Parole: Hingehen zu Emil im Atze

Atze bedeutet auf Berlinerisch großer Bruder. Und im Atze Musiktheater findet Emil viele neue Verbündete. Denn Emil braucht Hilfe, nachdem der diebische Gauner Grundeis ihm das Bargeld für seine Großmutter in Berlin gestohlen hat. Mit Gustav (ohne die Hupe) und den anderen Kindern folgen sie Grundeis ins Café, im Hotel, auf der Straße bis zur Bank – und bestehen so ein großes Abenteuer, was neuen Zusammenhalt produziert.
Die neue Version mit Gesang und Musik legt Wert auf spezielle Momente der Kinder, lässt sogar über Moral diskutieren, integriert Mädchen ganz selbstverständlich alltäglich zur Jugendbande und geht spielerisch mit den Situationen um. Da spielt es kaum eine Rolle, dass alles vor einem Einheitsbühnenbild mit schräger Rutschfläche gespielt wird.

Die Handlung von Erich Kästners Vorlage wird ins Heute verlegt, spielt weiterhin in Berlin und Jungs sowie Mädchen liegen gemeinsam auf der Lauer. Nur Berliner Dialekt wird nicht bedient. Eine nachvollziehbare Entscheidung, bedenke ich das Publikum von vielen multinationalen Schulklassen mit unterschiedlich guten Deutschkenntnissen.
Dafür sind die Dialoge zügig, Momente treffend gesetzt, oft musikalisch untermalt, dann fließend zum Lied übergehend. So „knorke“ kann modernes Musiktheater eben sein.

Regisseur, Autor und Theaterleiter Thomas Sutter fand ein engagiert zusammen spielendes Ensemble von sieben Schauspielern plus drei Musikern, die auch parallel Rollen übernehmen. Ein weiteres Zeichen für das Verzahnen im Musiktheaterbegriff vom Atze. Eine Grundschulklasse wird dann in jeder Aufführung am Ende mithelfen, Grundeis zu bedrängen und den Sieg der Kinder zu feiern.

Iljá Pletner ist der wache, freche Emil mit der Gitarre, der seine Unschuld beweisen will. Folke Paulsen ihm gegenüber als undurchsichtiger Kinderschreck Grundeis. Die acht weiteren Spieler übernehmen die vielen weiteren Rollen.

Emil und die Detektive
Komposition und Liedtexte von Thomas Sutter | Nach dem Kinderbuch-Klassiker von Erich Kästner

Uraufführung am 8. Januar 2017 im Großen Saal im ATZE-Musiktheater Berlin

Regie: Thomas Sutter | Musikalische Leitung, Komposition der Instrumentalmusik sowie Arrangements: Sinem Altan | Bühnenbild: Jochen G. Hochfeld | Kostümbild: Marie Landgraf | Dramaturgie: Göksen Güntel | Lichtdesign: Aaron Vorpahl und Ulrich Müller | Ton: Jasper Diederich | Regieassistenz: Rebecca Selle
die 10 Spieler: Doro Gehr, Nikolaus Herdieckerhoff, Nina Lorck-Schierning, Olivia Meyer Montero, Folke Paulsen, Mathieu Pelletier, Iljá Pletner, Aciel Martinez Pól, Markus Schmidt und Tanya Watoro

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