Was das Universum im Inneren hält – und nicht raus lässt – „Faust I und II“ als Musical in Berlin

Faust I und II 20150414 3 Berliner Ensemble © Frank WesnerDas Robert-Wilson-Universum mit wunderschönen Kostümen, Stoffen, Masken und vor allem Handschuhen wird bei „Faust I und II“ als Musical gepaart mit einer eher enttäuschenden, quietschenden und vor allem unpraktischen Bühne. Das erstaunt. Die Herbert-Grönemeyer-Lieder mit Goethe-Texten sind ok und abwechslungsreich.

Rotschopf Mephisto ist bei Christopher Nell wunderbar agil. Leider verliert er in der Mitte im zweiten Akt seine rotgetönten langen Haare – nebst den Teufelhörnchen – und bekommt dafür einen glänzend roten Samtanzug. Sogar mit Steppschuhen legt er zum Live-Orchester eine flotte Eisensohle auf die Vorbühne …

Faust I und II 20150414 7 Berliner Ensemble © Frank WesnerDr. Heinrich Faust wird anfangs von bis zu fünf Darstellern gleichzeitig gespielt, aber nachher nur einer. Können auch zwei gewesen sein. Margarethe immer von drei Schauspielerinnen.

Boulevardtheater ist hingegen ehrlicher und genauso unterhaltsam. Und oft gar nicht so prüde wie dieser antiseptische Abend. Nicht vergessen: Faust schwängert Gretchen, die daraufhin wahnsinnig wird … Eine Herbert-Fritsch-Inszenierung ist genauso virtuos und unterhaltsamer – zwar nicht immer, aber oft.

Was bleibt? Bleibt was? Herzlich wenig.

Die bekannten Textzitate sind nicht gestrichen worden, aber sprachlich wurden die Inhalte viel zu gleich behandelt. Beeindruckend (und) langweilig.

Ach so: sie spielen, singen, tanzen und bewegen sich absolut choreographiert. Ob das dann ein Musical ist?Faust I und II 20150414 2 Berliner Ensemble © Frank Wesner

GOETHE / WILSON / GRÖNEMEYER

FAUST I und II
Textfassung Jutta Ferbers

Mit: Antonia Bill, Christina Drechsler, Anna von Haebler, Dorothee Neff, Friederike Nölting, Theresa Riess, Laura Tratnik;
Raphael Dwinger, Lukas Gabriel, Matthias Mosbach, Christopher Nell, Luca Schaub, Marvin Schulze, Joshua Seelenbinder, Samuel Simon, Fabian Stromberger, Felix Tittel, Nicolaas van Diepen, Alexander Wanat

Orchester: Stefan Rager (Percussion, Computer), Hans-Jörn Brandenburg (Elektronisches Klavier, Computer), Joe Bauer (Klänge, Geräusche), Michael Haves (Synthesizer, Bass, Gitarre), Ilzoo Park (Violine), Sophiemarie Yeungchie Won (Violine), Min Gwan Kim (Viola), Hoon Sun Chae (Violoncello)

Regie, Bühne und Lichtkonzept: Robert Wilson
Musik und Lieder: Herbert Grönemeyer
Kostüme: Jacques Reynaud
Mitarbeit Regie: Ann-Christin Rommen
Mitarbeit Musik/Sound Design: Alex Silva
Dramaturgie: Jutta Ferbers, Anika Bárdos
Mitarbeit Bühne: Serge von Arx
Mitarbeit Kostüme: Wicke Naujoks
Musikalische Leitung: Hans-Jörn Brandenburg, Stefan Rager
Musikalische Arrangements: Herbert Grönemeyer, Alex Silva
Zusätzliche Orchester-Arrangements: Hans-Jörn Brandenburg, Alfred Kritzer, Lennart Schmidthals
Licht: Ulrich Eh
Videoprojektionen: Tomek Jeziorski

Die Inszenierung FAUST I und II wurde gefördert von der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin

neuer Premierentermin: Mittwoch, 22. April, 19Uhr

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