Herrliche Zeiten janz weit wech: „Im weißen Rössl“ in Ingolstadt

Die weite Reise war es mehr als Wert. Und eine Menge Berliner sind dabei. „Schon mal ne Jejend ohne Bärliener jesehen?“ Das Schauspielensemble in Ingolstadt zeigt ein kleines, feines wie auch derbes und ungemein unterhaltendes „Im weißen Rössl“.

Im weißen Rössl 20150321 Stadttheater Ingolstadt - Bild mit BesetzungRegisseur Folke Braband arbeitet mit viel Timing und sich entwickelnden Situationen, in denen die Schauspieler glänzen – und sich gegenseitig Paroli bieten können. Die Personage ist nicht üppig, der Extrachor nur punktuell eingesetzt und Statisterie nicht angeheuert. Da fehlt es dann auch dem Schauspielregisseur an belebenden Parallelszenen, der Kaiser ist ein einsamer, allein gelassener Mann und in das eigentlich ausgebuchte Hotel gehen so gut wie keine weiteren Gäste. Keiner bekommt einen Kaffee etc.

Antje Rietz ist die derbe, zupackende und stimmgewaltige Rössl-Wirtin Josepha mit vielen Zwischentönen, Facetten und Farben. Richard Putzinger als unforciert spielendes Energiebündel Leopold mit dem Herz am rechten Fleck liefert sich spielerische Schlachten mit seiner Chefin. Jan Gebauer ist ein wunderbarer Giesecke. Teresa Trauth heizt als berlinernde Post-Kathi das Dialektkarrussel gekonnt an. Denise Matthey und Stefan Leonhardsberger fallen als Klärchen und Sigismund mit ihrer Frische, Lust und dem Tanzeinsatz besonders auf. Choreograph Dominik Büttner, der als Piccolo wirbelt, bewegt mit Augenmerk, was lustvoll tanzen mag. Dank der mitten im Geschehen platzierten 7er Band unter Leitung des Schlagzeugers Tobias Hofmann bleibt alles leicht, witzig wie auch volkstümlich.

Im weißen Rössl 20150321 Stadttheater Ingolstadt - TheaterINStephan Dietrich arbeite mit vielen Trachten und hatte auch für das Bühnenbild witzige Ideen. Denn eigentlich spielen alle mitten in drei überdimensionalen Wolfgangsee-Postkarten. Das ist witzig und trägt den Abend über. Äußerst ärgerlich ist aber, dass das Hotelbild ein kleines Fachwerkhaus – natürlich ohne Balkon(zimmer) – zeigt und der aus dem Seebild herausragende Steg ungeklärterweise rechts gleichzeitig ins und hinter das Hotel sowie mitten in den See hinein führt. Nett angedacht, schlecht weiter gemacht. Denn so ist das Bild eigentlich die reinste Behauptung – schade gegenüber dem mehr als gelungenen Spiel und den hinreißenden Darstellern. Nix wie hin nach Ingolstadt.

Im weißen Rössl Fassung »Bar jeder Vernunft« Singspiel in drei Akten frei nach dem Lustspiel von Blumenthal und Kadelburg von Hans Müller und Eric Charell, Gesangstexte Robert Gilbert, Musik von Ralph Benatzky, sechs musikalische Einlagen von Robert Gilbert, Bruno Granichstaedten und Robert Stolz
Premiere am 21. März 2015, Theater Ingolstadt – Großes Haus

Regie: Folke Braband / Musikalische Leitung: Tobias Hofmann / Ausstattung: Stephan Dietrich / Choreografie: Dominik Büttner / Dramaturgie: Donald Berkenhoff & Paul Voigt / Regieassistenz: Rowena Butschke & Anna-Lena Henkel / Soufflage: Susanne Wimmer / Inspizienz: Annette Reisser
Josepha Vogelhuber: Antje Rietz / Leopold: Richard Putzinger / Wilhelm Giesecke: Jan Gebauer / Dr. Otto Siedler: Peter Reisser / Sigismund Sülzheimer: Stefan Leonhardsberger / Prof. Dr. Hinzelmann: Olaf Danner / Ottilie: Stefanie von Poser / Klärchen: Denise Matthey / Kaiser: Sascha Römisch / Piccolo: Dominik Büttner / Kathi: Teresa Trauth / Bratsche: Katie Barritt / Klavier: Jan Eschke / Cello: Monika Fuhs / Schlagzeug: Tobias Hofmann / 1. Geige: Blerim Hoxha / Kontrabass: Ludwig Leininger / 2. Geige: Franziska Wilkesmann

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