glatt, flüssiger und freundlicher BurnOut

Als Film hätte mir das neue Musical sicher besser gefallen, wenn überhaupt. Bei „BurnOut – Das Musical“, was am 9. Oktober 2015 im Imperial Club im Keller des Admiralspalastes Berlin uraufgeführt wurde, geht es um den Aufputschpillen schluckenden Werbejuppie Ben, dem ein Sohn geboren wird und dabei seine Ehefrau verliert. Nach quasi Selbstmordversuch zum Pausenfinale entschließt er am Ende sich – endlich – helfen zu lassen und etwas in seinem Leben zu ändern. Zu spät. Und auch gerade mir hat die krasse Wendung, dass seine allzeit präsente Frau Rebecca schon nach Minute 17 nur noch als Geist mit auf der Bühne ist, den intelligenten, reflektiert singenden Charakter nur noch unglaubwürdig gemacht. Schade.

Auch ist das Musical in gefühlt unendlich vielen kurzen Szenen nebst anschließendem Lied aufgebaut (es sind 23 Szenen mit 16 Liedern). Das ist eher Film für mich, es läuft Szene für Szene ab, nun ja. Autorin Sabine Haydn, die auf eigene Rechnung mittels Crowdfunding produziert und weitere Gastspielen in Emmendingen, Mannheim und Wien organisiert hat, geht mir viel zu freundlich mit den Vier um (und alle Vier sind ja eben eigentlich nicht nett – sonst würde ja keiner in einen Burnout getrieben werden – oder?). Wirkliche Tiefe kommt nicht oder eher am Schluss in den Sprechszenen auf (der Traum von Ben mit Rebecca und Anna ist eine hervorragender Moment). Plus ein Ende, das kein Ende nimmt. Die neuen Lieder von Jens Uhlenhoff sind schön geschrieben, oft auch schöne, weiche und etwas zahlreiche Untermalungen zum Lied hin, das Cello für mich zu oft im Einsatz. Die Verweise auf „Tanz der Vampire“, wo einige Darsteller schon auf der Bühne waren, sind ein herrlicher Einfall.

Überhaupt trägt Thomas Klotz als Benedikt den Abend, ist spannend, mit starker Stimme voller Emotionen. Doch Miriam Pielhau in der Doppelrolle als Ehefrau und Kollegin ist die beste, differenziert denkende Sprecherin des Viererensembles – leider nicht so eine ausgezeichnete Sängerin wie die anderen. Vieles ist bei den anderen ansonsten einfach zu glatt, gleichförmig und aufgezählt. Die Dialoge einfach oft verschenkt.
Veit Schäfermeier und Michaela Duhme stehen den beiden gegenüber, setzen als Werbechefs oder Bens Eltern ihren Sprössling unter Druck. Das wird großartig gemacht – nicht anders zu erwarten bei den Künstlern. Alle Vier sind wunderbar besetzt – sie könnten und müssten einfach nur besser, differenzierter und nicht so glatt sein.

Denn über Regisseur Thomas Smolej, der erst im August von Sascha O. Bauer übernahm, habe ich mich den ganzen Abend nur geärgert. Die unzureichende Textarbeit plus das katastrophale „Staging“ auf der kleinen Kellerbühne. In diesem ungünstigen Theaterraum auf niedriger Bühne mit 16 Stuhlreihen auf ebenen Boden wäre fast nur ein Stehen der Darsteller zulässig. Schon beim Hinsetzen auf der Bühne tauchen sie langsam ab, aber es wird noch schlimmer. Knien und Picknick auf dem Boden! Immer wieder Hörspiel!? Bitte, was soll das.

Dazu noch ein schwarzer Nichtraum mit wenigen Möbeln, Kleiderstange für die offenen Verwandlungen und schlecht gehangenem schwarzen Hintergrund – der angekündigte Bühnenbildner Sam Madwar wird im Programmheft nicht mehr genannt …

Absolut überflüssig finde ich die ständigen Verweise auf „so ein schwieriges Thema als Musical“. Denn Musicals mit Krankengeschichten und -hausaufenthalten – nebst realen Geistererscheinungen – gibt es längst – und das sind bessere bzw. punktgenauere. Die Geschichte war mir an sich zu glatt, flüssig und freundlich, eher kurzweilig packend nebst vieles in Frage stellender, überflüssiger Wendung.

BurnOut - Das Musical 20151009 Imperial Club im Admiralspalast Berlin - Logo„BurnOut – Das Musical“
Uraufführung am 9. Oktober 2015 im Imperial Club im Admiralspalast Berlin durch Sabine Haydn Produktionen

Komposition & musikalische Leitung: Jens Uhlenhoff / Buch: Sabine Haydn / Regie: Thomas Smolej
Ben: Thomas Klotz / Rebecca; Anna: Miriam Pielhau / Clemens; Vater; Psychiater u.a.: Veit Schäfermeier (bzw. Sven Prüwer) / Daniela; Mutter u.a.: Michaela Duhme plus Vierer-Liveband mit Keyboard, Bass, Cello und Schlagzeug sowie Microports.

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