Sohn aus Stahl und Schwester aus Glas – das ist in Berlin „fast normal – next to normal“

Die vierte deutschsprachige Inszenierung „fast normal – next to normal“ gab es an einem der erfolgreichen Berliner Schauspielhäuser: dem Renaissance Theater. Geplant als Sommerbespielung – hoffentlich dabei war nicht geplant, dies nur vor halbvollen Haus zu spielen. Aber Berliner erkennen oft nicht, was für Juwelen in der Stadt selbst sind. Auch nicht, wenn Publikumsbekannte Darsteller wie Next to Normal - Fast Normal 201506 Berlin - Plakat querKatharine Mehrling und Guntbert Warns auf der Besetzung ganz oben stehen.

Pulitzer Preis für Drama und 3 Tony Awards 2009 – doch „fast normal – next to normal“ wird sicher nicht mein Lieblingsstück werden. Doch in Berlin gelang ein kleines Wunder, denn sowohl Inszenierung und das Miniensemble konnten mich gegenüber der deutschsprachigen Erstaufführung in Fürth mehr überzeugen. Alles war dichter, einheitlicher, packender. Nicht zuletzt, weil Regisseur Torsten Fischer die Bühne quasi leer räumte und mit Requisiten bzw. Möbeln sparsam umging (Frühstückstisch – nein danke). Die Ausstattung von Herbert Schäfer & Vasilis Triantafillopoulos bot mäßig interessante Kostüme, die leider nichts erzählten, und gefakte, rot angemalte Stahlträgerplattformen plus kleine Projektionsfläche. Alles ok. Am meisten überraschte mich, dass ich soviel zu lange Schattenspiele auf der Bühne sogar gut fand. Es war einfach spannend.

Unter Harry Ermers musikalischer Leitung am Keyboard klang alles rockiger und aus einem Guss. Die Musiker waren halb sichtbar unter den Podesten platziert. Extra Boxen aufgebaut. Das in kurzen Sprechpassagen dann die Mikroports abgeschaltet wurden, war ja nett, aber unnötig zum gleichmäßigen Klangbild.

Den Darstellern ist große Durchlässigkeit abverlangt. Unaufwändig wird das belastende Aufarbeiten der Vergangenheit direkt verhandelt. Ohne große Deckung und Kostüme – einfach eine Familie von heute. Das dabei Katharine Mehrling und Guntbert Warns nebst Felix Martin ein Heimspiel vor ihrem Publikum haben war anzunehmen. Das aber Devi-Ananda Dahm, Dennis Hupka und Anthony Curtis Kirby so großartig sein werden, hatte niemand angenommen, obwohl ihr Talent in Berlin seit „Grimm“ bekannt ist.

Eine Anmerkung zur zeitlichen und inhaltlichen Nähe: 2009 die Broadway-Premiere und die weltweite Bekanntschaft. Am 21.03.2013 hatte dann „Stimmen im Kopf“ als Rockmusical von Wolfgang Böhmer und Peter Lund Uraufführung an der Neuköllner Oper, Berlin – auch in Zusammenarbeit mit dem Studiengang Musical/Show an der UdK Berlin.

Eine der DAS-MUSS-MAN-IN-BERLIN-UNBEDINGT-GESEHEN-HABEN Produktionen.

Next to Normal - Fast Normal 201506 Berlin - Besetzung weißfast normal – next to normal
von Tom Kitt (Musik) und Brian Yorkey (Buch und Gesangstexte)
Deutsch von Titus Hoffmann
Renaissance Theater Berlin – in Zusammenarbeit mit dem Studiengang Musical/Show an der UdK Berlin
Premiere: 13. Juni 2015
Regie: Torsten Fischer / Musikalische Leitung: Harry Ermer / Ausstattung: Herbert Schäfer & Vasilis Triantafillopoulos
Diana Goodman: Katharine Mehrling / Dan Goodman: Guntbert Warns / Natalie Goodman: Devi-Ananda Dahm oder Sophia Euskirchen / Gabe Goodman: Dennis Hupka oder Jan-Philipp Rekeszus / Henry: Anthony Curtis Kirby oder Jan-Philipp Rekeszus / Dr. Fine und Dr. Madden: Felix Martin oder Matthias Freihof (22.-26.7., 29.7., 30.7., 2.8., 11.9., 12.9.)

Next to Normal - Fast Normal 201506 Berlin - Banner

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