Am Ende haben die Dreamgirls ausgeträumt

Es hatte doch geklappt und ich durfte mir für „Dreamgirls“ eine Eintrittskarte in der ersten Reihe für super günstige 15 Britische Pfund kaufen. Eigentlich überglücklich erreichte mich die aalglatt durchlaufende Showbusinessgeschichte dann doch nicht ganz. Schade. Alles sehr gut gemacht, aber die Seele vom Ganzen finde ich unterbelichtet und die Inszenierung überbewertet.
Auch Fernsehstar Amber Riley als Sängerin Effie White spielt alles gerade auf den Punkt, aber keine Zwischentöne, Wendungen, Überraschungen. Das ist schwach. Und ihre privaten Armtatoos stören, wenn sie bei Gesten breit präsentiert werden. Das Ensemble ist durchaus stark – besonders die Männer in einem Musical über starke Frauen! Auch wenn alles nur flüssig und äußerlich wirkt, werden erstklassige, starke Momente gesetzt. Aber auch nicht mehr.

Regisseur Casey Nicholaw setzte auf den einfachen Publikumsgeschmack mit schönen langen und lauten Tönen, wo dann der erwartete Szenenapplaus automatisch einsetzt. Der musikalischer Leiter am Keyboard begleitet brav und der Sound von Richard Brooker ist um Längen zu laut – bis es schmerzt! Gerade in London bekommt der Zuschauer Differenzierteres geboten. Hugh Vanstone macht mit Licht die ganzen Szene mittels vier fahrbarer Lampenpanelen. Denn das kaum vorhandene Bühnenbild von Tim Hatley besteht bestenfalls aus Streifenvorhängen oder schwarz-grauen Wänden. Es war sicher teuer, sieht aber billig aus.
Die Kostüme von Gregg Barnes sind auch mittels der Überraschungen in Blitz schnellen Verwandlungen der Knaller und lenken gekonnt vom ärgerlichen Bühnenbild mit drei minikleinen fahrbahren Podesten ab.

Die Eintrittskarte in der ersten Reihe hatte ich nach mehreren Versuchen gewonnen bei der Mobillotterie via TodayTix. Doch das macht mir keinen Spaß und finde das nur nervig. Ab vier Stunden vorher werden die Gewinner aus einer unbekannten Anzahl von Teilnehmern gezogen. Jeweils eine Stunde Zeit zum Bezahlen via Kreditkarte. Verfallene Tickets bekommen welche, denen nicht gleich abgesagt wurde. Die bekommen erst zwei Stunden vorher die Nachricht, dass sie umsonst auf die Vorstellung gehofft haben. Mir gefällt das System so nicht. Vor allem, weil so kurzfristig entschieden wird.

Nach 19 Jahren wieder gut, „Dreamgirls“ mit Musik von Henry Krieger und Buch von Tom Even gesehen zu haben. Es gibt Besseres in London zu sehen und einige wichtigere Produktionen, die auch etwas erzählen wollen und können.

Dreamgirls
Musik: Henry Krieger | Buch & Text: Tom Even

Premiere am 14.12.2016 im Savoy Theatre, London

Inszenierung & Choreographie: Casey Nicholaw | Musikal. Supervision: Nick Finlow | Bühnenbild: Tim Hatley | Kostüme: Gregg Barnes | Licht: Hugh Vanstone | Sound: Richard Brooker

Werbung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s