„Singin’ in the Rain“ im Opernhaus Nürnberg

Singin in the Rain 20150214 Nürnberg - PremierenbesetzungSchein und Sein und Tanzen auf Oberflächen

Die Berliner Gaines Hall, Robin Poell und Filipina Henoch sind als Don, Cosmo und Kathy – wie erwartet – grandios und der großartig glänzende Garant in dem Musicalklassiker übers Tonfilmmachen. Das Nürnberger Opernhaus hat erneut einen Hit und knüpft an Produktionen wie „Sweet Charity“ (27.02.2010) an. Sogar Sophie Berner als nerviger Blondinenzickenstar Lina Lamont gefällt mir einmal auf der Bühne, obwohl ich sie im Verhältnis zu ihren Partnern etwas zu jung finde. Dafür hat sie eine extra Szene mit zusätzlichem Song („What’s Wrong With Me?“). Überhaupt vom Zuschauen einfach nicht zu verstehen ist, warum das „Chichester/London 2012 Revival“ gespielt wird, wenn das nirgends Erwähnung findet! Nicht auf dem Besetzungszettel oder im Programmheft. Eine „neue“ Textfassung gab es damit auch (von Roman Hinze), wo doch so vieles bekannt vorkam. Zum anderen ist die Wahl von englischen Liedtexten einfach nur ärgerlich und lächerlich, da die Szenen sich nicht mit den Songs verbinden. Die Lieder wirken so fremd auf der Bühne, als wenn sie aus dem Film kopiert wurden. Wann wird dieses zweisprachige Durcheinander endlich weniger?

Melissa King bietet wie erwartet große Tanznummern – wirklich virtuos gelungen und beeindruckend – in einem etwas zu schlicht (und wackelnd) geratenen Bühnenbild (Knut Hetzer). Ein nicht gerade überwältigender weißer Rundhorizont mit – manchmal fragwürdigen – Rückprojektionen plus sechs Riesenpalmen bieten viel Platz zum Tanzen… Der verlegte Tanzteppich wird dann zum Glück ohne Veränderung genutzt für das Singen im Regen, was spät durch vier vom Bühnenhimmel hinabgelassene Gießkannenstatisten, die bei weitem leider nur von einem Teil des Publikums gesehen werden können, dann doch noch eine Leichtigkeit bekommt. Immerhin sind die Kostüme von Judith Peter mit wallenden Stoffen, fließenden Schnitten und großer Eleganz eine ins Jahr 1927 hinein versetzender Glücksfall.

Doch die Choreographin bringt den Film live auf die Bühne und der Abend bleibt albern auf der Unterhaltungsoberfläche (Dramaturgie: Sonja Westerbeck). Sie schafft keine Momente, wo die Vier einfach einmal von sich aus glänzen, ohne das sie fast akrobatische Kabinettstückchen gezeigt haben. Die Szenen beim Filmdrehen punkten mit komödiantischen Timing. Neben sechs Statisten sind extra zehn Musicaldarsteller engagiert worden, die die und mit Größe (und Können) die Nummern füllen, wofür sie dann auch eine Extra-Reprise von „Good Morning“ bekommen haben. Doch warum dürfen nur 16 Damen und Herren des Chores auf die Bühne und wenn dann Kathy am Schluss ins Publikum flüchtet, ist niemand (!!!) da, der sie aufhält (und die Zwischenrufe davor waren eingespielt).

Der Abend ist extrem nachgefragt (was wunderbar ist) und rutscht so durch. Genauso wie die Rollenbesetzung „Ziegfeldtänzer“ auf dem Besetzungszettel. Was eher nach einem Kopierfehler von dem ebenso auf Sparflamme zündenden und abgespielten „Funny Girl“ (02.11.2013) aussieht. Florenz Ziegfeld (1867 – 1932) war Broadway-Produzent u.a. von Fanny Brice und kam erst 1929 für kurze Zeit zu den Filmstudios. Alles eben mehr Schein und Sein an der Oberfläche in Nürnberg.

… Und bei der Filmpremiere des neuen Kurzfilms fehlte schlichtweg „The End“ …

Opernhaus Nürnberg, 16. März 2015 © Frank Wesner

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