„Vier Hochzeiten und ein Musical“ oder „The Drowsy Chaperone“ erneut in München

Was für eine mustergültige Inszenierung mit einem hochbegabten Ensemble, was aus der aktuellen Abschlussklasse der Musicalausbildung an der Bayrischen Theaterakademie August Everding gebildet wird. In sieben Vorstellungen gastierte die Produktion im Münchner Prinzregententheater und Regisseur Stefan Huber hatte feine Charaktere geschnitzt und geschmiedet. Der aus Chemnitz sehr bekannte Tom Bitterlich leitete seine Band von hinten über der Bühne sitzend. Bühnenbildner Karel Spanhak holte das doppelbödige Geschehen direkt an die Zuschauer auf den hochgefahrenen Orchestergraben in dem 1000-Plätze-Theater. Das bietet Möglichkeiten für einige Türen und Eingänge – der begehbare Kühlschrank steht sogar mal rechts an der Seite. Dafür gibt es in der Mitte ein überdimensionales Röhrenradio – wo die Live-Band versteckt ist. Die New Yorker Einzimmerwohnung hat nun genug Platz für große Tänze, doch der Mieter muss ziemlich oft mit seinem Sessel umziehen und Platz schaffen. Auch das „mitten im Zimmer“ landende Flugzeug nebst Hochzeitsabflug kommt zwar aus dem Bühnenhimmel geflogen, landet aber weit hinten ober auf dem Kulissenradio, womit vieles verschenkt und nur behauptet wird. Ob da eine technisch weniger opulente und dafür spielerisch witzige Variante nicht besser gewesen wäre?

Gay bedeutete einfach nur Spaß – und darum geht es in dieser Show

Vier Hochzeiten und ein Musical 20150318 München - SujetRalph Morgenstern ist Gastgeber und erzählender Mann im Sessel, der im dunklen Zuschauersaal beginnend im Publikum sitzend über das Theater sinniert. Mit Präzision und Betonung taucht mit ihm der Zuschauer gerne in längst vergangene Zeiten über – erlogene – Musicals und -stars. Eigentlich soll geheiratet werden, doch die Braut – die sich für meinen Geschmack mehr trauen könnte – will die Broadwaykarriere aufgeben, der flotte Bräutigam beeindrucken, der Manager die Hochzeit verhindern, ein Showgirl eine Karriere, die Anstandsdame beschwipst aufpassen, ein italienischer Lover sich verlieben, falsche Bäcker nicht nur mit Worten jonglieren, der Trauzeuge nicht nur das Steppen nicht vergessen, ein Diener nicht nur dienen und die Hausherrin endlich wissen, warum sie Gäste hat, was wiederum bei Personal & Reporter viele Fragen aufwirft. Mitten in diesen Turbulenzen landet Doppeldeckerpilotin Trix im Garten. Was Musicals alles so können …

Stefan Huber hat ehrliche Charaktere mit all ihren Nöten auf die Bühne gezaubert. Das Studentenensemble kann zeigen, was in ihm steckt. Erstklassig besetzt, wo fast jeder zeigen kann, was ihn ihm/ihr steckt. Sozusagen ein lebendiges Empfehlungsschreiben für die großen Bühnen!

„Vier Hochzeiten und ein Musical“ oder „The Drowsy Chaperone“ von Lisa Lambert, Greg Morrison, Bob Martin und Don McKellar, Deutsch von Roman Hinze

Bayerische Theaterakademie August Everding und Hochschule für Musik und Theater München im Prinzregententheater München, Premiere: 18. März 2015

Regie: Stefan Huber / Musikalische Leitung: Tom Bitterlich / Choreographie: Danny Costello / Bühnenbild: Karel Spanhak / Kostüme: Heike Seidler / Dramaturgie: Stephanie Serles, Janina Werner

Mann im Sessel: Ralph Morgenstern / Robert Martin, der Bräutigam: Peter Schmid / George, der Trauzeuge: Marco Toth / Janet van de Graaff, die Braut: Katrin Paasch / Die beschwipste Anstandsdame: Sampaguita Mönck / Feldzieg, der Broadwayproduzent: Oliver Floris / Kitty, das Showgirl: Christina Gößlbauer / Mrs. Tottendale, die Gastgeberin: Ruth Fuchs / Underling, der Diener: Fabian Raup / Gangster 1: Noah Wili / Gangster 2: Matthias Trattner / Aldolpho & Hausmeister: Till Kleine-Möller / Trix, die Fliegerin: Theresa Weber / Personal & Reporter: Julia-Elena Heinrich
Orchester: The Drowsy Radio Orchestra (Kooperation mit dem Jazz Institut der Hochschule für Musik und Theater München)

wichtig: Die Münchner Erstaufführung „The Drowsy Chaperone“ war im Spectaculum Mundi, Premiere: 09.01.2015!

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