Fünf für volle Vielfalt – Creators Vorrunde 2 in Hamburg

Bei der zweiten Vorrunde des Creators-Wettbewerbs von neuen Musicals stellten sich wieder fünf Stücke vor. In 20 Minuten geben sie jeweils einen eigenen und auch eigenwilligen Einblick in ihre Musicals. Alle betreiben mächtig Aufwand, zeigen Lieder und spielen durchchoreographierte und -inszenierte Szenen. Dabei geht regelmäßig der Fokus verloren, denn etwas nebolös bleiben Idee, Ziel, Aussage, Aufbau oder auch die handelnden Personen an sich. Wer spielt eigentlich mit – und wie viele Darsteller teilen sich die Rollen auf?

Das Interesse ist wieder gewachsen, das Schmidt Theater am Spielbudenplatz ist absolut ausgebucht. Lukas Nimscheck war erneut das moderierende Showhighlight. Und die versprochene Auflistung der Mitwirkenden Autoren und Darsteller hängt aus. Sieben Juroren – meist Hamburger – waren sich zu meiner Überraschung absolut einig und nominierten nur eins der fünf Musicals fürs Finale. Damit haben sie sich für die jeweils einstündige Präsentation am 12. und 13. Oktober 2015 einen freien Platz aufgehoben, um nach der dritten Vorrunde noch ein Musical aus einer der Vorrunden nachzunominieren.

Ich war einfach froh, mich nicht sofort entscheiden zu müssen, denn diesmal waren alle fünf es Wert, mehr von sich in einer längeren Fassung zu zeigen. Es gibt Märchen, Historisches, Norddeutsches, Industriekritisches und singende Tiere.

„Die Vier von der Pier“ erzählt eine Geschichte über Seefahrer, Handelsleute und eine geklaute Beutekiste. Das ist eine nette Story, ziemlich harmlos, aber für Stimmung sorgend. Die Musik lädt zum Mitklatschen ein.

„Immer der Nase nach“ als gut gemachtes Familienmusical gewinnt diese Vorrunde. Märchen von gestern frech neu interpretiert ist wahrlich nicht originell („Cinderella“, „Grimm!“ etc.). Hier improvisiert die Erzählerin und irgendwie auch Hexe ein neues Märchen von einer Prinzessin mit einer langen Nase und zwei eifersüchtigen Schwestern. Von außen kommt irgendwie der Dreh auf einen Wettbewerb. Das ist Uptempo-Popmusik mit intelligenten Texten und Kritik aufs Ausgrenzen wegen Äußerlichkeiten.

„Compilation.“ erweist sich als spannende Geschichte über die Musikindustrie, die einen Boybandsänger offiziell sterben lässt, um danach riesige Umsätze zu haben mit postumen Neuveröffentlichungen. Da der Sänger Benny aber wieder auf die Bühne zurück will und ein weiblicher Fan einen Mordplan belauscht, kommt Dynamik in die Geschichte. Das Buch erinnert an „Hokus Pokus“ von Curt Goetz, musikalisch bedient es die Boy Band und eine Live-Gitarre hat auch eine Chance.

„Dogs“ startet als Referenz auf das Musical „Cats“ und erweist sich als vielfältige Gesellschaftssatire. Warum haben Menschen Kommunikationsprobleme und für Hunde nur Worte übrig? Als große Show mit unterschiedlichen Hundetypen, die ziemlich respektlos alles hinterfragen und auch mal steppen … Wohltuend war, dass die fünf Sänger live begleitet wurden vom Komponisten am Piano und einem Schlagzeuger.

„TROJA – Erzähl mir nix vom Pferd!“ kommt als Comedy-Musical über den Trojanischen Krieg daher, sehr locker, direkt und auch derb. Mit vielen Referenzen auf unser Heute. Doch auch mit intelligenten Texten. Der Autor führte als Erzähler durch die Präsentation. Lustig mit vielen Ideen schlüpfen fünf Darsteller in immer neue Rollen …

CREATORS 2015 im Schmidt Theater Hamburg – 2. Vorrunde mit 5 Musicals am Montag, 6. April 2015:
„Dogs“ (Johannes Kram, Florian Ludewig)
„Immer der Nase nach“ (Jörg Hilger, Harald Buresch)
„Compilation.“ (Dirk Mehnert)
„Die Vier von der Pier“ (Jann Hinnerk Timm, Jonas Kropp, Matthias Berger, Ben Kropp)
„TROJA – Erzähl mir nix vom Pferd!“ (William Danne, Rasmus Schumacher)

Fotos © Frank Wesner

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