Wieder mal ins Berliner Cabaret

Cabaret in Berlin hat seine Berechtigung auch im 15. Jahr. Vor allem ist das Musical zeitlos gut und auch die Besetzung aus neuen und bekannten Solisten ist sehenswert. Auch kommt immer noch das Publikum zu den jährlich zwei Monaten Spielzeit und das ca. 400 Plätze Zelt Tipi am Kanzleramt füllt sich durch die Abendkasse. Doch meine Probleme mit der pfiefigen Inszenierung, die zwar gute Momente hat, bleiben. Woran liegt das?

Zum ersten ist die Produktion eher klein und etwas gewollt auf groß gezogen. Das Tipi verwandelt sich nur stark behauptet in den Kit Kat Club. Warum das Zelt für die zwei Monate nicht großflächig umdekoriert wird? Das Licht müsste spannender sein und die Kulissenwände finde ich peinlich verloren auf der Bühne. Weniger ist mehr? Den Kostümen fehlt die Kraft und sehen zusammen gesucht aus. Dafür ist der Ton erstaunlich gut im Moment und die Sänger stehen im Vordergrund, wenn auch das Gefühl bleibt, dass von den Girls nicht wirklich viel zu hören ist.

„Selbst das Orchester ist wunderschön“ zu hören und mit der Miniinstrumentierung werden viele Farben herausgeholt. Da sie neben der Bühne spielen, können sie auf Sichtkontakt die Sänger begleiten. Da werden die Evergreens erkennbar und lebendig. Es wird auch mal gewollt schräg. Und als Matrosen müssen sie auch noch auf die Bühne und nach der Pause die Zuschauer wieder auf die Sitzplätze locken. Wunderschön.

Doch einiges finde ich verschenkt, wie die Nichtbeziehung von Sally und dem Conferencier. „Maybe This Time“ in Englisch singen zu lassen ist komplett falsch. Auch funktionieren die zueinander gesungenen Lieder schlechter als an der Rampe, doch nicht jeder Song ist eine Shownummer.

Auch der zeitliche Verlauf von Silvester bis August ist stellenweise ungenau. Woher weiß Ernst in Aachen, dass Cliff nach Berlin reist? Dann erwartet er am 1. Januar, dass bei Cliff schon Schüler warten. Die Liste der Detailfragen wird immer länger und auch bei einer privat gestemmten Produktion darf man erwarten, dass es in sich stimmt.

Immerhin werden wöchentlich bis zu 6 Vorstellungen gespielt. Mehr Nachfrage gibt es leider nicht. Ich frage ganz bissig nach einer großen, Berlin würdigen Neuinszenierung…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s