollen zusammen kommen. Sie haben einfach keine Ahnung, wie umfassend der Begriff „Musical“ ist und wie stark er von der kleinkarierten Selbstwahrnehmung falsch besetzt ist. Kürzlich erst sprechen Peter Maffay, Rufus Beck & Co von einem „Fantastical“ als Bezeichnung der neuen Tabaluga-Hallentournee. Ein Album dient als Vorlage, Darsteller singen, tanzen, spielen in einem Satellitenbühnenbild in Kostümen mit viel Lichtregie. Und natürlich soll das kein Musical sein? Das darf dann sehr in Frage gestellt werden.

2017 die Uraufführung einer Operette?

Die Oper Chemnitz bringt ein Auftragswerk am 14. Januar 2017 zur Premiere: „Südseetulpen“, eine Operette in zwei Akten von Benjamin Schweitzer mit Libretto von Constantin von Castenstein.
Wo es heutzutage doch gar keine neuen Operetten mehr gibt? Oder doch? Und was ist eine Operette heute? Was ist der signifikante Unterschied, dass das neue Werk nicht doch ein Musical mit all seinen facettenreichen Möglichkeiten ist?

Die Oper Chemnitz bewirbt das neue Werk so (nachzulesen auf deren Homepage):
„John Blunt und George Caswell, zwei Finanzgenies im England des frühen 18. Jahrhunderts, werden von Queen Anne mit dem Monopol für den Handel mit den Südseekolonien beschenkt, wenn sie dafür die Kriegsschulden der Krone begleichen. Frohgemut gründen sie die South Sea Company und machen sich auf die Reise, um einen schwunghaften Handel anzukurbeln. Dass sie nur bis Jamaika kommen und außer einer pfiffigen Gouverneursgattin, der exotischen Schönheit Pandora und einer Blumenzwiebel nichts zu importieren haben, merkt in England niemand – allein das Gerücht märchenhafter Schätze lässt den Preis für die neu aufgelegten Aktien in die Höhe schnellen. Als die Queen den spanischen Erbfolgekrieg überraschend für beendet erklärt und der Schwindel infolgedessen auffliegt, fordern die zornigen Investoren ihr Geld zurück und trachten Blunt und Caswell nach dem Leben. Die verlassen England fluchtartig und in derselben Besetzung, wie sie es bei der Rückkehr aus Jamaika betreten haben. Doch was tun – mit nichts im Gepäck als einer einzigen Blumenzwiebel?
Die „Große Tulpenmanie“ in Holland von 1637 und die englische „Südseeblase“ von 1720 lieferten die historischen Konstellationen für ein Operettenszenario par excellence, und genau das haben sich der 1973 geborene Komponist Benjamin Schweitzer und sein Librettist Constantin von Castenstein auf die Fahnen geschrieben: die gute alte Operette bei ihren Hörnern zu packen, sie mit dem genretypischen Personal in der Bandbreite von der Königin bis zum Vagabunden anhand einer historischen Handlung neu zu befeuern – Anspielungen auf die tagesaktuelle Wirklichkeit nicht ausgeschlossen. Die Musik kombiniert Eingängiges mit den kompositorischen Errungenschaften des 20./21. Jahrhunderts, behält dabei aber stets den Charme der Operette im Blick.“

Inszenierung: Robert Lehmeier | Musikalische Leitung: Christoph Gedschold | Bühne: Tom Musch | Kostüme: Ingeborg Bernerth | Dramaturgie: Jón Philipp von Linden
Das Glück / Pandora: Cordelia Katharina Weil | Lady Margaret Hamilton: Sylvia Schramm-Heilfort | John Blunt: Jan Novotny | George Caswell: Andreas Kindschuh

Dann also am 14. Januar 2017 zur Premiere „Südseetulpen“, eine Operette in zwei Akten von Benjamin Schweitzer mit Libretto von Constantin von Castenstein, und schauen, ob es nicht doch ein modernes Musical ist …
Ansonsten planen die Städtischen Theater Chemnitz u.a. noch folgendes: „Lampenfieber – It’s Showtime“ (Tanzrevue durch die Zeit mit den großen Hits der Showgeschichte, Oper Chemnitz), „Struwwelpeter“ (Schauspielhaus Chemnitz), „Das scharlachrote Siegel“ (Übernahme und Überarbeitung aus Bielefeld, Oper Chemnitz) und eine Freilichtinszenierung von „My Fair Lady“ (Oper Chemnitz)

 

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