Blue Moon mit den zwei Gesichtern

Diese Billie-Holiday-Hommage konnte ich mit Glück schon in Wien erleben und in Berlin ist sie nun nicht minder spannend. Das Schlaue daran ist, wie gekonnt mit der Erwartungshaltung des Publikums gespielt wird. Was schon mit einer Beschimpfung beginnt.
Ein Abend, der nicht die verkannte Sängerin zum Opfer stilisiert. Sondern eher zeigt, wie Rassenhass die junge Frau prägt und verzweifeln lässt. Schonungslos wird gezeigt, wie sie sich Alkohol und Drogen hingibt. Teilweise befördert von ihren wechselnden Männern, die nur von einem verkörpert werden.

Das bringt zwei innerlich hässliche Charaktere auf die Bühne, denen ich gebannt zwei Mal 50 Minuten zusehe.

Diese Faszination hat in Wien für ausverkaufte Vorstellungen gesorgt. In Berlin ist wieder alles anders. Da scheinen die Zuschauer nicht zu ahnen, was für einen besonderen Abend sie im Renaissance Theater erleben könnten. Leider. Schade.

Die Live-Band auf der Bühne sorgt für die richtige Stimmung und musikalische Gestaltung, ist zu dem mit Klängen, Tönen und Präsenz dabei.

In der Berliner Fassung sind die Spielszenen ganz dicht an die Zuschauer gerutscht. Direkt an der ersten Reihe. Ob diese Nähe für Bedrückung sorgt? Aber die Verarbeitung in der Distanz zu dem Gesehen sorgt dann sicherlich für Nachhaltigkeit und einen unvergessbaren Theaterabend.

Blue Moon – Eine Hommage an Billie Holiday
von Torsten Fischer und Herbert Schäfer

Eine Produktion des Theaters in der Josefstadt (Uraufführung in den Kammerspielen Wien am 26. November 2015, siehe auch meine Rezension aus Wien) in Zusammenarbeit mit dem Renaissance-Theater Berlin (deutsche Erstaufführung am 20. Dezember 2016)

Regie: Torsten Fischer | Ausstattung: Herbert Schäfer, Vasilis Triantafillopoulos | Lichtgestaltung: Manfred Grohs | Musikalische Leitung Harry Ermer

Mit Sona MacDonald als Sie [Billie Holiday] und Nikolaus Okonkwo als Er [ihre Männer]

Live-Band: Klavier, Klarinette/Saxophon/Flöte, Kontrabass, Schlagzeug mit Harry Ermer, Stephan Genze / Philipp Schmitt, Hans-Dieter Lorenz, Patrick Braun

Sona MacDonald wurde u.a. für ihre Darstellung der Billie Holiday mit dem Nestroy-Theaterpreis als Beste Schauspielerin 2016 geehrt.

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