Heilvolle Satire

Heil 20150716 Kino - PlakatWirklich überraschend respektlos trifft Dietrich Brüggemanns Kinofilm „Heil“ zentrale Missstände in unserem Land. Wie in dem Kinofilm und Musical „The Producers“ ist die lachhafte Übertreibung ein guter Weg, der überzeugt und den Film durchaus wertvoll macht. Hoffentlich wird die Satire auch überall als diese verstanden.

In „Heil“ verlieren Menschen ihre Erinnerungen und werden von anderen missbraucht. Ein farbiger Autor gerät so in die Fänge von brandenburgischen Neonazis, die sich gegenseitig vom Verfassungsschutz beauftragt und bezahlt ausspionieren. Das gipfelt in einem – nicht in deutsche Schubladen zu steckendem – heillosen Durcheinander von Roadmovie über Screwballcomedy mit Medienschelte und Verfolgungsjagd zum Splatterfilm, wo jeder jeden erschießt. Es geht ja schließlich ums nichts Geringeres als die Machtergreifung und den Einmarsch in Polen … Da darf man sich schon fragen, was das soll. Im doppelten Sinn!

Das Spielerensemble zeigt beängstigende Charakterstudien. Ein Typenzoo, der keine Guten und Bösen kennt. Einfach eine Gesellschaft am demokratischen Rande ihres Spiegelbilds.

Dazu liefert der Autor und Regisseur Dietrich Brüggemann noch den Soundtrack mit neuen Liedern. Eine respektlose Gesellschaftssatire mit einem genauen Finger in die Wunden und unausweichlichem Ausgang. Ziemlich übertrieben und unterfinanziert. Stark.

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